Als Mitglied der Gruppe Kißlegg wird Klaus Wolpert (Mitte) aus Binsdorf in diesem Jahr wieder am Blutritt in Weingarten teilnehmen. Foto: Wolpert

Seit seiner Jugend reitet der Binsdorfer Klaus Wolpert. Kommenden Freitag nimmt er wieder am Blutritt in Weingarten teil, der größten Reiterprozession in ganz Europa.

Geislingen-Binsdorf - Klaus Wolpert ist Teil einer katholischen Tradition geworden, die seit mehr als 900 Jahren gepflegt wird. Als einer von rund 2700 Männer (und noch wenigen Frauen) wird er am 27. Mai wieder beim Blutritt in Weingarten dabei sein.

 

Fast sein ganzes Leben im Sattel

Schon mit zwölf Jahren hat der heute 75-jährige "Ur-Binsdorfer" zum ersten Mal auf einem Ross gesessen und ist später bei vielen Umzügen im Ort mitgeritten. Beim Blutritt wollte er schon immer mitmachen: "Das hat mir schon früher gefallen." Doch das war erst ab 1993 möglich, als er den Beruf wechselte und am Tag der Prozession freinehmen konnte.

27 Mal ist er seitdem dabeigewesen, spätestens nach dem 30. Mal will er aufhören: Mit zwei künstlichen Hüftgelenken komme er ohne Steighilfe nicht mehr alleine in den Sattel.

Rund 50 Reiter starke Gruppe

Wolpert gehört zu 13 Reitern aus der Region ums obere Neckartal, die sich einer mehr als 50 Personen starken Gruppe aus Kißlegg angeschlossen haben. Unter den mehr als 100 Gruppen, die beim Blutritt dabei sind, ist diese eine der größten. Kontakt zu dieser hat Wolpert einst über Paulus Kolb gefunden, einen ehemaligen Kollegen aus Oberndorf. Er selbst ist inzwischen der einzige Reiter aus Binsdorf und der näheren Umgebung, der dabei ist.

Am kommenden "Blutfreitag", dem Tag nach Christi Himmelfahrt, reitet seine Gruppe als Nummer 83 los. Als gläubiger Katholik freut er sich auf das Hochamt in der Basilika Weingarten: "Du musst mit dem Glauben dabei sein", sagt er. Und wer um 4 Uhr morgens eine Reitermesse besucht, muss auch mit dem Herzen dabei sein.

Um 6 Uhr morgens geht es los

Los geht es für Wolpert und seine Mit(st)reiter dann um 6 Uhr morgens beim Quartier in Köpfingen. Gut 30 Minuten brauchen sie für die drei Kilometer bis zur Basilika St. Martin. Dort beginnt um 7 Uhr die Prozession, nach der Segnung durch den "Blutreiter", der die Reliquie mitführt. Bis zu 40 000 Pilger säumten in den besten Jahren den Weg.

In jeder Gruppe ist ein Pfarrer oder anderer kirchlicher Mitarbeiter dabei. Dieser hält auf der Flur an einem Feldaltar eine kurze Messe.

Domino erhält neue Hufeisen

Domino heißt der 17 Jahre alte Schwarzwälder Fuchs-Wallach, auf dem Wolpert in diesem Jahr wieder mitreitet. Einen Tag, bevor es nach Weingarten geht, wäscht er das Tier nochmal gründlich – mit Shampoo und Dampfstrahler: "Die Pferde mögen das." Nur für Nüstern und Augen müsse man vorsichtig einen Schwamm nehmen.

Auch Sattel, Zaumzeug und die Kleidung des Reiters werden auf Hochglanz gebracht. Besonderen Aufwand erfordern aber Dominos Hufe: Der Dietinger Hufschmied Gerhard Hipp und seine Helferin Hanna Steuerwald kamen am Montag auf Wolperts Koppel, um den Wallach für den Blutritt mit neuen Hufeisen zu versehen.

750 Kilogramm schwerer Kaltblüter

Im Winter tragen Wolperts Pferde nämlich keine Hufeisen: Wenn viel Schnee liegt, könnte der an den Hufen festfrieren, was auf der abschüssigen Weide für die mehr als 750 Kilogramm schweren Tiere gefährlich würde.

Wenn es aber jetzt auf Asphalt und Schotter geht, müssen die Hufe mit geschmiedeten Eisen verstärkt werden: Die Süddeutschen Kaltblüter sind mächtige Pferde, deren eigenes Gewicht dazu führen kann, dass ihre Hufe auf hartem Untergrund brechen.

Das Beschlagen dauert gut eine Stunde

Ein Pferd frisch zu beschlagen dauert gut eine Stunde: Hufe reinigen und schneiden, Hufeisenrohlinge auswählen, glühend erhitzen und in Form hämmern, die Eisen anpassen und festnageln, die Nägel vernieten – gut, wenn die Pferde sanftmütig und geduldig sind wie jene von Klaus Wolpert.

Ja, es sei ein großer Aufwand, um dabei sein zu können, bestätigt der Binsdorfer. Doch er weiß, dass seine Teilnahme an dieser Veranstaltung etwas Besonderes ist: "Da kann nicht jeder einfach mitreiten", freut er sich auch nach all den Jahren wieder auf den Blutritt.

Glaube und Gemeinschaft

Hufschmied Hipp, der sein Handwerk seit 30 Jahren ausübt, ist auch bei der Reiterprozession dabei. Er ergänzt: Die Gemeinschaft vieler Gleichgesinnter bei der Veranstaltung sei etwas Besonderes. Der katholische Glaube stehe im Mittelpunkt, aber es sei auch eine Gelegenheit, das eigene Pferd zu präsentieren.

Wolpert ist auch die Geselligkeit wichtig. Und die wird nicht zuletzt bei der Einkehr mit seiner Gruppe in einer Besenwirtschaft gepflegt, wenn der Blutritt vorüber ist.

Klar, dass auch die Pferde etwas zu trinken bekommen: Rund 30 Liter Wasser am Tag braucht jedes der großen Tiere – und nach dem Ritt in Weingarten hat sich Klaus Wolperts Domino das dann redlich verdient.