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Bräunlingen Lösung für das Biowärme-Problem

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Nun gibt es eine Lösung für die ehemalige Klärschlamm-Trocken-Anlage und den Betrieb Biowärme-Bräunlingen (BWB): Steffen Würth (von links), Philipp und Hubert Ewald, Micha Bächle, Sebastian Grytner und Alexander Würth. Foto: Jakober Foto: Schwarzwälder Bote

Zufriedene Gesichter, wenn es um die Klärschlammtrocknung und die Biowärme geht? Das gab es in Bräunlingen schon lange nicht mehr.

Bräunlingen (jak). Während die Bürger und die benachbarten Betriebe bis 2015 vor allem durch den Geruch wenig Freude an dem einstigen Vorzeigeobjekt hatten, sorgte die Einstellung der Klärschlammtrocknung seither im Rathaus für Sorgenfalten. Die Biowärme Bräunlingen (BWB) geriet aus wirtschaftlichen Gründen in eine schwierige Situation, denn verschiedene Lösungen zerschlugen sich immer wieder.

Doch nun ist dem Aufsichtsratsvorsitzenden Bürgermeister Micha Bächle gelungen, gemeinsam mit den BWB-Geschäftsführern Sebastian Grytner und Joachim Ledwig eine tragfähige Zukunftslösung zu finden. Die Wärmeversorgung der Gewerbegebiete Stetten und Niederwiesen wird zukünftig komplett durch den Palmhof übernommen. Und auch für den BWB-Standort gibt es eine Lösung: Das Bräunlinger Unternehmen Straub Verpackungen wird das Gelände samt Gebäude kaufen.

"Ich bin froh, dass wir nun eine zukunftsfähige und tragfähige Lösung für die Biowärme Bräunlingen gefunden haben", sagt der BWB-Aufsichtsratsvorsitzende Micha Bächle, und Geschäftsführer Sebastian Grytner fügt hinzu: "Es ist eine Win-win-Situation für alle Beteiligten."

Grundlage für die Lösung ist, dass der BWB-Standort in Gewerbegebiet Niederwiesen aufgegeben werden kann. Dies geht jedoch nur, wenn die Wärmeversorgung auf andere Weise möglich ist. Die BWB ist im Besitz des Nahwärmenetzes im Gewerbegebiet, der Vertrieb ist auch profitabel, die BWB drückt jedoch die Schuldenlast aus den Investitionen in die Klärschlammtrocknung. Der Palmhof hatte bereits 2016 – nach dem Aus der Klärschlammtrocknung – die Versorgung des Gewerbegebietes übernommen. Bislang werden so 70 Prozent der Wärmeleistung abgedeckt, die übrigen 30 Prozent werden durch Holzhackschnitzel aus dem heimischen Forst auf dem BWB-Gelände erzeugt.

Damit der Palmhof nun die komplette Versorgung übernehmen kann, wird dort kräftig investiert. Nachdem bereits 2,7 Millionen Euro in die Anlage investiert wurden, wird eine weitere Millionen Euro benötigt, um die Bräunlinger Gewerbegebiete versorgen zu können. Dabei wird auch nur dann produziert, wenn die Betriebe versorgt werden müssen. "Am Wochenende sind unsere Blockheizkraftwerke abgestellt", erklärt Philipp Ewald.

Möglich ist das, weil die Anlage wie ein Pumpspeicherwerk funktioniert. Rund 10 000 Kubikmeter Biogas können gespeichert werden, das entspricht fünf Volllaststunden. Nun soll ein weiteres Blockheizkraftwerk errichtet werden, um nicht nur die 100-prozentige Versorgung der bestehenden Gewerbegebiete sicherzustellen, sondern auch auf die Niederwiesen-Erweiterung vorbereitet zu sein. Damit der Palmhof erweitern kann, bedarf es einer Änderung des Flächennutzungsplanes und des Bebauungsplanes. Der Gemeinderat hat bereits in einer nichtöffentlichen Sitzung einem städtebaulichen Vertrag zugestimmt, der die Modalitäten regelt.

Für Straub Verpackungen ist die Lösung ebenfalls eine gute Nachricht, und das nicht nur, weil die Unternehmen durch den Anschlusszwang an die Nahwärme angeschlossen sind und keine eigenen Heizzentralen besitzen. "Wir Unternehmer müssen uns zu 100 Prozent darauf verlassen können, dass die Versorgung funktioniert", sagt Geschäftsführer Steffen Würth. Es gibt noch einen weiteren Grund: Das BWB-Gelände liegt direkt zwischen Wellstar Packaging und dem Erweiterungsbau von Straub Vepackungen, an dem kräftig gearbeitet wird.

Schon jetzt hat die BWB bereits der Firma Straub zugesagt, das Gelände während der aktuell laufenden Bauarbeiten für das Logistikzentrum nutzen zu können. Was genau mit dem Gelände passiert, steht noch nicht fest. Aber es lasse sich hervorragend in den Standort integrieren. Zielsetzung sei es, die Wärmeversorgung zur Heizperiode 2019/2020 durch den Palmhof komplett zu übernehmen und in diesem Atemzug das Gelände der BWB zu verkaufen.

"Wir sind froh, dass auch die Banken diese Lösung mittragen und an die Wirtschaftlichkeit unseres neuen Konzeptes glauben", so Geschäftsführer Sebastian Grytner. Parallel werde man versuchen die Anlagenteile der BWB zu verkaufen. Die Firma Straub wird dann das Gelände mit dem Gebäude übernehmen. "Für unsere Wärmekunden ändert sich nichts", so Grytner. Auf dem Palmhof werde es künftig eine mehrfache Absicherung geben, sodass die Wärmelieferungen garantiert sind. "Mit dem Nahwärmenetz bieten wir im Gewerbegebiet eine umweltfreundliche Wärmeversorgung."

Vorzeigeprojekt: Im April 1998 wurde die Biowärme Bräunlingen (BWB) als bundesweites Vorzeige- und Pilotprojekt in Betrieb genommen. Die Kosten für die Anlage lagen damals bei 11,5 Millionen Mark. Als Gesellschaftsform wurde eine GmbH gewählt, wobei die Stadt Bräunlingen neben drei weiteren Mitbesitzern, Mehrheitsgesellschafter war.

Probleme: Die Klärschlämme hatten oft einen zu hohen unterschiedlichen Trockengehalt und auch größere "Brocken" im Schlamm zerstörten Teile der Anlage, wie das Schneckenfördersystem. Die ständigen Temperaturanpassungen und der Wassergehalt der Klärschlämme erforderte zusätzlichen Prüf- und Einstellungsbedarf.

Ausstieg: Der nach einigen Jahren vorgenommene Ausstieg der beiden Gesellschafter Saarberg-Fernwärme-GmbH (SFW) und die Saarberg-Oekotechnik GmbH (Sotec) die einen Anteil von je 22 Prozent hatten, basierte auf einer neuen Betriebsphilosophie, einer Konzentration auf das Kerngeschäft. Das Unternehmen Nahwärme Brigachschiene mit Sitz in Donaueschingen hält momentan noch 44 Prozent BWB-Anteile, 56 Prozent liegen bei der Stadt. Doch auch das soll sich bald ändern: Die Brigachschiene will aussteigen, die Stadt Bräunlingen wird die Anteile kaufen. Vereinbart wurde aber, dass dieser erst dann vollzogen wird, wenn eine zukunftsfähige Lösung umgesetzt wird. Die Brigachschiene wird auch der BWB mit ihrem Fachwissen als Berater erhalten bleiben.

Holzabfälle: Die BWB, die im Jahr 2000 den Landesumweltpreis erhielt, verheizt Holzabfälle aus Wald und Sägebetrieben. Sie trocknete damit große Mengen von Klärschlamm aus vielen Gemeinden in der Region. 2015 wurde die Klärschlammtrocknung eingestellt. Seit 31. Dezember 2017 sind auch die Verträge ausgelaufen.

Anschlusszwang: Viele Bräunlinger Firmen im und neben dem Gewerbegebiet Niederwiesen nehmen seit Jahren Wärmelieferungen ab. Der dortige Anschlusszwang an die BWB bei Gewerbebauplatzverkäufen durch neue Firmen, steigerte die Abgabe an Nahwärme und erhöhte damit die Einnahmen.

Konkurrenz: Ab 2002 schrieb die BWB erstmals schwarze Zahlen. Mit den Gewinnen wurden die Anlaufverluste bis 2007 reduziert. In den Folgejahren gab es eine neue Konkurrenz für die BWB durch die Biogasanlagen, denn die entstandene Wärme wurde zur Trocknung der Klärschlämme genutzt.

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