Ein Film über die Entstehung des Brauchtumsfests hat das Zeug zum Blockbuster. Der Streifen wird anlässlich des 50-jährigen Bestehens am 31. Januar in Ried gezeigt.
Seit einem Jahr spukt dem Hobbyfilmemacher Norbert Eiche die Idee eines Films über die Geschichte des Brauchtumsfestes im Kopf herum. Der Anlass ist klar: Seit einem halben Jahrhundert besteht die Tradition im Kleinen Wiesental, historische Formen der Landwirtschaft und des Handwerks der Öffentlichkeit durch Vorführungen an der Lindenhalle lebendig zu halten. In Reinhard Roser fand Norbert Eiche eine kompetenten Mitstreiter, um eine filmische Dokumentation des wichtigsten geselligen Ereignisses im Kleinen Wiesental auf die Beine zu stellen.
„Ich habe 1979 angefangen mit der Schmalspurfilmerei“, berichtet Eiche. Auch das Brauchtumsfest wurde natürlich auf „Super 8“ gebannt. Immer wieder. Gerade noch rechtzeitig vor dem Verfall ließ der Raicher das Filmmaterial von einem Profiunternehmen digitalisieren. Dadurch liegen nun Stunden mit Filmmaterial im Archiv des 74-jährigen. Bei Reinhard Roser ist es ähnlich: Er hatte sich früh auf die Dia-Fotografie verlegt und jetzt an vielen, vielen Stunden der Winterabende die Dias eingescannt. Roser organisierte auch einen professionellen Beamer und eine Großleinwand.
„Wir haben also unendlich viel Ausgangsmaterial“, sagen beide. „Die Arbeit ist am Ende das Auswählen, damit ein interessanter und sehenswerter Streifen entsteht und sich niemand langweilt. Noch mal sichten, noch mal auswählen – das macht die Arbeit aus. Wie viele Stunden, Tage, Wochen Leidenschaft in die Entwicklung der Idee geflossen sind, können beide Filmliebhaber überhaupt nicht beziffern. Aber in einem sind sie sich einig: „Die Sache hat sich gelohnt.“
Entstanden ist nämlich eine Dokumentation, die die Anfänge des Festes zeigen, die beim Altbürgermeister Ernst Senn zusammen laufen. Irgendwann nach einer Singestunde sei die Idee geboren worden, dass in Zeiten elementaren Umbruchs in der Landwirtschaft das Traditionelle nicht verloren gehen dürfe und es durch Vorführungen lebendig gehalten werden solle. Es blieb nicht bei der Idee. Senn war ein Mann der Tat. „Und durch die Firma hatte er die Leute vor Ort“, erinnert sich Norbert Eiche. Während der Arbeitszeit wurden Vorbereitungen getroffen und die Büroangestellten erledigten das Organisatorische. Das was die Vereinsvorsitzende Sonja Eiche heute erledigt.
„Beim ersten Brauchtumsfest vor 50 Jahren wurde nur das Dreschen vorgeführt“, weiß Reinhard Roser zu berichten. Das rhythmische Dreschen von Hand im Team auf der Tenne und die urzeitlichen riemengetriebenen ersten Maschinen sind bis heute fester Bestandteil des Brauchtumsfestes. Dass die ersten Vorführer, wie im Film zu sehen ist, mit viel mehr mit Einsatz und Inbrunst droschen, ist darauf zurückzuführen, „dass die Leute damit von Kind auf groß geworden sind“, gibt Roser zu bedenken. Heute müssen die Vorführer das Dreschen erst wieder lernen und einstudieren. „Aber das Fest ist gewachsen“, schildert Eiche. „Heute zählt das Brauchtumsfest nicht weniger als 30 Vorführungen.“ Was von der ersten Stunde an geblieben ist, ist die Moderation in den bewährten Händen von Jürg Dörflinger. Er wird es sich wohl kaum nehmen lassen, auch die Jubiläumsausgabe des Festes an der Lindenhalle zu moderieren. Die meisten Aktiven sind aber längst verstorben. Ihr Verdienst soll durch den Film gewürdigt werden.
Schnell werden die Erinnerungen der Kleinwiesentäler wieder wach: „Damals gab’s ja noch den Schmied im Dorf.“ Er reparierte das Werkzeug der Bauern und Handwerker. Und so ist das Brauchtumszentrum Lindenhalle bereichert durch eine Vorführ-Schmiede sowie auch eine historische Feilenhauerei.
Die Filmvorführung am 31. Januar im Feuerwehrhaus wird mit einem Beitrag der ältesten Dokumente beginnen. Dabei konnten Eiche und Roser auf über 60 Jahre alte Farb-Dias des ehemaligen Dorflehrers Paul zurückgreifen. Die Bilder zeigen, wie die Ochsen noch ins Joch gespannt wurden, um zum Beispiel die Kartoffeln zu ernten. Sie zeigen auch, wie mühsam Mutterboden nach dem Pflügen wieder bergan geschafft wurde.
Im nächsten Teil folgen Fotos von 1982 bis 2008. Sie sollen auch die Menschen würdigen, die beständig zum Gelingen des Brauchtumsfestes beigetragen haben. Danach ist das Abspielen der alten Super 8-Aufnahmen geplant, ehe es schließlich zur Neuzeit geht. Im Hauptfilm des Abends greifen die Filmemacher auch auf Profi-Filmmaterial zurück, das 2024 gedreht wurde. Außerdem war bei jenem Fest auch schon eine Drohne für Übersichtsaufnahmen im Einsatz.
„Wir wollen den Bewohnern in Raich auch zeigen, welche Tradition hier ein halbes Jahrhundert lang wach gehalten worden ist“, betonen die Macher. Es ist kein Geheimnis, dass sich der Brauchtumsverein im Jubiläumsjahr am Scheideweg befindet. Der Vorstand hat sich von der Mitgliedschaft noch mal für ein Jahr wählen lassen, um das Jubiläumsfest am 20. September noch einmal wie gewohnt über die Bühne zu bringen. Was danach kommt, ob junge Leute bereit sind, den Staffestab zu übernehmen, ob es jemals danach noch ein Brauchtumsfest geben wird? Großes Fragezeichen. „Auf jeden Fall werden im September noch einmal viele freiwillige Helfer benötigt“, wirbt schon jetzt Vorsitzende Sonja Eiche.
Der große Brauchtumsfilm wird gezeigt am 31. Januar ab 20 Uhr im Feuerwehrhaus. Weitere Infos auch auf der Homepage „www.brauchtumsfest-raich.de“