Nach dem Brand in der Silvesternacht, bei dem eine ehemalige Schreinerei in Pfalzgrafenweiler zerstört wurde, zieht Kommandant Hartmut Kalmbach dennoch eine positive Bilanz. Noch nie standen so viele Einsatzkräfte bereit, denen es gelang, die umliegenden Gebäude und die Jakobskirche zu schützen.
Zwei Tage nachdem ein denkmalgeschütztes Gebäude – die einstige Schreinerei Wackenhut – in der Kirchstraße in Pfalzgrafenweiler niedergebrannt ist, zeigt sich das ganze Ausmaß der Zerstörung. Laut dem Kommandanten der Feuerwehr Pfalzgrafenweiler, Hartmut Kalmbach, hätte es noch schlimmer kommen können.
„Die Jakobskirche war in Gefahr“, ist Kalmbach überzeugt. „Der Funkenflug war der Wahnsinn“, bewertet er die Situation in der Silvesternacht im Nachhinein. Dank des schnellen und besonnenen Einsatzes, der die Kirche, aber auch das Mehrfamilienhaus neben dem brennenden Gebäude, unter einen besonderen Schutz gestellt hat, sei Schlimmeres verhindert worden, so Kalmbach, der neben seinen Einsatzkräften auch die gute Zusammenarbeit mit den Nachbarfeuerwehren Dornstetten und Waldachtal sowie mit der Gemeindeverwaltung und dem Landratsamt lobt.
An Neujahr musste erneut gelöscht werden
Was den Kommandanten besonders stolz gemacht hat, war die starke Präsenz der Feuerwehrleute aus ganz Pfalzgrafenweiler. „Wir waren noch nie so einsatzstark wie in dieser Nacht.“ Jede Abteilung sei vor Ort gewesen. Vorbei war ihre Arbeit am Neujahrsmorgen allerdings nicht. Denn bei einer nochmaligen Kontrolle im zerstörten Gebäude wurde gegen 16.30 Uhr erneut ein Brandherd ausgemacht, der weitere Nachlöscharbeiten notwendig machte.
Wie viel rund um den Einsatzort in der Kirchstraße geböllert wurde, ob überhaupt, das hat der Kommandant, wie er sagt, gar nicht mitbekommen. In der Kirchstraße wurden jedenfalls keine Silvesterraketen gezündet. Denn die Feuerwehr hatte den Brandort weiträumig abgesperrt. Nur wenige Neugierige seien „direkt neben den Einsatzkräften“ gestanden. Die hätten sich jedoch vorbildlich verhalten und nach einer Aufforderung anstandslos Platz gemacht, versichert er.
Jetzt ermittelt die Kriminaltechnik
Wie es überhaupt zu dem Brand kommen konnte, steht indes noch nicht fest. Bislang führt der Polizeiposten Pfalzgrafenweiler die Ermittlungen. Wie die Pressestelle des Polizeipräsidiums Pforzheim auf Nachfrage mitteilt, sei zeitnah eine Begehung mit Kollegen der Kriminaltechnik angedacht.
Dass das Feuer großen Schaden anrichten würde, war Kalmbach trotz des schnellen Eintreffens der Feuerwehr schnell klar. Schließlich beständen derart alte Gebäude zu 80 Prozent aus Holz. Brandschutzwände, wie sie heute Vorschrift sind: Fehlanzeige.
Die einstige Schreinerei Wackenhut – auf der Ortskarte des Staatsarchivs Kornwestheim von 1839 bereits eingetragen – war schon einmal nur knapp einem Feuer entkommen. Bei der Brandkatastrophe im Jahr 1785 lag sie, als im Ort ein Feuer ausbrach, direkt in dessen Windkanal. Als der Wind dann drehte, wendete sich das Schicksal zum Guten. Damals blieben auch die Jakobskirche, das Pfarrhaus und das damalige Schulhaus verschont.
Eine von vielen Schreinereien im „Schreinerdorf Pfalzgrafenweiler“
Nun wurde die ehemalige Schreinerei doch vom Feuer zerstört. Sie war eine von vielen im „Schreinerdorf Pfalzgrafenweiler“. 1824 lebten hier 17 Schreiner, nach dem Ersten Weltkrieg waren es mehr als 30 mit eigener Werkstatt. Und 1933 zählte Pfalzgrafenweiler 37 mittelgroße und kleinere Schreinereien, wie in dem Artikel von Erich Dölker im Heimatbuch Pfalzgrafenweiler nachzulesen ist.
Bei der großen Brandkatastrophe 1785 blieb die Jakobskirche verschont
Feuersbrunst
Am 24. April 1798 brach die größte Brandkatastrophe über Pfalzgrafenweiler herein. Fast der gesamte Ort fiel damals laut Ortschronik einer gewaltigen Feuersbrunst zum Opfer. Innerhalb von nur drei Stunden wurden 119 Gebäude, davon 93 Wohnhäuser sowie das erst 1785 neu erbaute Rathaus, ein Raub der Flammen. Bei dem Großbrand verloren 136 Familien ihre Wohnungen. Ganze 17 Häuser, darunter die Jakobskirche mit Pfarrhaus sowie das damalige Schulhaus (später Forstamt) blieben vom verheerenden Brand verschont.
Vermeintliche Brandursache
Um 11 Uhr brach das Feuer im Gasthaus Lamm aus. Zu diesem Zeitpunkt feierte dessen Wirt Friedrich Klaiß seine Hochzeit mit Katharina Schanz aus Tumlingen. Begünstigt durch einen starken Ostwind dehnte sich das Feuer in rasendem Tempo fast auf den gesamten Ort aus. Die Brandursache wurde nie geklärt, jedoch äußerten einige Bewohner einen Verdacht, der sich gegen den Bruder des Bräutigams richtete.
Hilfe vom Land
Spendenaufrufe blieben nicht unerhört. So schickte Friedrich II. von Württemberg beispielsweise 1200 Dukaten und Herzogin Franziska von Sindelfingen 100 Gulden. Auch durch die tatkräftige Mithilfe von Bürgern und Handwerkern und der Verwendung von Steinen der Schlossruine Vörbach sowie verlassener Burgen und Schlösser der Umgebung standen 1799 bereits 119 neue Gebäude.
Die Lehre aus dem Brand
Nach dem Wiederaufbau gab es statt verwinkelter Gassen breite, gerade Straßen mit einem fast kleinstädtisch anmutenden Marktplatz.