Die Hexenpolka ist einer der Höhepunkte des schaurig-schönen Spektakels. Fotos: Kropfreiter Foto: Schwarzwälder-Bote

Umzug der Urhexen und der Krummen Hexen lockt Zuschauer in die Zähringerstadt

Von Engelbert Kropfreiter

Bräunlingen. Wenn eines zur Fasnetbegeisterung beitragen kann, dann sind es wie beim gestrigen Hexensonntag, zwei Dinge: gutes Wetter gepaart mit viel Freude bei der Straßenfasnet.

Zahlreiche Zuschauer verfolgten wie jedes Jahr aufs Neue den gemeinsamen Umzug von Urhexen und Krummen Hexen mit ihrem Drachen durch das Bräunlinger Städtle. Die Hexenmusik (sprich Stadtkapelle), Stadtwehr und die alemannischen Trummler sind bei dem unterhaltsamen Spektakel nicht mehr wegzudenken.

Vor dem Rathaus wiederholten sich dann die Schunkelrunden, bevor bei der Hexenpolka die Hexenbesen der Urhexen gen Himmel ragten und sich die "Krummen" recht verstohlen unters Fasnetvolk mischten, um mit denen ihre Späße zu treiben. Der Gildenmeister der Narrenzunft Eintracht konnte schließlich einen der Glanzpunkte des Hexensonntags via Mikrofon verkünden: die Hexenpyramide der Urhexen, umrahmt vom Hexennachwuchs von dem es gestern Nachmittag während des Umzugs nur so wimmelte.

Bis zum Einbruch der Dunkelheit feierten viele in den Wirtschaften weiter, bis dann am Kelnhofplatz ein weiteres, seit Jahren gut gepflegtes Zeremoniell wartete: das große Hexenfeuer mit ungestümen und mutigen Sprüngen der Urhexen durch die heiß lodernden Flammen. Jedes Jahr aufs Neue ein Spektakel für die Zuschauer.

Bräunlinen gilt als echtes Hexennest. Dieser Tradition folgen mehrere feste Veranstaltungen während der Fasnetzeit. Erste urkundliche Erwähnung des Hexenlaufens ist eine Bekanntmachung der Stadt vom 11. Februar 1823. Vor der Stilisierung der Urhexen, nach dem 2. Weltkrieg, wird von den sogenannten "wilden Hexen" gesprochen. Die Anzahl der Urhexen ist auf 16 limitiert. Die Holzmaske, von Falten zerfurcht mit übergroßer abgewinkelter Nase, übergroßen Augenbraunen und Warzen auf Stirn und Nase, hat ein hämisches Grinsen. Das rote Kopftuch wird von einem Drahtgestell gehalten. Auf dem Häs sind sieben Blätze (Flicken) aufgenäht. Die Urhexen eröffnen an Maria Lichtmeß (2. Februar) den alten Brauch des Hexenlaufens. Das Hexenrad, ein Holzstamm, wird von einem Stier gezogen. Ab diesem Tag dürfen sich die Kinder als Hexen verkleiden und als solche durch den Ort rennen. Am traditionellen "Hexensunntig" treten die Urhexen gemeinsam mit den "Krummen Hexen" in Aktion. Der Tag endet mit dem Hexenfeuer.