Alois Wiehl beherrscht etliche Instrumente, wobei seine Soli mit dem Saxofon sehr beliebt sind.Foto: Sigwart Foto: Schwarzwälder Bote

Porträt: Der 69-jährige Profi-Entertainer Alois Wiehl aus Bräunlingen schildert seine Situation in der Corona-Pandemie

Der 69-jährige Profi-Entertainer Alois Wiehl aus Bräunlingen schildert seine Situation in der Corona-Pandemie.

Es sind schwierige Zeiten für den 69-jährigen Berufsmusiker Alois Wiehl aus Bräunlingen. Er kann zwar Einnahmeausfälle abmildern, doch muss seine Leidenschaft derzeit größtenteils ruhen.

Bräunlingen. Die Zeit, in der Berufsmusiker allein oder als Gruppe für Auftritte bei unterschiedlichen Anlässen, Festen und Feiern durch das Land reisen, steht seit über einem Jahr still. Die aktuelle durch die Corona-Pandemie bestimmte Situation nimmt der Bräunlinger Profimusiker Alois Wiehl als eine Krise für Entertainer und kleinere Musikgruppen wahr, da diese oft schon Monate ohne Einnahmen auskommen müssen.

Viele Branchen betroffen

"Die Corona-Pandemie hat wie auch viele andere Branchen die Musikszene, vor allem die Alleinunterhalter und Entertainer, hart getroffen. Viele Aufträge, Verpflichtungen und Verträge wurden storniert, was für etliche Musiker das Aus ihrer Musikerkarriere bedeutete", sagt Wiehl bezüglich der Corona-Auswirkungen im individuellen Musikbereich.

"Bei mir persönlich sind rund siebzig Prozent der musikalischen Vorhaben wie Sommerfeste, Geburtstage, Galas, Hochzeiten, Präsentationen und die Herbstfeste weggebrochen. Ich konnte mich noch mit einigen musikalischen Beiträgen, darunter bei Beerdigungen und Familienanlässen und mit meiner Rente, über Wasser halten. Doch für einige meiner Musikerkollegen kam das Corona-bedingte Aus, da sie längere Zeit ohne Engagement auskommen mussten," so der 69-Jährige Profimusiker.

Unter dem Motto "CDs auflegen kann jeder, Livemusik nicht" bietet der Bräunlinger Entertainer und Alleinunterhalter seit über vierzig Jahren, innerhalb verschiedener Bands und Musikgruppen sowie im Duo, musikalische Erlebnisse. Seine Auftritte sind bestimmt durch unterschiedlichste Stilrichtungen, die mit seinen zahlreichen Instrumenten, Gesang und Showeinlagen präsentiert werden. Abgerundet wurden und werden seine musikalischen Darbietungen durch eine auf die Veranstaltung in Szene gesetzte Moderation mit Licht und Ton. Sein Programm bietet "Jazzstandards, fetzige Tanzmusik, aktuelle Tophits, Rock und Pop, Oldies, auch im klassischen Stil, sowie Schlager und auch volkstümliche Abwechslung".

"Die Corona-Auszeit habe ich unter anderem dafür genutzt, um neue Stücke zu proben, neue Ansätze zu üben und meine Musikinstrumente auf Vordermann zu bringen. Saxophon, Klarinette und Flöten verlangen verschiedene Ansätze, was immer wieder eingeübt werden muss." Auch die Posaune, die Gitarre, sowie das Tenorhorn und die eigene Gesangstimme gehörten mit zum Instrumentarium des vielseitigen Musikers.

Demütige Gedanken

"Nach einer so langen Zeit mit nur wenigen Auftritten, muss ein Musiker viel Leidenschaft und Willen besitzen, um wieder Spaß an der Musik ausstrahlen zu können. Doch ich habe ein langes Musikerleben mit oft auch mit viel Druck hinter mir und bin dankbar für die vielen Erfahrungen und Erlebnisse innerhalb meiner Musikerjahrzehnte, was in mir ab und zu fast schon demütige Gedanken auslöst", berichtet Wiehl.

"In der Zeit vor Corona hatte ich viele Auftritte mit unterschiedlichen Performances in meinem Terminkalender stehen. Dann kam Corona und viele Termine wurden storniert. Zwar konnte ich noch bei Messen, Geburtstagen und auch Familienfesten spielen, doch mein Engagement wurde stark gebremst. Rund 70 Prozent sind der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen."

Gern angenommen werde Wiehl zufolge das Angebot "Musik für Trauerfeiern", bei dem er ein umfangreiches Repertoire für die passende musikalische Begleitung anbiete. "Musik ist wie ein letzter Gruß an einen geliebten Menschen, von dem Abschied genommen werden muss. Sie lenkt den Blick auf gemeinsame Erinnerungen und kann das Vorwärtsgehen nach einem schmerzlichen Verlust leichter machen", sagt Wiehl, der in der Kirche, am Grab oder auch in der Friedhofkapelle ausgewählte Stücke spielt.

Anfänge: Der gebürtige Bräunlinger Alois Wiehl (69) startete seine musikalische Laufbahn als Zehnjähriger bei der Bräunlinger Stadtkapelle. Etwas später sammelte er seine ersten semiprofessionellen Erfahrungen mit den "Happy Sounds" aus Villingen-Marbach. Nach kurzem Gastspiel beim "Granada Sextett" unterschrieb er seinen ersten Profivertrag bei der "Fred Gorden Group". Ausland: Etwas später und um einige Erfahrungen reicher, ging er ins Nachbarland nach Basel zu einer Schweizer Showband. Vier Jahre lang hielt diese musikalische Liaison mit der Band "Yes or No". Danach zog es den Bräunlinger zurück in seine Heimat. Hier versuchte er sich als Wirt einer Musik- und Szenekneipe. Drei Jahre später zwangen ihn aber anstehende, größere Investitionen zur Aufgabe der Kneipe und Wiehl wechselte erneut ins Profimusikerlager. Erfolg: Im Jahr 1986 begann für ihn eine sehr erfolgreiche Zeit mit den über die Region hinaus bekannten "Stockmihli-Musikanten", die es zu zahlreichen Auftritten in Funk und Fernsehen brachten und auch international auf Tournee waren. Nach seinem Weggang tourte Alois Wiehl zusammen mit Franz Hörnisch unter dem Namen "Alois & Franz" quer durch Deutschland. Insgesamt sieben Jahre reisten sie durch die Städte, bis Dirk Schnieper aus Titisee-Neustadt 2002 schließlich in die Rolle des Franz schlüpfte. Der zweite Franz stieg im Jahr 2006 aus der Formation aus. Seither ist Wiehl mit verschiedenen Musikern und als Solist unterwegs. Programm: Als Entertainer füllt Alois Wiehl mehrere Rollen aus, darunter Interpreten wie Tom Jones, Glenn Miller, Elvis Presley, Udo Jürgens, Abba, James Brown, André Rieu, Stevie Wonder, Gheorghe Zamfir, Kenny G., Bonny M., Frank Sinatra, die Blues Brothers, Santana, Bob Marley, Kool and the Gang, Michael Bublé, die Carpenters, die Flippers, Andrea Berg und Roland Kaiser. Weitere Informationen im Internet unter der Adresse www.alois-entertainer.de.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: