Bald halten am Lahrer Bahnhof nur noch Regionalzüge: Mit dem Fahrplanwechsel der Bahn zum 14. Dezember entfallen auch die letzten verbliebenen ICE-Halte. Offenburg muss auch Federn lassen: Dort werden acht Halte gestrichen. Foto: Wendle

Der bevorstehende Fahrplanwechsel der Bahn sorgt in der Ortenau für dicke Luft: Kreis, Städte und Wirtschaftsvertreter wenden sich nun in einem Brandbrief an die Bahn.

Mit „großer Besorgnis und Unverständnis“ beginnt das Schreiben an Clarissa Freundorfer von der Bahn. Die Verfasser appellieren an die Konzernbevollmächtigte für Baden-Württemberg, „die Entscheidung zur Reduzierung der Fernverkehrshalte in Offenburg und Lahr zu überdenken und gemeinsam mit uns tragfähige Lösungen zu erarbeiten“.

 

Unterzeichnet haben den offenen Brief Landrat Thorsten Erny, Lahrs OB Markus Ibert, dessen Offenburger Amtskollege Marco Steffens, Dominic Fehringer von der Ortenauer Wirtschaftsförderung Nectanet sowie Dieter Salomon, Hauptgeschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein.

Stein des Anstoßes ist der bevorstehende Fahrplanwechsel der Bahn zum 14. Dezember. Sowohl Lahr (wir berichteten) als auch Offenburg sollen ICE-Halte verlieren. Im Brief ist die Rede von „einer deutlichen Reduzierung der Fernverkehrshalte an den Bahnhöfen in Offenburg und Lahr“ – zusammen immerhin ein Einzugsbereich für circa 400 000 Einwohner.

Wegfall des ICE-Halts bedeute „Schwächung der Standortqualität“

„Diese Entwicklung erfüllt uns mit großer Sorge. Eine leistungsfähige Fernverkehrsanbindung ist ein zentraler Standortfaktor für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Region“, so die Verfasser.

Besonders gravierend sei der vollständige Wegfall der ICE-Halte in Lahr. Bislang war die Stadt morgens und abends direkt mit dem Fernverkehr an die Wirtschaftszentren/ Metropolregionen Stuttgart und München angebunden. Diese Verbindungen seien für zahlreiche Berufspendler, Geschäftsreisende und Unternehmen von zentraler Bedeutung.

„Lahr ist ein aufstrebendes Mittelzentrum. Hier spielen die Fernverkehrsverbindungen zunehmend eine zentrale Rolle. Ihr ersatzloser Wegfall stellt eine erhebliche Schwächung der Mobilitätsinfrastruktur und der Standortqualität dar“, betonen OB Ibert und seine Mit-Verfasser.

Bahn argumentiert mit „stabilerem Fahrplan“

Die Bahn argumentierte bereits im Oktober auf Anfrage unserer Redaktion mit einem „stabileren Fahrplan“. Für diesen müssten die beiden bisher in Lahr haltenden ICE-Züge künftig zwischen Baden-Baden und Freiburg/Basel um rund zehn Minuten beschleunigt werden, „damit andere nachfragestarke Nah- und Fernverkehrszüge auch künftig angeboten werden können“. Im Schnitt seien zudem rund 20 Reisende in Lahr zugestiegen. Zugleich sei „die Beschleunigung für eine große Zahl an Reisenden zwischen München und Basel von Vorteil“, so die Argumentation der Bahn.

Offenburg, als zentraler Verkehrsknotenpunkt in der Region, wird zwar nicht komplett abgehängt, verliert aber acht Fernverkehrshalte. Besonders einschneidend ist laut Brandbrief der Wegfall des stark frequentierten morgendlichen Pendlerzugs um 6.54 Uhr nach Stuttgart mit Anschluss nach München.

„Zum Teil ist diese Entscheidung unverständlich, soweit in der erweiterten Region wesentlich kleinere Fernverkehrshalte erhalten werden, und sich zum Teil am Fahrplan keine sichtbaren Veränderungen ergeben, Fahrzeiten also gleichbleiben“, kritisieren die Ortenauer.

Verfasser zeigen sich gesprächsbereit

Eine „leistungsfähige Fernverkehrsanbindung“ sichere die überregionale Erreichbarkeit für Unternehmen, Fachkräfte, Pendler sowie für den Tourismus. „Gerade in einer Zeit, in der nachhaltige Mobilität und klimafreundlicher Verkehr höchste Priorität genießen, ist der Rückbau von Fernverkehrsangeboten ein fatales Signal, und dies angesichts des Ausbaus des dritten und vierten Gleises“, betont der Brief Bezug nehmend auf den geplanten Rheintalausbau in der Ortenau.

R ückmeldungen aus der Wirtschaft zeigten zudem: Eine starke, ausgebaute statt reduzierte Fernverkehrsanbindung sei für die Standortwahl und die wirtschaftliche Dynamik der gesamten Region entscheidend. „Die nun vorgesehenen Einschränkungen gefährden diese Entwicklung und schwächen die Wachstums- und Zukunftsperspektiven der Region“, so das Fazit. Abschließend bieten sich die Verfasser des Briefs für einen „konstruktiven Dialog“ an.

21 neue Städte

Während Lahr komplett vom Fernverkehr abgekoppelt wird, wirbt die Bahn, dass 2026 mehr Städte als je zuvor per ICE angebunden sein werden. Mit 21 angeschlossenen Städten verdoppelt sich der bisherige Umfang nahezu. Das Streckennetz, auf dem etwa alle halbe Stunde ein Hochgeschwindigkeitszug fährt, wächst von 900 auf 2300 Kilometer.