Das Glasfasernetz lässt auf sich warten. Foto: Ade

Seit 2017 läuft die Planung für den Ausbau der Glasfaserversorgung in Dornstetten. Nun muss der Gemeinderat wieder einmal entscheiden. Doch viele Fragen bleiben offen.

Dornstetten - Auch bei Bürgermeister Bernhard Haas ist eine gewisse Ungeduld zu spüren. "Das Thema Glasfaserausbau zieht sich einfach", räumt er recht freimütig vor dem Gemeinderat ein. Die bisherige Planung sowie die Vergabe von Aufgaben seien einfach nicht so zügig vorangekommen wie gedacht. Es sei aber auch "alles unheimlich kompliziert".

Wieder einmal beschäftigt das Thema Glasfaser den Gemeinderat. Es gibt kritische Fragen, etwa: "Wann können endlich unsere Schulen angeschlossen werden?" Gerade angesichts der Coronakrise sei diese Frage von höchstem Interesse, meint ein Fragesteller und verlangt, dass Schulen "die gleiche Priorität haben wie Industriebetriebe". Auch hier ist eine gewisse Ungeduld spürbar.

Die Frage, wann es denn endlich so weit sei mit den Schulen, aber auch mit allen anderen Nutzern, lässt sich laut Expertenmeinung gar nicht so leicht beantworten. "Ich kann Ihnen keinen Zeitpunkt nennen", sagt Breitbandkoordinator Marco Ebinger vom Landratsamt Freudenstadt. Auch er räumt ein, dass "Corona nochmals einen Schub gegeben hat, der Breitband-Bedarf der Bevölkerung steigt immens".

Eine klare Prognose könne er aber nicht machen, "da müsste ich lügen, und das tue ich nicht". "Im Laufe eines Infrastrukturprojekts dieser Größenordnung und den damit verbundenen Ausschreibungsverfahren können Verzögerungen nicht ausgeschlossen werden." Dornstetten und der Landkreis würden alles daran setzen, den Ausbau voranzutreiben. Aber: "Ein konkretes Datum für den Anschluss der Bildungseinrichtungen auf der Gemarkung der Stadt Dornstetten kann zum aktuellen Projektstand wegen der vielen Faktoren nicht genannt werden."

Seit dem Planungsstart sind bereits vier Jahre ins Land gegangen. "Beginn der Planungen war 2017", so Ebinger. "Diese Planungen müssen jedoch nach Änderungen der Fördervorgaben vollständig überarbeitet werden. In den laufenden Planungen wurden alle Bestandsinfrastrukturen (Leerrohre) erfasst, alle Hausanschlüsse (öffentliche Einrichtungen, Wohngebäude, Gewerbe, künftige Gewerbe- und Wohngebiete) ermittelt und mögliche Trassenführungen abgestimmt. Aktuell wird die Strukturplanung inklusive aller Technikstandorte wie zum Beispiel Verteiler und Hauptverteiler erstellt." In Kurzform, so Erdinger, heißt das: "In Dornstetten ist die Infophase abgeschlossen, jetzt beginnt die Strukturplanung."

"Komm.Pakt.Net" betreut Ausschreibung

Beim anstehenden Beschluss des Gemeinderats ging es im Kern um die Abwicklung anstehender Ausschreibungen und Förderanträge. "Die Ausschreibungen selbstständig durchzuführen ist sowohl zeitlich als auch rechtlich unmöglich und sollte unbedingt durch eine externe Firma erstellt werden", heißt es dazu in der Sitzungsvorlage des Bürgermeisters. Durch die jetzt anstehende Ausschreibung soll "ein Unternehmen gefunden werden, welches anschließend die Bauleistungen ausschreibt", heißt es weiter. Allein diese "juristische Verfahrensbegleitung" belaufe sich auf rund 26 000 Euro, eine Summe, die ihn "zunächst erschreckt hat", sagt Haas. Aber die Dinge seien eben hoch kompliziert, "da brauchen wir eine kompetente Betreuung". Den Zuschlag für diese Aufgabe erhielt die "Komm.Pakt.Net", ein Verbund von mehr als 200 Städten und Gemeinden in acht Landkreisen zum Zweck des Breitbandausbaus.

Offen ist derzeit eine andere entscheidende Frage: Wie viele private und öffentliche Endverbraucher werden in den Genuss des Netzes kommen? Auch hier bleibt der Experte Erdinger vage: "Im Rahmen des Backbone-Ausbaus durch den Landkreis und dem Ausbau der geförderten Gebiete durch die Stadt Dornstetten werden den unmittelbaren Anliegern an die Trassen Angebote für Hausanschlüsse unterbreitet." Und weiter meint Erdinger: "Wenn durch die Stadt Dornstetten in den nächsten Jahren tatsächlich der Aufbau eines Nahwärmenetzes erfolgt, werden in diesem Zusammenhang sehr wahrscheinlich ebenfalls Glasfaser-Hausanschlüsse erstellt. Eine solide Schätzung ist im Moment nicht möglich."