Kirchenkonzert im Wechselspiel der Epochen
Von Engelbert Kropfreiter
Bräunlingen. Die Worte "Der Name ist Programm" klingen inzwischen etwas verstaubt, jedoch darf man sie zweifellos wiederbeleben, wenn es um das Kirchenkonzert des Bläserquintetts neoBrass zusammen mit dem Orgelspiel von Kantor Frank Rieger geht.
Das Neujahrskonzert am Mittwoch in der Stadtkirche unterstrich in Auswahl wie auch in der Art, wie es herüberkam, die von Rieger betonte "langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit" der fünf Musiker. Wenn es vom Barock über die Romantik bis zu Zeitgenössischem geht, also alle Schaffensepochen den Abend zum Hörgenuss werden lassen, dann ist wie in den vergangenen Konzerten dieser Art ein gesicherter Stamm an Besuchern garantiert.
Vom Barock bis bis zum Musical
Traugott Fünfgeld hat nach größeren Kompositionen in den letzten Jahren schon von sich reden gemacht. Die Orgel (Frank Rieger), Trompeten (Rainer Benner und Wataru Takagi), Posaune (Andreas Spiegelhalder), Horn (Jakob Wurm) sowie Tuba (Markus Pfundstein) setzten das fanfarenähnliche Allegro seiner Symphonischen Suite in den passenden Auftakt dieses Konzerts.
neoBrass wechselte ins 17. Jahrhundert zu dem lange vergessenen Samuel Scheidt und der würdevollen Weise "Wendet euch um ihr Aderlein". Drei Sätze aus dem Quintett No. 1 von Victor Ewald ließen die Bläser in das akustisch mit Vorteilen ausgestattete Gotteshaus erklingen, und danach ließ der Organist das "Phantom Regiment" des Amerikaners Leroy Anderson geistig aufmarschieren.
Den Schritt zur Romantik in diesem über 90 Minuten dauernden Konzert machte neoBrass mit einem kräftigen Allegro aus der 1. Sonate von Alexandre Guilmant. Beim Allegro cantabile aus der Orgelsymphonie des Franzosen Charles Widor, einer solchen von Bach fast ebenbürtig, ließ Frank Rieger seine Hörer über zarte Töne ihren Gedanken nachhängen. Antonio Vivaldi konnte über Orgel und zwei Piccolo-Trompeten in seinen Bann ziehen. Drei Sätze aus dem Concerto C-Dur erklangen nach einem Arrangement von Wataru Takagi von der Empore. Zeitgenössisch auf der Orgel dann ein Allegro aus einer Suite von Denis Bedard.
Musicalweisen klassisch, das boten die Bläser mit drei gut arrangierten Liedern aus der West Side Story von Bernstein: Maria, Tonight und America. Der nun folgende Christmas Carol: Sussex Mummers deutete schon den Ausklang an, den alle Interpreten aus der Fünfgeld-Orgelsymphonie "Finale" klangfüllend boten. Mit dem "Brot des Künstlers" wurden die Akteure reichlich beschenkt. Sie dankten das mit einer ins Gemüt gehenden Zugabe.