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Brandanschlag auf Männer in Hütte: Prozess schleppt sich hin – Drohungen aus Antifa-Szene.

Stuttgart/Winterbach - Eine junge Zeugin im Prozess um den Brandanschlag auf fünf Männer auf einem Gartengrundstück in Winterbach (Rems-Murr-Kreis) soll von einem Prozessbeobachter aus der linken Szene massiv bedroht worden sein. Der Staatsanwalt hat die Ermittlungen gegen den ­Burschen aus der Antifaschisten-Szene ­aufgenommen.

Vor gut einer Woche war die 19-jährige Schülerin aus Berglen im Rems-Murr-Kreis in den Zeugenstand getreten. Die junge Frau war in jener Nacht auf den 10. April vorigen Jahres Gast auf der Neonaziparty in dem Garten bei Winterbach, wo sich mehrere Dutzend rechtsradikale Kahlköpfe und mehrere Frauen vergnügten. Die Nazis aus dem Raum Stuttgart, dem Saarland und aus Ostdeutschland gerieten mit Migranten aneinander, die auf dem Engelberg in einem Nachbargarten grillten.

Beweislage scheint dünn zu sein

Am Ende der Auseinandersetzung hatten sich fünf Migranten in eine Gartenhütte geflüchtet, die von Neonazis angezündet worden sein soll. Zwei 21 und 22 Jahre alte Männer müssen sich deshalb vor der 3. Strafkammer des Landgerichts Stuttgart wegen Mordversuchs verantworten. Die Beweislage gegen sie scheint dünn zu sein. Die Angeklagten bestreiten, die Hütte in Brand gesetzt zu haben. Die Zeuginnen und Zeugen aus der rechten Szene leiden fast alle unter akutem Gedächtnisverlust oder haben angeblich nichts mitbekommen. Drei Zeuginnen haben sich flugs mit Beschuldigten verlobt, weswegen sie die Aussage verweigern dürfen. Wieder andere müssen nichts sagen, womit sie sich selbst belasten könnten – so die Freundin des einen Angeklagten.

Die 19-Jährige jedenfalls hat vor Gericht gesagt, ein junger Mann habe sie im Gerichtsgebäude abgepasst und sie geheißen, sie solle gefälligst alles sagen. Er habe ein Messer. Der Bursche habe einen rot-weißen Palästinenserschal getragen und ganz spezielle Turnschuhe. Just in dieser Sekunde geht die Saaltür auf. Herein kommt ein junger Mann – mit rot-weißem Palästinenserschal. Die 19-Jährige erkennt ihn als den wieder, der sie ­bedroht haben soll. Er bestreitet dies.

Nachdem seine Personalien aufgenommen worden sind, schließt ihn Vorsitzender Richter Joachim Holzhausen vom weiteren ­Prozess aus.

Prozess schleppt sich hin

Schließlich wird die Freundin des einen Angeklagten gehört, der sich auf einer Internetplattform „Fischi 88“ nennt. Die 8 steht für den achten Buchstaben im Alphabet, soll heißen: „Fischi Heil Hitler“. Die 23-Jährige aus Schwieberdingen im Kreis Ludwigsburg sagt, die ganze Sache habe sie ihren Job als Floristin gekostet. Und eigentlich habe sie gar nichts gesehen, weil sie sich auf dem Nazifest die meiste Zeit um ihre besoffene Freundin gekümmert habe.

Auch ihren Freund, den einen Angeklagten, habe sie nicht im Auge gehabt, weil sie sich wegen gegenseitigen Eifersüchteleien auf der Party gestritten hätten. Erst gegen später habe sie gesehen, dass die Hütte im Garten der Ausländer brenne. Ihr Freund sei ihr dann entgegengekommen, man habe das Fest verlassen und noch Sex im Auto gehabt. Dann verstummt sie. Nach Rücksprache mit ihrem Zeugenbeistand verweigert sie jede weitere Aussage, weil sie sich sonst selbst ­belasten könnte.

So schleppt sich der aufsehenerregende Prozess hin, der die rechte Szene offensichtlich in Aufregung versetzt hat. „Sag einfach, dass du nichts mehr weißt“, war auf einer Internetplattform an die Adresse einer Zeugin zu lesen, auf der sich manche Neonazis mit Namen „Stark-Stolz“, „H8princess“ oder „tobsuchtsgirl“ austauschen.

Der Reigen der Zeugen, die nichts mehr wissen oder angeblich noch nie etwas gewusst haben, wird wohl weitergehen. Nächster Verhandlungstag ist kommender Montag.