Wenn die Gassen eng zugeparkt sind, dann braucht das Durchkommen eben Zeit. Auch im Ernstfall. (Archivbild) Foto:  

Nach den Bränden in Villingen erklärt Stadtbrandmeister Frank Müller, wie die Feuerwehr die historische Innenstadt von Rottweil schützt und Brände bekämpft.

Es dürfte wohl der Alptraum eines jeden Stadtbrandmeisters sein, in der historischen Innenstadt zu einem Gebäude- oder Dachstuhlbrand gerufen zu werden. Und doch kommt es immer wieder vor.

 

Vergangenes Jahr der Dachstuhlbrand in der Konstanzer Innenstadt, und jetzt die Brandkatastrophe in der historischen Altstadt von Villingen, die die Menschen in der Region erschüttert.

Bei dem verheerenden Feuer wurden am Samstagabend mehrere Gebäude komplett, oder zum Teil ein Raub der Flammen. Vier Dachstühle sind eingestürzt. 35 Personen sind nun ohne Haus oder Wohnung. Die Feuerwehr war die gesamte Nacht und auch am Sonntag noch im Einsatz. Die Löscharbeiten erwiesen sich in dem historischen Gebäudebestand und aufgrund der Bauweise als schwierig.

Auch Rottweils historischer Stadtkern birgt seine Risiken. „Deswegen trainiert die Feuerwehr Rottweil regelmäßig in diesen Bereichen“, informiert Stadtbrandmeister Frank Müller auf das Szenario angesprochen. „Passieren können solche Brandfälle auch bei uns. Und wir agieren je nach Situation. Wir würden sicherlich noch weitere überörtliche Kräfte anfordern, eventuell aber auch eine dritte oder vierte Drehleiter“, so Müller weiter, der von dem verheerenden Feuer in seinem Urlaub erfahren hat.

Wie würde die Feuerwehr Rottweil vorgehen?

Der räumlich enge historische Stadtkern sei auch der Grund dafür, dass die Feuerwehr Rottweil eine Drehleiter und eine Hubarbeitsbühne hat. „Damit können wir schonmal schnell von zwei Seiten agieren“, erklärt der Stadtbrandmeister.

Aber wie würde in Rottweil in einem solchen Fall vorgegangen? Und welche Wehren werden hinzualarmiert? Denn die Feuerwehr Zimmern beispielsweise verfügt über gar keine Drehleiter mehr.

„Wir sind mit allen umliegenden Feuerwehren über die Integrierte Leitstelle, ILS genannt, vernetzt. Die ILS alarmiert je nach gemeldetem Szenario die örtliche Feuerwehr“, erklärt der Stadtbrandmeister den Ablauf. Der Einsatzleiter könne dann entweder bereits auf Anfahrt, oder nach der Erkundung vor Ort das Alarmstichwort erhöhen und zusätzlich gezielt weitere Einsatzmittel nachfordern. „Hierbei wird der Einsatzleiter von seiner Führungsgruppe und einem so genannten Taktischen Führer (Zugführer) unterstützt.

Je nach Größe des Szenarios wird die Einsatzstelle in mehrere Abschnitte unterteilt“, so Müller weiter. Alarm für alle Einsatzabteilungen der Feuerwehr Rottweil sei technisch schnell ausgelöst. Weitere Drehleitern oder Löschfahrzeuge würden ebenfalls über die ILS nachgefordert.

„Außerdem ist unsere Hubarbeitsbühne prädestiniert für solche Brandeinsätze, kann sie doch in jeder engen Gasse, in die sie einfahren kann, auch zum Einsatz kommen, weil der Drehkranz sich innerhalb der Fahrzeugmaße dreht. Bei einer Drehleiter geht dies so nicht“, erklärt er.

Wichtig für den Einsatzerfolg sei jedoch, dass in den Gassen nur auf den dafür vorgesehenen Parkplätzen geparkt wird, macht er nochmals deutlich. Dies werde täglich vom Vollzugsdienst des Ordnungsamtes überwacht. Bei den wöchentlichen Übungen der Einsatzabteilung Rottweil, immer donnerstags, werde ebenfalls darauf geachtet. Zuletzt sei die Befahrbarkeit der Innenstadt beim Abendmarkt getestet worden.

Was können die Bürger noch tun, um derlei Katastrophen vorzubeugen?

„Die Anwohner können helfen ein Feuer schneller zu erkennen, indem sie Rauchmelder in ihren Wohnungen, insbesondere den Schlafräumen und im Flur, der davon wegführt, installieren“, rät der Stadtbrandmeister. Nach der Landesbauordnung müssten diese Geräte überall vorhanden sein, die Erfahrung zeige aber, dass immer noch viele Menschen keine solchen Lebensretter in ihren Wohnungen montiert hätten, bedauert Frank Müller.

Was tun wenns brennt?

Und was ist zu tun, wenn es dann doch mal brennt?

„Bei einem entdeckten Feuer ist unverzüglich die Feuerwehr über den Notruf 112 zu verständigen!“, betont Müller.

Zum Faktor Zeit sei zu sagen, dass das erste Löschfahrzeug der Feuerwehr zehn Minuten nach der Alarmierung durch die ILS am Einsatzort eingetroffen sein muss. So stehe es in den Hinweisen zur Leistungsfähigkeit der Feuerwehren in Baden-Württemberg geschrieben. Hierauf habe der Bürger einen Anspruch und jede Kommune habe ihre Feuerwehr so zu organisieren, dass diese Zeit auch eingehalten werde.

„Ebenfalls von zeitlichem Vorteil ist es, wenn der Einsatzleiter sehr schnell vor Ort ist, um sich ein Lagebild zu verschaffen, um entweder früh nachalarmieren lassen zu können, oder die Dringlichkeit bei eventuell kleineren Szenarien rausnehmen zu können“, informiert Frank Müller, der dennoch hofft, dass es in Rottweil nie zu solch einem Szenario kommt.