Der Vorstand der Gesellschaft für Altertums- und Brauchtumspflege kann und will nicht mehr (von links): Bernd Vollmer (Kassier), Volker Effinger (erster Vorsitzender), Andreas Fanelli (stellvertretender Vorsitzender) und Sandra Effinger (Schriftführerin). Foto: Hella Schimkat

Nach 49 Jahren steht die Gesellschaft für Altertums- und Brauchtumspflege in Brigachtal vor der Auflösung. Ein neuer Vorstand konnte nicht gefunden werden.

Im 49. Jahr ihres Bestehens läutete der Vorstand der Gesellschaft für Altertums- und Brauchtumspflege das Ende des Vereins ein.

 

Vor einigen Wochen hatten Volker Effinger, erster Vorsitzender, und Schriftführerin Sandra Effinger noch einmal einen letzten Aufruf nach einem Vorstand, der die Nachfolge antreten und das Brauchtum sowie die Geschichte von Brigachtal aufrecht erhalten würde, vergeblich gestartet. „Es hat sich niemand gemeldet“, erklärte Volker Effinger gegenüber unserer Redaktion bei einer Versammlung im Landhaus Brigachtal.

Alle Mitglieder waren aufgefordert, an der Versammlung teilzunehmen, um die Auflösung des Vereins zu beschließen, da der Vorstand zurücktreten würde.

Der Verein zählt 94 Mitglieder und benötigte für den sofortigen Beschluss der Auflösung 64 Mitglieder, es waren aber nur 25 anwesend. „Wir haben das Votum nicht erreicht und treffen uns in vier Wochen noch einmal, dann benötigen wir die einfache Mehrheit der Mitglieder“, erklärte Effinger.

Exponate wurden aus dem Museum ausgeräumt

Vorab blickte Effinger auf die letzten Aufräum- und Ausräumarbeiten der Exponate im ehemaligen Heimatmuseum zurück. „Wir haben alle Exponate ausgeräumt und verpackt, auch die aus den Kellerräumen, und im Dorfhaus untergebracht, eine Wiederaufnahme können wir uns nicht vorstellen“, so Effinger. Einige Exponate habe der Verein dem Landesdenkmalamt übergeben, diese werde man wohl nicht wiedersehen. Alleine die Kosten für die Container beliefen sich auf 7000 Euro, zusammen mit Verpacken, Ausräumen und anderweitiger Lagerung habe man einen Gesamtverlust von 19 180 Euro, ergänzte der Kassier Bernd Vollmer.

Josef Vogt meldete sich zu Wort und zeigte sich entsetzt von den erschreckenden Zahlen: „Hat das der Verein stemmen können?“ Auf seine Nachfrage, ob es keine Möglichkeit gegeben habe, die Gemeinde um Unterstützung zu bitten, antwortete Effinger lakonisch: „Wir haben nicht nachgefragt, wir hatten ja noch etwas Geld“.

Ein anderes Konzept soll das Brauchtum retten

Theo Effinger, der Bürgermeister Michael Schmitt vertrat, dankte dem Verein für Maßnahmen des Ausräumens und meinte fast entschuldigend: „Ihr wisst ja, die Sanierung des ehemaligen Heimatmuseums steht an, das Milchhäusle wurde schon zurückgebaut.“

Nachdem das erste Votum zur Auflösung nicht erreicht wurde, meldete sich Vogt noch einmal zu Wort: „Ich habe mich viel mit Euch beschäftigt und wenn ich mir vorstelle, dass eine Gemeinde das Geschichtliche aufgibt, dann hat sie in meinen Augen verloren“. Er bat den Vorstand, die Zeit bis zur Auflösung zu nutzen, um über ein anderes Konzept nachzudenken, wie man die Exponate erhalten und ausstellen könne. Er glaube, es sei zu früh, um aufzugeben.

Kaum Unterstützung durch die Gemeinde

Volker Effinger, der 18 Jahre in der Vorstandschaft tätig war, antwortete resigniert, man habe drei Jahre überlegt, wie man das Museum erhalten könne, „doch die Gemeinde hat uns nicht gerade unter die Arme gegriffen, uns stattdessen immer mehr oder weniger deutlich wissen lassen, dass sie die Räume selbst haben will“.

Inzwischen sei der Verein in der Öffentlichkeit fast nur noch mit dem Adventsmarkt in Verbindung gebracht worden, stellte man fest – das bevorstehende 50-jährige Jubiläum dürfte nun wohl im Zeichen der Auflösung stehen.

Was der Verein seit Gründung bewirkt hat

Die Gesellschaft für Altertums- und Brauchtumspflege wurde am 6. April 1976 im Gasthaus Kreuz in Klengen gegründet. In nur sechs Jahren war das große Ziel – die Eröffnung des Heimatmuseums – geschafft. Um die Errichtung des Heimatmuseums zu finanzieren, veranstaltete der Verein unter anderem viermal im Jahr eine Disco in der Festhalle in Überauchen.

Von 1985 bis 2015 wirkte die Gesellschaft am Dorffest mit. Viele Jahre wurde ein kleiner Adventsmarkt im Heimatmuseum angeboten, 2011 zum ersten Mal im Außenbereich des Museums mit großem Erfolg. Dann gab es eine Baustelle rund um das Heimatmuseum, die alte Halle wurde abgerissen, das Dorfhaus neu gebaut.

2024 konnte der Adventsbasar nicht mehr gestemmt werden – auch deshalb, weil die Vorstandschaft viele Tage und Wochen damit beschäftigt war, sämtliche Räumlichkeiten, die der Verein im Heimatmuseum nutzte, zu räumen. Wehmütig wurden die leeren Räume an die Gemeinde übergeben.