Sechs Brände innerhalb einer Woche: Die Feuerwehren im Kreis Rottweil haben schon zu Jahresbeginn alle Hände voll zu tun. Aber wieso brennt es zurzeit so häufig?
In Zimmern rückt die Feuerwehr zu einem brennenden Auto in einer Garage aus, in Dornhan steht ein Pferdestall in Flammen, am selben Abend bricht ein Feuer in einem Wintergarten in Rottweil aus, und auch in Epfendorf müssen die Einsatzkräfte einen Brand löschen. Wenige Tage später brennt ein leerstehendes Gebäude in Fluorn-Winzeln, und in der Nacht auf Montag kommt ein Hund bei einem Brand in Neufra ums Leben. Selten waren die Einsatzkräfte so häufig gefragt wie jetzt. Aber woran liegt das? Wir fragen bei Kreisbrandmeister Philipp Glunz nach.
Der teilt uns mit, dass eine Häufung von Einsätzen nicht atypisch ist. „Es kommt durchaus vor, dass die Feuerwehren wochenlang zu keinen relevanten Einsätzen gerufen werden, dann aber innerhalb kürzester Zeit in schneller Folge“, erklärt er. Auch vergangenes Jahr seien um diese Zeit einige größere Brände zu verzeichnen gewesen.
Typische Ursachen
Die Ursachen der aktuellen Brände kenne man bisher nicht, da die Ermittlungen noch liefen, erklärt Glunz. Somit könne er nur eine generelle Antwort geben, was jahreszeitliche Brandursachen angeht.
„In den Wintermonaten könnten dies beispielsweise die unsachgemäße Nutzung eines Ofens oder auch die Überlastung von Steckdosen durch Weihnachtsdeko oder elektrische Heizungen sein.“ Im Sommer wiederum gebe es Einsatzursachen, die im Winter eher unüblich seien: Überspannung durch Kühlgeräte, Selbstentzündung durch intensive Sonnenstrahlung oder unsachgemäße Bedienung von Grilleinrichtungen.
Einsatzkräfte können auf DRK-Bereitschaft bauen
Die Jahreszeit spielt auch bei der Brandbekämpfung eine entscheidende Rolle. Die niedrigen Temperaturen seien eine Belastung für Gerät und Mannschaft, sagt Philipp Glunz.
„Die Feuerwehreinsatzkleidung schützt zwar durchaus vor der Kälte, aber bei diesen niedrigen Temperaturen und bei Einsätzen, die sich über Stunden hinziehen, wird es den Einsatzkräften kalt. Wir sind deshalb dankbar, dass wir auf die DRK-Bereitschaften bauen können, die die Feuerwehrleute mit heißen Getränken versorgen. Außerdem werden mit Zelten oder Abrollbehältern provisorische Räume gebaut, in denen man sich dann kurz ‚aufwärmen‘ kann“.
Löschwasser muss immer fließen
Eine weitere Herausforderung sei tatsächlich das Löschmittel selbst: Wasser gefriere bekanntermaßen bei niedrigen Temperaturen. Deshalb sei es entscheidend, dass das Wassers immer fließe und niemals stehe, auch dann nicht, wenn im Moment nicht gelöscht werden müsse. „Ansonsten besteht die Gefahr, dass es in den Leitung gefriert und im entscheidenden Moment nicht mehr genutzt werden kann“, erklärt Glunz.
Beim Löschen entstehe außerdem Sprühnebel – und der bilde in der Umgebung bei solch niedrigen Temperaturen eine dicke Eisschicht auf allen Oberflächen. Das bedeute massive Rutschgefahr für die Einsatzkräfte und eine erhebliche Gefährdung, wenn beispielsweise eine Leiter davon betroffen sei.
„Glücklicherweise kam es bei den Bränden in den letzten Tagen zu keinen nennenswerten Vorkommnissen, und alle Einsatzkräfte konnten immer wohlbehalten nach Hause zurückkehren.“
Was tun bei Paralleleinsätzen?
Ebenfalls ein Glück: Zu Situationen, in denen mehrere Wehren parallel stark gefordert waren, sei es nicht gekommen, erfahren wir weiter von Glunz. Aber: Wäre der Kreis Rottweil für so etwas gerüstet?
„Die Überlandhilfe innerhalb des Landkreises ist sehr gut ausgebaut. Kommt es zu zwei simultanen Ereignissen, so werden neben der örtlich zuständigen Wehr auch die umliegenden Wehren zur zweiten Einsatzstelle alarmiert. In den größeren Gemeinden des Landkreises wird dies zum Teil auch über die eigenen Abteilungsfeuerwehren, die beim ersten Einsatz nicht beteiligt sind, sichergestellt“, erklärt der Kreisbrandmeister.
Kreisübergreifende Hilfe möglich
Bei größeren Einsätzen werde außerdem oft eine sogenannte Wachbesetzung alarmiert, um die Einsatzfähigkeit aufrechtzuerhalten. Dabei würden, wie beschrieben, etwa die außenliegenden Abteilungen oder benachbarte Feuerwehren alarmiert, die für den Fall eines Falles einsatzbereit seien – eventuell im eigenen Feuerwehrhaus oder an einer einsatzstrategischen Position.
„Käme es zu noch größeren Einsätzen, sogenannten Großschadensfällen, bei dem die Einsatzkräfte des Landkreises nicht ausreichen würden, haben wir die Möglichkeit, innerhalb des Regierungsbezirks kreisübergreifende Hilfe anzufordern.“