Stefan Hummel von der Narrenzunft ist von den geschnitzten Tafel begeistert. Foto: Schwarzwälder Bote

Künstler: Herbert Schwarz spendet Fasnetfiguren an die Zunft

In vielen Häusern der Narrenhochburg Bräunlingen stehen meist aus einem Holzblock gefertigte Fasnetschnitzereien, vor allem Abbildungen der historischen Figuren der Narrenzunft Eintracht. Viele dieser Kunstwerke stammen aus den Händen von Herbert Schwarz.

Bräunlingen. Sie verbreiten das ganze Jahr über ein bisschen närrische Stimmung in den Haushalten, was in den aktuellen Coronazeiten ohne Fasnet in gewohnter Form verstärkt gewünscht ist. Eine große Anzahl dieser kleinen Kunstwerke, die meist aus dünnem Lindenholz geschnitzt wurden, hat der langjährige Bräunlinger Rebstockwirt und Kunstschnitzer Herbert Schwarz hergestellt. Er hat vor kurzem viele seiner bis ins Detail genauen Kunstwerke der Bräunlinger Narrenzunft als Ausstellungstücke für das Narrenmuseum vermacht.

Viele Larven und ausdrucksstarke, furchterregende Hexenmasken sowie auch ganze Figuren entstanden in den von vielen beneideten, geschickten Händen von Herbert Schwarz. Die Bräunlinger Zunft hat zusätzlich einige spezielle Stücke gekauft. Sie kann nach der Eröffnung des im Innenbereich sanierten Zunfthauses eine breite Palette von Unikaten des hervorragenden künstlerischen Schaffens von Herbert Schwarz vorstellen.

"Ich freue mich darüber und bin sehr dankbar, dass wir im Narrenmuseum viele Kunstwerke von Herbert Schwarz präsentieren können", äußerte sich Zunftmeister Matthias Reichmann zur großzügigen Spende des über Bräunlingen hinaus bekannten Kunstschnitzers.

Bei den gespendeten Schnitzereien sind unter anderem der Stadthansel mit Schwert, der Plärrer bei der Geldbeutelwäsche, die Urhexe, der Trommler, die Stadtwehr und der Bocktreiber zu sehen. Ein Teil der Figuren wurde nach der Fertigung mit den jeweils prägenden Farben bemalt. Alle von Schwarz geschnitzten Unikate sind auch in Natur ohne Bemalung in den Schaukästen im Museum zu sehen.

Einige Schnitzereien zeigen sogar zwei Motive auf einem Holzblock, dabei Stadtbock mit Treibern, zwei Hansel und die Doppelplärrer. In einem der Räume des Narrenmuseums soll ein Abbild der Schnitzerwerkstatt von Herbert Schwarz mit originaler Werkbank, einen vertiefenden Einblick in die viel gelobte Arbeit des Fasnetfreundes geben.

Beeindruckend sind auch hervorragend geschnitzte ovale Holztafeln, die dem Betrachter einige Bräunlinger Fasnetfiguren näher bringen. Dazu gehören die Urhexe beim Sprung mit dem Besen, der Stadtbock mit Treiber, der Narrenbrunnen und der Aschermittwochplärrer. Weitere Tafeln zeigen die Stadtwehr mit der Kanone, eine krumme Hexe, die Trommler und die Blumennarren sowie das Stadttor mit Hansel und den Narrenrat.

Für ein Narrenhäs ist der Maskenschnitzer überaus wichtig, um über die Narrentage die Tradition fortführen zu können. Ohne Zweifel ist die Narrenlarve das Gesicht des Narren, das aussagekräftig den Charakter der historischen Figur nach außen vermittelt. Kaum eine Larve gleicht bis ins Detail der anderen. Manche sind schon deutlich über 100 Jahre alt, was eine gut besuchte Ausstellung im Kelnhofmuseum vor über zwei Jahren eindrucksvoll zeigte.

Besonderes Handwerk

In der Regel wird eine Larve aus relativ dünnem Lindenholz geschnitzt, das etliche Jahre gelagert werden muss. Aus dem Rohling wird das prägende Narrengesicht. Dies erfordert sehr gute, filigrane Fingerfertigkeit, verbunden mit den erlernten Schnitzfähigkeiten und gepaart mit sicheren Schnitten und Feilungen.

Eine Maske wird auch sehr dünnwandig geschnitzt, damit die Stimme ihres Trägers den rechten Klang hat, betonen die Narren. Weitere Narrenutensilien, darunter das Hanselschwert und auch viele Zunfttafeln, stammen aus der Hand des Schnitzers.

Doch macht die kunstvolle Arbeit des Maskenschnitzers noch keine fertige Larve, denn ebenso wichtig ist die Bemalung, meist nach historischen Vorbildern. Die Bemalung nennen die Akteure auch Fassung. Sie zeigt, wie sehr die Farbe das Erscheinungsbild der Larve bestimmt, wobei die Fassung aus Materialschichten aufgebaut wird. Das Fassen von Larven wird bei Fachleuten unter den Handwerkerbereich eingestuft, was etliche Jahre der Lernphase und einen guten Lehrmeister erfordert.

Einige der Kunstmaler haben eine ganz individuelle Art und Weise, die Larven vorzubereiten und dann anzumalen. Man muss die richtigen Arbeitsschritte auch wegen der unterschiedlichen Holzbeschaffenheit beachten, sodass die Fassungen und Grundierungen richtig aufeinander abgestimmt sind. Ab und zu sind auch Zwischenschliffe notwendig. Die Masken müssen mit einem speziellen Kreidegrund und Ölfarben gefasst und durch einen Schutzlack gut geschützt werden, damit sie die teils strengen und feuchtfröhlichen Fasnettage unbeschadet überstehen können.

Herbert Schwarz hat hauptsächlich für die Bräunlinger Narrenzunft und weitere Interessenten aus Bubenbach über Jahrzehnte Fasnetfiguren geschnitzt. Er kam 1954 in die alte Zähringerstadt und hat sein Handwerk auf der Schnitzerschule in Furtwangen gelernt. Viele Jahre war er Wirt des Bräunlinger "Rebstock". Beim Imkerverein ist er auch als guter Königinnenzüchter bekannt. Herbert Schwarz ist vor einiger Zeit nach Norddeutschland zu seiner Tochter gezogen.

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