Das Gebäude des "Alten Posthauses" heute. Es wird nun als Wohnhaus genutzt. Foto: Zimmermann Foto: Schwarzwälder Bote

Historisches: Das Gasthaus "Altes Posthaus" in Unadingen liegt nahe der Postbus-Unglücksstelle von 1949

Rund 250 Jahre hat das Haus im sogenannten Postloch zwischen Döggingen und Unadingen auf dem Buckel. Wenn das Gasthaus "Altes Posthaus" in Unadingen erzählen könnte, wären es höchst interessante Geschichten.

Donaueschingen/Bräunlingen-Döggingen. Nach seiner Erbauung waren es etwa 150 Jahre lang insbesondere Pferde und andere Zugtiere, welche die mit Reisenden besetzten Kutschen oder schwer beladene Wagen die steile Straße hinauf nach Döggingen oder Unadingen ziehen mussten. In regelmäßigen Abständen ritt der Postreiter vorbei, der als Eil-Bote Briefe von A nach B zu bringen hatte. Immer wieder knirschten auf der geschotterten Straße auch Militärstiefel, wenn Soldaten – kaiserliche oder französische – in die Schlacht zogen.

Nach und nach zeigten sich auf der Straße, die den Breisgau mit der Baar verband, Autos, Lastwagen, Reisebusse und Motorräder. Am Morgen des 6. Februar 1949, einem Sonntag mit strahlendem Winterwetter, war das Haus Zeuge einer schlimmen Tragödie, als der Fahrer eines mit 60 Personen besetzten Postomnibusses nach einem Schaltfehler und bei versagenden Bremsen vergeblich versuchte, sein immer schneller werdendes Fahrzeug auf der abschüssigen Strecke auf der Straße zu halten. Der Bus durchbrach am Anfang bei der Brücke beim Posthaus das Geländer, stürzte mehrere Meter die steile Böschung hinab in die Gauchach und bohrte sich frontal in den Gegenhang. 19 Mitglieder des Skiclubs Radolfzell, die am Feldberg Ski fahren wollten, verloren dabei ihr Leben.

Über die Geschichte des Posthauses gibt die von Emil Ketterer verfasste Ortschronik von Unadingen Auskunft. Danach hat Martin Böttle das "neue Posthaus" 1779/80 erbauen lassen, nachdem das Thurn- und Taxissche Oberpostamt in Freiburg die Verlegung des Unadinger Posthauses vom "Gasthaus Hirschen" an die Landstraße verlangt hatte. Das neue Posthaus trug ursprünglich den Namen "Zum Schwarzen Adler".

Von Löffingen kommend, führte die vorderösterreichische Postlinie von Breisach über Freiburg nach Innsbruck. In Unadingen verlief diese ursprünglich ein Stück in das Dorf hinein, um dann in Richtung der Ruine Grünburg abzubiegen. In der Nähe der Lochmühle überquerte der Postweg die Gauchach und fand über Hausen vor Wald und Hondingen seine Fortsetzung nach Engen. Mit der Verlegung der Postroute auf die Landstraße Löffingen-Döggingen-Donaueschingen wurde 1755 die schwierige Überquerung der Gauchach deutlich verbessert.

Der Bau einer neuen Poststation im Postloch dürfte Martin Böttle – er stammte aus dem Unadinger "Hirschen" und war damals Vogt der Gemeinde Unadingen – leicht gefallen sein, weil am neuen Standort für Fuhrwerke an den Steigen in beide Richtungen ein Vorspann gebraucht wurde und sich dieses Geschäft gut mit den Erfordernissen der Poststation verbinden ließ. Den Zugtieren bot das Haus in den Stallungen auf der anderen Straßenseite Gelegenheit, sich auszuruhen und mit einem kräftigenden Futter zu stärken, für die Menschen hielt es Speis und Trank bereit und, soweit notwendig, ein Bett zum Schlafen.

Nach Martin Böttle gab es eine ganze Reihe von Eigentümerwechseln. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnte das Haus nicht mehr rentabel geführt werden, nachdem – seit Eröffnung der Eisenbahnlinie Neustadt-Donaueschingen im Jahr 1901 – für den Warentransport die Bahn die Fuhrwerke nach und nach ablöste. Es folgten andere Nutzungen, beispielsweise als Lager für Kriegsgefangene und als Notunterkunft obdachloser Familien. Wilhelm Hirtz brachte das heruntergewirtschaftete Wohngebäude wieder auf Vordermann. Er richtete 1950 darin die Gastwirtschaft "Zum alten Posthaus" ein, die aufgrund ihrer Geschichte wohl "Neues Posthaus" hätte heißen müssen.

Zuletzt war das Gasthaus im Eigentum der Wirtsfamilie Friedhelm und Rosemarie Lankes, die das Haus 1994 gekauft hatte und als Gastwirtschaft bis im Herbst 2018 weiterführten. Der jetzige Eigentümer nutzt es ausschließlich als Wohnhaus.

Gaststätten in der Region, die Kultstatus erworben haben, eine interessante Geschichte zu erzählen haben oder schlicht früher ein besonderer Treffpunkt waren und heute vielleicht gar nicht mehr existieren – sie stehen im Fokus dieser Serie. Sie beleuchtet jeweils die Geschichte der Gaststätte und deren Entwicklung. Was hat sich dort abgespielt, warum war die Kneipe so ein besonderer Treffpunkt? Die einzelnen Serienteile erscheinen dabei in loser Abfolge.