19 künftige Helfer absolvierten einen Pflegekurs und wurden an 16 Abenden umfassend geschult. Manche von ihnen sind in Bräunlingen schon im Einsatz.
Die im November gegründete Bräunlinger Nachbarschaftshilfe nimmt Fahrt auf. Nun trafen sich 19 Mitglieder und künftige Helfer zur letzten Veranstaltung eines 16-teiligen Pflegekurses.
Annette Bergdolt berichtete darin über ihre Arbeit als Vorsitzende des Netzwerks Nachbarschaftshilfe Freiburg und dessen Aufgaben. Anschließend übergab sie bei einer kleinen Feier die Zertifikate für den erfolgreich absolvierten Kurs.
„Ich freue mich, dass wir den Abschluss haben und dass ihr so lange, 16 Abende seit Januar durchgehalten habt. Dieses Zertifikat haben wir uns alle verdient“, so der Vorsitzende Berthold Geyer. Die verschiedenen Themen seien sehr interessant gewesen, nicht nur als Helfer, sondern auch für ihn selbst. Im Einsatz sei man besser vorbereitet, bekomme mehr Sicherheit. Auch der Austausch innerhalb der Gruppe sei gefördert worden.
Grundlagen vermittelt
Ziel des Spezialpflegekurses Begleitung im Alltag, der von der katholischen Frauenbewegung angeboten wurde, ist es, denTeilnehmern Kenntnisse und Fertigkeiten für häusliche Alten- und Krankenpflege zu vermitteln. Ferner wurden grundlegende Inhalte zur Alterspsychologie und die Grundlagen der Betreuung älterer Menschen vermittelt.
„Mit diesem ersten Kurs haben Sie wieder einen wichtigen Meilenstein erreicht“, betonte Bürgermeister Micha Bächle. Er erinnere sich noch an die ersten Gespräche, die noch gar nicht so lange zurückliegen und welche Dynamik das Projekt entwickelthabe.
„Unglaublich viel Wissen“
„Es ist ein gutes Zeichen, dass Sie sich füreinander einsetzen“. Das zeige, dass man in Bräunlingen nicht nur nebeneinander wohne, sondern miteinander unterwegs sei. Er sei allen in der Nachbarschaftshilfe dankbar, dass sie „unsere Stadt noch lebenswerter machen“ und bot weiterhin Unterstützung seitens der Stadt an.
Und was sagen die Kursteilnehmer? Kira Schleer ist mit 35 Jahren die Jüngste. Sie nimmt „unglaublich viel Wissen“ mit. Sie schätze auch manche Dinge anders ein, beispielsweise, dass die Vorsorgevollmacht so wichtig ist. Sie freut sich über die neuen Kontakte, die sie geknüpft hat, vor allem mit Menschen, die ihre Eltern sein könnten, die Ansichten einer anderen Generation kennenzulernen.
Hermann Paganini ist 66. Er hielt den Kurs für sehr lehrreich. Durch die Unterteilung in verschiedene Blöcke habe er in jedem etwas finden können, das er brauchen kann. Beeindruckt war er vom Wissen der Referenten und auch, dass diese es abends in ihrer Freizeit vermitteln. Beim Thema Demenz seien Erinnerungen an den eigenen Vater hochgekommen, die er nach dem Kurs besser verstehe. Der Kurs sei essenziell für seine Tätigkeit als künftiger Helfer.
Gerne für andere da
Emil Berger (77) war schon als Helfer im Einsatz, seine Frau Rosemarie (76) wartet noch darauf. „Es ist einfach wichtig, dass man anderen hilft“, sagt sie. Aus dem Kurs habe sie viel mitgenommen, auch für sich selbst. „Wir haben ja die Zeit, anderen zu helfen, die das brauchen. Und dann machen wir das einfach!“, fügt Emil Berger hinzu. „Wir sind schon alt und könnten die Hilfe bald selbst beanspruchen“, fügt er scherzhaft hinzu.
„Es ist toll, wenn man für andere da sein kann“, so Rosemarie Berger, und so haben beide entschieden, sich bei der Nachbarschaftshilfe zu engagieren. Ähnlich sieht das auch Kira Schleer. „Es gibt so viele Menschen, die Hilfe brauchen, und wenn ich helfen kann, warum sollte ich das nicht tun?“
„Eine Selbstverständlichkeit“
„Ich habe bereits Klienten, mit denen ich mich gut verstehe. Ich helfe gerne, das ist für mich keine Arbeit, sondern eine Selbstverständlichkeit“, sagt Hermann Paganini. Die Nachbarschaftshilfe sei ein Gewinn für die Stadt Bräunlingen, sie sei Werbung für eine intakte Gemeinschaft.
Kira Schleer sieht eine Möglichkeit, einen Beitrag zu leisten, dass ältere Leute nicht mehr so einsam sind, allein mit ihnen zu reden, sei Gold wert. Auch Rosemarie Berger betont, wie wichtig soziale Kontakte für Ältere sind.
Start in kurzer Zeit
Die Initiatoren der Bräunlinger Nachbarschaftshilfe
Klaus Gaßmann, Berthold Geyer und Matthias Werner gingen am 4. Juni 2025 erstmals mit ihrer Idee an die Öffentlichkeit. Am 8. Juli wurde das Projekt im Gemeinderat vorgestellt, der eine Gründungshilfe von 1000 Euro zusagte. Eine große Informationsveranstaltung mit Stadt, Landratsamt und Netzwerk Nachbarschaftshilfe am 24. September fand großen Anklang. Bereits am 20. November fand die Gründungsversammlung mit 69 Mitgliedern statt, mit dem Ziel, Hilfeleistungen schon im ersten Quartal 2026 anzubieten. Zum Vorsitzenden wurde Berthold Geyer gewählt. Der Kontakt erfolgt über die Einsatzleiterin Anita Dold unter 0176/43 88 92 97 oder die E-Mail-Adresse einsatzleitung@braeunlinger-nachbarschaftshilfe.de