Andreas Galsterer übernimmt das Amt des Hofmarschalls der Horber Narrenzunft. Er ist dafür verantwortlich, dass die schwäbisch-alemannischen Bräuche eingehalten werden.
Wenn am kommenden Donnerstag die Schlüsselübergabe auf dem Horber Marktplatz stattfindet und die Melodie des Narrenmarsches zwischen den historischen Häuserfassaden erklingt, richten sich viele Augen auf Andreas Galsterer, der sich in diesem Jahr zum ersten Mal in der Rolle des Hofmarschalls an die Horber Bevölkerung wenden wird, um die Termine der Hauptfasnet samt dazugehöriger Benimm- und Dekorationsempfehlungen zu proklamieren. Galsterer, der vielen Horbern bisher vor allem als begnadeter Magier bekannt war, ist seit Einführung des Amtes im Jahr 1955 der sechste Hofmarschall der Narrenzunft Horb und genießt die erste Saison in vollen Zügen: „Ich wurde von den Zunftmitgliedern mit großer Freude und zahlreichen Glückwünschen empfangen“ betont er.
Die Zusammenarbeit mit den Zunftmeistern, im Horber Narrenjargon als „die vier Z“ bekannt, laufe hervorragend und die Amtsvorgänger stünden – wenn nötig – immer mit Rat und Tat zur Seite.
Obwohl Galsterer seit seiner offiziellen Vorstellung als Hofmarschall im vergangenen November bereits zahlreiche positive Erfahrungen sammeln konnte, blickt er mit besonderer Vorfreude auf das Heimspiel an der Hauptfasnet: „Ich freue mich natürlich sehr auf die Schlüsselübergabe am Schmotzigen Donnerstag und unseren Fasnetsmontagsumzug, den ich dann zum ersten Mal aus Sicht des Hofmarschalls auf dem Narrenratswagen erleben werde“, erklärt er.
Karnevalistische Anfänge der Zunft Die Tatsache, dass die bereits 1923 gegründete Narrenzunft erst seit den 1950er-Jahren einen Hofmarschall hat, liegt in den karnevalistischen Anfängen der Zunft begründet. Nach rheinischem Vorbild führte bis dahin ein Prinzenpaar samt Elferrat die Narrenschar in der Neckarstadt an, ehe sich allmählich die Erkenntnis durchsetzte, dass der rheinische Stil die in der Region verwurzelten schwäbisch-alemannischen Bräuche überlagere.
Nach Rottenburger Vorbild entschied man sich 1955 schließlich auch in Horb dafür, Prinz und Prinzessin durch Graf und Gräfin zu ersetzen, denen dann erstmals auch ein Hofmarschall zur Seite gestellt wurde.
Erster Amtsinhaber war Optikermeister Michael Reinhardt, von dem der Überlieferung nach auch der bis zum heutigen Tag verwendete Narrenruf „Horrido“ stammt. Auf ihn folgten Manfred Hermann, Peter Kramer, Thomas Kreidler, Daniel Wagner und nun Andreas Galsterer.
Umbenennung des „Präsidenten“ zum „Zunftmeister“ Während die letzten rheinischen Elemente aus der Horber Fasnet erst in den 1970er-Jahren mit der Umbenennung des „Präsidenten“ zum „Zunftmeister“ und des „Elferrats“ zum „Narrenrat“ verschwanden, blieb die Aufgabenbeschreibung des Hofmarschalls seit seiner Einführung unverändert. Dem Hofmarschall obliegt das Brauchtum und der Vollzug der offiziellen und protokollarischen Pflichten und Tätigkeiten an allen offiziellen Zunftveranstaltungen – mit anderen Worten die Überwachung der Einhaltung der schwäbisch-alemannischen Bräuche und Regeln auf der Horber Fasnet.
Der am längsten amtierende Hofmarschall Einer, der sich mit diesen Bräuchen und Regeln besonders gut auskennt, ist Thomas Kreidler, der das Amt ab 1995 nicht weniger als 23 Jahre lang innehatte und damit der am längsten amtierende Hofmarschall der Horber Narrengeschichte ist. Für ihn ist die Rolle bis heute etwas ganz Besonderes: „In einer Traditionszunft wie Horb, die sich durch die Gestaltung und den Erhalt des Brauchtums von reinen Spaßzünften unterscheidet, spielt der Hofmarschall eine herausgehobene und verantwortungsvolle Rolle“, so Kreidler. Sowohl in seiner Amtszeit als auch darüber hinaus sei die Fasnet und die Art der Brauchtumspflege jedoch auch tiefgreifenden Veränderungen ausgesetzt gewesen. „Es gibt heute viel mehr äußere Einflüsse und andere Arten der Freizeitgestaltung – umso wichtiger ist es, unser traditionelles Brauchtum zu erhalten, zu pflegen und die mit ihm verbundenen Werte und Haltung an nachfolgende Generationen weiterzugeben“, betont Kreidler weiter. Nur so könne der Fortbestand der schwäbisch-alemannischen Fasnet, die mittlerweile auch das Unesco-Siegel für immaterielles Kulturerbe trägt, gesichert werden.