Glasfaser gibt es in Bad Teinach-Zavelstein schon an vielen Stellen. Foto: © alphaspirit – stock.adobe.com

Der digitalen Zukunft in Bad Teinach-Zavelstein kann kommen. Denn Stadtverwaltung und Gemeinderat schicken sich jetzt an, mit Hilfe von einer guten Förderung die digitale Glasfaser-Zukunft in Bad Teinach-Zavelstein Wirklichkeit werden zu lassen.

Bad Teinach-Zavelstein - Es ist ein millionenschweres Zukunftsprojekt wie es im Buche steht, das in der Stadt Bad Teinach-Zavelstein dieser Tage angeschoben wurde. Denn es geht um den weiteren Breitbandausbau. Dafür will man einen Förderantrag im Programm "Graue Flecken" einreichen und gleichzeitig in an der Generalunternehmerausschreibung III des Landkreises teilnehmen. Insgesamt spreche man da von Kosten von gut zehn Millionen Euro, erläuterte Bürgermeister Markus Wendel. Das Fabelhafte an dieser Investition: durch Landes- und Bundesmittel werden 90 Prozent gefördert. Das ehrgeizige Ziel der Stadtverwaltung: "Jedes bebaute Grundstück soll in diesem Jahrzehnt einen gigabitfähigen Anschluss erhalten", sagt Wendel. Ein Ziel, das auch zu erreichen wäre, denn aktuell ist Bad Teinach-Zavelstein eine der wenigen Kommunen, die keinen "weißen Fleck" – also quasi Gebiete, die annähernd vollständig von der digitalen Außenwelt abgeschnitten sind – mehr im Stadtgebiet haben.

 

Einst Modellgemeinde

Emberg sei fertig, Schmieh auch schon versorgt, in Zavelstein seien schon gewisse Teile gigabitfähig. In Kentheim ist die tempolimitfreie Datenautobahn schon längst verlegt, denn hier zog die Firma KabelBW in den 1990er-Jahren ein Koaxialkabel hindurch, um die Teilgemeinde modellhaft zu testen. Auch in Bad Teinach sei das Internet schon da, wenn auch über die Telekom und Vectoring-Technik. Das Problem an der Sache, so Wendel: Die öffentliche Hand dürfe nur nachrangig ausbauen und auch nur dann, wenn ein Markterkundungsverfahren gelaufen ist. Platt formuliert: Das Rathaus ruft bei "den Großen der Szene", wie es Wendel sagt, an und erkundigt sich nach der möglichen Ausbauabsicht. "Keines der Unternehmen hat gesagt, wir bauen da aus", berichtet der Rathauschef. Unterscheiden muss man bei der Förderung aber noch nach hell- und dunkelgrauen Flecken. Erstere weisen eine Versorgung von unter 100 Mbit/s auf, alle anderen sind die, die noch nicht gigabitfähig sind. Beide Kategorien will man sich in Bad Teinach-Zavelstein vornehmen. Zunächst allerdings alle hellgrauen Flecken, da es auch noch unsicher ist, wie die restliche Förderrichtlinie ab Januar 2023 ausgestaltet sein wird. Alles in allem wird es am Ende wohl rund zehn Millionen Euro an Kosten verursachen für das gesamte passive Netz – darin enthalten sind zum Beispiel die Glasfasertechnik, aber auch der fürs Verlegen nötige Tiefbau. Wenn das alles erledigt sei, könne man damit die Stadt, was Glasfaser angeht, abschließen, so Wendel.

Bernd Land vom Landratsamt, der für das Breitbandnetz im Landkreis verantwortlich zeichnet, erläuterte weitere Hintergründe und meinte, auch mit Blick auf die Tatsache, dass es in Bad Teinach-Zavelstein keinen weißen Fleck mehr gebe: "Das ist jetzt die notwendige Kür. 50 Mbit/s sind schön, aber mehr geht immer." Und auf diesen "Mehr-Weg" will sich nun auch die Stadt begeben. Jetzt suche man wieder einen Generalunternehmer für den weiteren Breitbandausbau im Kreis Calw, sagte Land. Man wolle alles aus einer Hand haben, sagt der "Breitband-Papst" des Landkreises und ergänzt: "Wir beobachten gerade den Markt." Wenn alles glatt laufe, meint wiederum Wendel, dann sei das alles ein großer Schritt in die Zukunft. "Jedes Haus kriegt einen Anschluss", so der Rathauschef.

Einige Fragen gestellt

Im Gemeinderat ploppten dann noch einige Fragen im Anschluss an den Fachvortrag auf. Wie es denn mit der Reihenfolge des Ausbaus aussehe, wollte Rat Jochen Krauss wissen. Man wolle die Baufenster gleichmäßig auf den gesamten Landkreis verteilen, versicherte Land glaubhaft. Und natürlich suche man da nach Synergieeffekten mit ohnehin anderen anstehenden Baumaßnahmen. Andrea Mast hatte noch eine andere Frage parat, in Bezug auf den späteren Netzbetrieb: "Kann man den Anbieter frei wählen?" Lands trockene Antwort: "Natürlich kann man beim alten Netz bleiben, das wird dann aber nicht schneller." Die Firma NSWNetz betreibe das Glasfasernetz und biete die gigabitfähige Leitung an. Wenn ein anderer Netzbetreiber sich auf das mit Lichtgeschwindigkeit operierende Glasfasernetz aufschalten wolle, dann müsse er eben ein Nutzungsentgelt an NSWNetz berappen – und das werde dann sicherlich wieder auf die Endkunden umgelegt, mutmaßte Land. Mast hakte aber nochmals nach, erkundigte sich nach den Folgekosten des verlegten Materials und wie oft das denn kaputtgehe.

Die Leerrohre würden bestmöglich geschützt und im Zweifel könne man einfach ein Leitungsstück tauschen und das kaputte Glasfaserkabel wieder einblasen. "Aber das ist für 50 Jahre schon ausgelegt", schloss Land. Am Ende stimmte der Gemeinderat einstimmig zu, die Förderung anzustoßen und den Antrag zu erarbeiten. Wendel freute sich natürlich: "Damit sind wir einen Sprung in die Zukunft gehüpft."