Vom Aussterben bedroht: In der Stuttgarter Innenstadt gibt es immer weniger Internet-Cafés. Foto: Leif Piechowski

Viele Internetcafés sind in den letzten Jahren verschwunden. Die, die es noch gibt, müssen kreativ sein, um zu überleben. Allein mit dem Internetangebot ist kein Geld mehr zu machen.

Stuttgart - Ihm sieht man seinen Kulturkreis schon von der Ferne an: Tarlock Singh Bazaz trägt zu seinem grauen Anzug einen schwarzen Turban. Ihm gehört ein indisches Restaurant in der Stadtmitte. Neben der Gastronomie leitet er seit über zehn Jahren auch das Cyber-Café in der Klett-Passage. „Vor ein paar Jahren hatten wir noch an jeder Ecke der Stadt ein Internetcafé, jetzt gibt es vielleicht noch drei in der Stadtmitte“, sagt er. Finanziell sei allein damit kaum mehr Geld zu machen. „Wir versuchen es trotzdem weiterhin“, so Bazaz. Sein Cyber-Café profitiert aber auch von der guten Lage in Bahnhofsnähe. „Das ist ein klarer Standortvorteil“, sagt eine Kundin.

Zwölf Computer stehen in seinem Café. „Mal sind alle belegt, mal alle leer – es gibt kein regelmäßiges Nutzungsverhalten.“ Außerdem gibt es noch vier Telefonkabinen für Ferngespräche. „Das wird aber immer seltener genutzt“, sagt er. Auch an diesem Tag ist gerade mal eine davon besetzt. „Man muss sich heute noch etwas Zusätzliches überlegen, wenn man weitermachen will“, sagt ­Bazaz. Seit 2012 bietet er internationalen Geldtransfer, genannt Money-Gram, an. „Das hat uns ein bisschen gerettet, aber wir müssen jeden Cent umdrehen.“

Heute hat jeder WLAN zu Hause

Ein anderes Geschäftsmodell hat das Internetcafé Malang gefunden. In einer Seitengasse der Königstraße liegt es neben einer Dönerbude. Das Schaufenster des Cafés passt zum orientalischen Ambiente: Wasserpfeifen und Tabak werden dort zum Kauf angeboten. „Heute hat jeder WLAN zu Hause“, sagt Aushilfe Murat Zatran. „Es kommen zwar immer noch Leute, aber die meisten wollen telefonieren, etwas ausdrucken oder faxen.“ Hier sind die Telefonkabinen voll besetzt. Neben orientalischen Tabak­waren verkaufen sie dort außerdem Handyzubehör. Mit Internet-PCs allein lässt sich nicht mehr genug Geld verdienen, darin sind sich Zatran und Bazat einig.

Viele Nummern, die laut Telefonbuch zu Internetcafés führen sollten, sind nicht mehr vergeben. Wie viele Cafés in den letzten ­Jahren schließen mussten ist aber schwer zu sagen. „Wir erfassen nur Internetcafés, die Alkohol ausschenken“, sagt Martin Treutler vom Amt für öffentliche Ordnung, Gewerbe- und Gaststättenrecht. Das seien derzeit zwölf im Raum Stuttgart. Die meisten ­Anbieter schenken aber gar keinen Alkohol aus und sind folglich in der Statistik nicht erfasst.

Spiele und Pornos sind verboten

Auch im Cyber-Café von Tarlock Singh Bazat gibt es keinen Alkohol. „Es darf auch keiner von draußen mitgebracht werden“, sagt der Chef des Cafés. Ordnung und Sauberkeit sind ihm wichtig, nur so kann er seine Kunden halten, glaubt er: „Ja wir ­haben auch Stammkunden, die rechnen mit unserem Service.“ Seine drei Mitarbeiter sind daher auf Freundlichkeit geschult und beraten die Kundschaft auch auf Englisch. Denn oft ist das Café voll von internationalem Publikum, das Kontakt in seine Heimat sucht. Aber auch ältere Menschen kommen bei ihm vorbei, die kein Internet zu Hause haben und Hilfe beim Bedienen der Computer brauchen.

Das Cyber-Café ist – wie die Konkurrenz – auf jeden Kunden angewiesen. Das hält den Geschäftsführer aber nicht davon ab, auch Hausverbote auszusprechen. „Wenn hier jemand Spiele spielt oder Pornografie konsumiert, bekommt er eine Verwarnung“, so Bazaz. Herunterladen kann man an den Rechnern nichts, Minderjährige lässt er nur in Begleitung vor den Bildschirm. Tarlock Singh Bazaz fühlt sich seinem Kundenstamm gegenüber verpflichtet: „Wir möchten es machen, solange es geht“, sagt er.

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