Der Spezialkraftsoff soll von der Freudenstädter Firma Oest geliefert werden. Foto: Beyer

Die Stadt Freudenstadt will das Klima schonen – mit klassische Diesel-Motoren. Möglich machen soll das ein neuer Kraftstoff.

Freudenstadt - Immerhin 47 Fahrzeuge des Baubetriebsamts der Stadt Freudenstadt sollen künftig wesentlich klimafreundlicher unterwegs sein. Doch statt nun dutzende Elektroautos anzuschaffen, setzt die Stadt weiterhin auf klassische Dieselmotoren. Getankt werden soll künftig aber nicht mehr Diesel, sondern ein Spezialkraftstoff, den die Stadt von der Firma Oest beziehen will.

Oberbürgermeister Julian Osswald stellte das Vorhaben im Gemeinderat vor. Hergestellt werde der Kraftstoff unter anderem aus Altölen und gebrauchten Speiseölen, erklärte Osswald. Palmöl hingegen werde nicht verwendet, das sei ab 2023 sowieso verboten.

Motoren laufen ohne Probleme

Was nach einer Zumutung für den Motor klingt, scheint in der Praxis gut zu funktionieren, denn die Stadt hat den "Oecopower"-Kraftstoff schon getestet. "Es gab keinerlei Leistungsabfall, die Motoren liefen gut und rund", berichtete Osswald.

Durch den neuen Sprit sollen laut Angeben der Stadtverwaltung 90 Prozent der Treibhausgasemissionen eingespart werden. Angesichts eines jährlichen Kraftstoffverbrauchs von 105.000 Litern ist das nicht wenig. Anita Zirz (SPD) wollte das genauer wissen: "Der Prozess ist doch eine Verbrennung, wo spare ich die 90 Prozent ein?"

Christof Geißler sorgt sich wegen der Schadstoffe

Tatsächlich bestätigte Osswald, dass durch die Verbrennung im Motor weiterhin CO2 aus dem Auspuff kommen werden. Der Einspareffekt entstehe vielmehr dadurch, dass kein fossiler Kraftstoff verbrannt werde. Einfacher gesagt: Der neue Sprit ist klimaneutral.

Da der Kraftstoff aber nunmal verbrannt wird, machte sich Christof Geißler (SPD) Sorgen, über Schadstoffe in den Abgasen. "Ich denke, es ist wichtig, dass man schaut, was für eine Emissionsstufe die Dieselmotoren haben, die zum Einsatz kommen", so Geißler. Es sei wichtig, dass die "Stickoxidemissionen so gut wie möglich reduziert werden".

Bürgeraktion will eine Probe sehen

Doch Bürgermeisterin Stephanie Hentschel konnte beruhigen: "Wir haben sehr moderne Autos." In den vergangenen Jahren habe es für den Fuhrpark sehr viele Ersatzbeschaffungen gegeben. Dementsprechend sauber seien die Abgase der Fahrzeuge.

Einen etwas kuriosen Wunsch äußerte Elisabeth Gebele (BA). "Ich hätte gerne dass Sie mal einen Becher davon mitbringen. Ich tät es gern riechen und angucken." Osswald hatte dagegen nichts einzuwenden, versicherte aber, dass der Treibstoff "absolut klar" sei.