Zwei starke Frauen für den Frauenfußball beim VfB Stuttgart: Vereinsmanagerin Lisa Lang (links) und Abteilungsleiterin Oriana D’Aleo Foto: VfB Stuttgart

Beim VfB Stuttgart existiert jetzt eine Abteilung für Frauenfußball. Warum kooperiert der Bundesligist dabei ausgerechnet mit dem VfB Obertürkheim? Und ist Geld geflossen? Zwei von vielen Fragen, die sich stellen.

Stuttgart - Der Traditionsverein von 1893 hat einen langen Anlauf genommen. Seit mehr als 15 Jahren gab es beim VfB Stuttgart immer wieder Diskussionen darüber, ob auch Mädchen und Frauen im Trikot mit dem Brustring Fußball spielen sollten. Jetzt ist der historische Schritt vollzogen: Der VfB hat eine entsprechende Abteilung gegründet – und Claus Vogt ist stolz darauf. „Jetzt haben wir Nägel mit Köpfen gemacht und unser Spektrum um eine sehr wichtige Abteilung erweitert“, sagt der Präsident. Kooperationspartner des großen VfB ist der weitaus kleinere VfB Obertürkheim. Dennoch verliefen die Gespräche auf Augenhöhe. Hier die Antworten auf wichtige Fragen.

 

Ab wann wird gespielt?

Der Spielbetrieb soll zur Saison 2022/23 aufgenommen werden. Die entsprechenden Anträge haben sowohl der VfB Stuttgart als auch der VfB Obertürkheim bei den zuständigen Verbänden gestellt. Es sollen mehrere Teams im Jugend- und Aktivenbereich aufgebaut werden. Aktuell haben die Obertürkheimerinnen drei Frauenteams – in der Regionalliga, in der Landesliga und der Bezirksliga. Um zusammenzuwachsen, nimmt sich der VfB nun ein Jahr Zeit.

Wo wird gespielt und trainiert?

In Obertürkeim – das sieht die Kooperation ganz klar vor. Damit wurde das Hauptargument vieler Frauenfußball-Kritiker beim VfB Stuttgart entkräftet. Denn an der Mercedesstraße reichen die Platzkapazitäten für den Spiel- und Trainingsbetrieb jetzt schon kaum aus, um den hohen Ansprüchen im Profibereich und im Nachwuchsleistungszentrum gerecht zu werden. Nun sind weder die Bundesligaspieler noch die Talente eingeschränkt.

Was sind die Ziele?

Sportlich ist dies einfach zu beurteilen. Der VfB Stuttgart will möglichst erfolgreich sein. Fernziel ist deshalb die Frauen-Bundesliga. Doch so weit ist es noch lange nicht. Gestartet wird in der Regionalliga, der dritthöchsten Klasse. Wie schnell erste Aufstiegsträume aufkommen werden, ist nicht zu beantworten. Die Hoffnung ist aber, dass der VfB auf Spielerinnen eine hohe Anziehungskraft ausübt. Gesellschaftlich will der VfB seiner Verantwortung weiter gerecht werden und das Motto der Vielfalt leben. „Wir werden den Mädchen- und Frauenfußball nachhaltig auf- und ausbauen und somit die Region weiter stärken“, sagt der Präsident Claus Vogt.

Warum der VfB Obertürkheim?

Rein von den Vereinsfarben her liegt die Kooperation nicht so nahe: Weiß-Rot und Blau sind bei den Vereinen für Bewegungsspiele vertreten. Während der ersten Projektphase hatte der VfB Stuttgart mehrere Vereine angesprochen. Verschiedene Bewertungskriterien spielten danach eine Rolle. Zum Beispiel, ob eine eigene Spielstätte vorhanden ist. Auch die örtliche Nähe war ein Punkt. Beim VfB Obertürkeim passte vieles, so dass er sich zur 1-a-Variante entwickelte. Weiter waren noch der SV Hegnach, der VfL Sindelfingen und der TSV Münchingen im Gespräch. Mit diesen Vereinen will der VfB in engem Kontakt bleiben. So soll ein Vereinsnetzwerk entstehen, um Talente zu halten.

Ist Geld geflossen?

Nein. Es handelt sich zunächst um eine sportliche Kooperation. Der VfB Stuttgart unterstützt den VfB Obertürkheim mit Know-how, Trainings- und Spielmaterialien. Auch bei der Verbesserung der vorhandenen Sportinfrastruktur wird geholfen. Das wird erst einmal den Reha- und Physiobereich betreffen. Es ist jedoch geplant, dass der Erstligist seine Sponsoren, Partner und Ausrüster mit ins Boot holt, um vorwärts zu kommen. Erste Gespräche gab es bereits, und die Resonanz ist gut. Letztlich wird es dann auch um finanzielle Unterstützung gehen. „Für uns als Breitensportverein mit einer erfolgreichen Frauenfußballsparte ist diese Kooperation ein absoluter Gewinn“, sagt der Obertürkheimer Vorsitzende Stefan Tröscher.

Wer hält die Fäden in der Hand?

Zwei Frauen. Lisa Lang aufseiten des VfB Stuttgart und Oriana D’Aleo beim VfB Obertürkheim. Lisa Lang hat früher selbst in der zweiten Liga gespielt und ist nun als Vereinsmanagerin angestellt. D’Aleo ist bisher Abteilungsleiterin und wird diese Funktion künftig bei beiden Clubs innehaben. Auf sportlicher Ebene will sich der Männer-Bundesligist nicht einmischen. Dieses Feld gehört dem Frauen-Regionalligisten mit Trainer André König.

Wie fallen die Reaktionen aus?

Positiv, wie Claus Vogt berichtet. Beim Präsidenten haben sich eine Reihe von Mitarbeiterinnen gemeldet, die sich für den Frauenfußball engagieren wollen. Die Nationalspielerin Leonie Maier (in Stuttgart geboren, jetzt beim FC Arsenal und VfB-Fan) hat ebenso gratuliert wie Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg. Aber auch VfB-Größen wie der Ehrenspielführer Guido Buchwald, der Meisterspieler Cacau und der Ehrenpräsident Erwin Staudt gehören zur Unterstützerliste.

Wie geht es weiter?

Den Spielerinnen sowie den Trainer- und Betreuerteams aus Obertürkheim wird angeboten, sich dem VfB Stuttgart anzuschließen. „Für diesen Schritt hat sich eine große Mehrheit bereits jetzt ausgesprochen. Wir wollen gemeinsam mit dem VfB Stuttgart und unter seiner Flagge sportlich weiterwachsen und so den Frauen- und Mädchenfußball in Stuttgart weiter voranbringen“, sagt die Abteilungsleiterin Oriana D’Aleo.

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