Das überregional bekannte Straßenkunstfestival findet wieder Ende August statt. Wieso Bräunlingen dabei auf Eintrittsgeld verzichtet.
Für andere Veranstalter ist das ein Rätsel. Wie schaffen es die Bräunlinger mit ihrem Straßenmusiksonntag (SMS) ein zweitägiges, dicht getaktetes und obendrein hochkarätiges Programm aus Gauklern und Musikanten aufzugleisen, für das kein Eintritt verlangt wird?
Der SMS findet alle zwei Jahre statt und ist eine wichtige Veranstaltung, die auch überregional als größtes Straßenkunstfestival bekannt ist. Wenn am 24. und 25. August die Altstadt bei der 18. Auflage zur Bühne wird, wird es, wie in den vergangenen Jahren, keine Absperrungen geben, die zu Kassen lotsen. Und trotzdem entsteht in der Abschlussbilanz kein Minus. Wie schafft das die Stadt als Veranstalterin?
Auch Geschick ist gefragt
Zurückzuführen ist das auf Erfahrungswerte, aber auch auf das Geschick der städtischen Stabsstelle Kultur, Hallen, Vereine bei den Verhandlungen, die die Kosten für die Veranstaltung nicht zu hoch werden lassen. Dem durch den vom Gemeinderat genehmigten Kostenrahmen, der bei 60 000 Euro liegt, gehen die Einnahmen der Stände, der Verkauf der freiwilligen Buttons und die Beiträge der Sponsoren von rund 25 000 Euro ab.
Kosten gut kalkulierbar
Das Risiko, höhere Kosten tragen zu müssen, sei für die Stadt relativ gering, da diese Kosten gut kalkulierbar seien, sagt Maren Ott, Leiterin der Stabsstelle Kultur, Hallen, Vereine der Stadt Bräunlingen. Die Vereine mit Buden, Ständen und weiteren Angeboten trügen das Risiko selbst, wenn durch schlechtes Wetter weniger Besucher kommen und etwa zu viele Speisen und Getränke beschafft wurden. Die positiven Effekte würden dabei höher bewertet als die Risiken.
Eine Haupteinnahmequelle
„Für viele Vereine ist der SMS die Haupteinnahmequelle für die Vereinsarbeit“, betonte Bürgermeister Micha Bächle. Die Einnahmen seien sehr wichtig für die Vereine, was man besonders in der Zeit der Corona-Pandemie gemerkt habe. Deshalb seien die Vereine beim Fest gerne mit dabei.
Zuletzt habe der von der Stadt beigesteuerte Verlustausgleich bei rund 35 000 Euro gelegen. Da der SMS eine städtische Veranstaltung ist, gebe es eigentlich keinen Zuschuss, sondern diese Ausgaben der Stadt seien ähnlich wie die Zuschüsse bei Großfesten in den Nachbargemeinden. „Wir als Veranstalter haben die Ausgaben sowie die Einnahmen, und es ist auch unsere Zielrichtung, die Gebühren in einer guten Balance zu halten“, so Bächle. Zudem gibt es eine weitere Stellschraube in der städtischen Kalkulation. „Wir haben in den letzten Jahren angestrebt, den Beitrag der Stadt zu reduzieren und auch versucht, den Beitrag durch Sponsoren und damit die SMS-Einnahmen, zu erhöhen“, fügt Ott an.
Organisatorisch nur schwer machbar
Trotz der gegebenen finanziellen Stabilität: Die Frage „freier Eintritt“ sei doch immer wieder mal gestellt worden, räumt Ott ein. Doch da kämen Faktoren ins Spiel, die gegen einen Eintritt sprächen: Eintritt zu verlangen, wäre zunächst organisatorisch sehr schwer zu machen und mit einem hohen finanziellen Aufwand verbunden. Denn das Festgelände befindet sich fast komplett in der Innenstadt und es gibt viele Zugänge zu diesem Bereich. „Die Absperrungen würden sehr viele Meter Stahlgitter zur Eingrenzung erforderlich machen, damit nur über die Zugänge der Eintritt möglich wäre. Das brächte einen hohen Aufwand für den städtischen Bauhof, der unter anderem die Gitter noch besorgen müsste“, gibt Ott zu bedenken.
Konzept hat sich bewährt
Für jeden Einlasspunkt müsste ausreichend Personal vorhanden sein, damit keine langen Warteschlangen entstehen. Zudem würden bei einer Eintrittsgebühr die Forderungen der Gema, die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, deutlich steigen. Auch die Künstler, die zu moderaten Gagen auftreten, könnten höhere Vergütungen fordern, sobald Eintritt verlangt würde. Dadurch könnte eine Dynamik entstehen, die den SMS im finanziellen Bereich nicht mehr akzeptabel machen würde. Deshalb sagt Maren Ott: „Das Prinzip, den SMS ohne Eintritt zu veranstalten, hat sich gut bewährt und soll auch in Zukunft gelten.“
Das Prinzip dahinter
Bräunlinger Straßenmusiksonntag
Die Intention hinter dem Bräunlinger Straßenmusiksonntag war, Straßenmusiker, die in anderen, meist größeren Städten in den Fußgängerzonen im öffentlichen Raum ohne Eintritt spielen, auch einmal in den ländlichen Raum zu bringen. Auch der gebührenfreie Zugang zu Kunst und Kultur sei nicht zu unterschätzen, heißt es von der Stadt. Das Fest sei ein großes Plus mit viel Unterhaltung für die Menschen der Region. Aber auch die Vereine und Caterer profitieren, wie auch die Bräunlinger Gastronomie, von der Großveranstaltung.