Geislinger Feuerwehrleute haben im Prozess wegen der Brandserie im vergangenen Sommer über die damaligen Einsätze berichtet.
Mit dem vierten Verhandlungstags wurde der Prozess wegen der Brandstiftungen bei Geislingen fortgesetzt. Vor der Ersten Große Strafkammer des Landgerichts sagten fünf Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr als Zeugen aus.
Der Geislinger Abteilungskommandant war bei vier Alarmierungen im Einsatz, auch am 13. Juni an einem Stall im Emertal: „An der Halle war nicht mehr viel zu retten“, berichtete er. Man habe gewusst, dass darin Tiere untergestellt waren. Als er und seine Kameraden eintrafen, waren diese aber schon im Freien – und der Stall brannte lichterloh.
Der vordere Teil sei schon verloren gewesen und brach bald in sich zusammen. Man habe sich beim Löschen auf den hinteren Teil konzentriert. Einige Heuballen schaffte man zur Seite, damit nicht auch noch diese Feuer fingen.
Feuerwehr konzentriert sich auf Brandbekämpfung
Eine Video-Aufnahme zeigt die Feuerwehrleute vor dem in sich zusammengestürzten Stall. Der filmende Polizist geht um das von roter Glut und züngelnden Flammen erhellte Gelände.
Am Ende der Aufnahme sind in Großaufnahme schwarze Spuren im Gras zu erkennen: Ein Hinweis auf eine mögliche Brandstiftung?
Um die Ursache des Feuers, verdeutlichten der Zeuge und später übereinstimmend auch seine Kameraden, kümmerten sich die Feuerwehrleute während des Einsatzes jedoch nicht: Man konzentriere sich da ganz auf die Löscharbeiten.
Bei zwei Bränden konnte die Feuerwehr nichts mehr retten
Nach ihm sagte der Kommandant der Geislinger Gesamtfeuerwehr aus. Gefahr für Leib und Leben habe bei den Einsätzen nicht bestanden, antwortete er auf eine Frage des Vorsitzenden Richters. „Es ging um die Sachwerte, vor allem landwirtschaftliche Fahrzeuge und Geräte.“
Beim zweiten und dritten Brand, im Emertal und an der Isinger Straße, sei nichts mehr zu machen gewesen, obwohl die Feuerwehrleute rasch da waren: Drei bis fünf Minuten dauerte es laut dem Kommandanten von der Alarmierung bis zum Eintreffen. „Das geht bei uns ziemlich schnell.“
„Wir Feuerwehrleute sind mit der Hose ins Bett.“
Ein dritter Mann der Abteilung verdeutlichte die Geschwindigkeit und Intensität des Feuers am 20. Juni. In jener Nacht rückte er mit dem Löschfahrzeug als einer der ersten zu der Lagerhalle gegenüber dem „Herrgottshäusle“ an.
Bereits auf der Anfahrt habe er den Vollbrand gesehen: „Es war nichts mehr zu retten.“
Aufgrund der Brände zuvor, der ähnlichen Uhrzeit und des gleichen Wochentags habe man eine Vorahnung gehabt – „Wir Feuerwehrleute sind zu der Zeit mit der Hose ins Bett.“ – und gleich vermuten können, dass auch dieser absichtlich gelegt worden war. Ein Feuer dieser Schnelligkeit und Stärke könne zudem nur durch Brandstiftung entstanden sein, betonte der Zeuge und beschrieb: „Die Hitzeentwicklung war extrem.“
Brennende Reifen platzen durch die Hitze
Brennende Reifen und Treibstoff der in der Halle abgestellten Fahrzeuge führten dem Feuer große Energie zu. Mit dem Löschangriff konnte man nur wenig ausrichten: „Das war wirkungslos“.
Gefährlich hätte die Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach werden können. Der vierte befragte Feuerwehrmann kannte das Gebäude aber, wusste wo der Wechselrichter hing und wo man aufpassen musste.
Er berichtete auch: Schon beim Ausrücken habe er – aus einigen 100 Metern Entfernung – den Knall durch die Hitze platzender Traktorreifen gehört. Die Halle brannte bis auf das Tragwerk und eine Blechwand nieder. Nur Gegenstände aus Metall blieben übrig.
Man sah, dass „nachgeholfen“ wurde
Bei der Befragung dieses vierten Zeugen ging es vor allem um die beiden letzten Brände an einer Halle am Feldweg in Verlängerung der Hubertstraße. Dort habe man erkennen können, „dass nachgeholfen wurde.“
Wäre die Feuerwehr am 4. Juli nicht schnell vor Ort gewesen, hätte das Feuer an einem Stapel Paletten voller Pflastersteine auf einen Baum und die Halle daneben übergegriffen, ist sich der Zugführer sicher. Zwischen den mit Plastikbahnen abgedeckten Paletten und der Wand war kaum mehr als ein Meter Abstand.
Ein Meter zwischen Holzwand und brennendem Palettenstapel
Die Paletten hätten nur einen kleinen Anteil Holz gehabt, der Stapel trotzdem schon komplett gebrannt, als die alarmierte Wehr anrückte. Es habe viel Wasser gebraucht, um das Feuer auszubekommen.
Fotos zeigen die Brandbekämpfung in jener Nacht: Mit Wasser wurden Wand und Baum besprengt, damit die Hitze nicht übergreifen konnte.
Beim zweiten Versuch des „Feuerteufels“ brannte die Holzfassade an der Rückseite der Halle: „Es ist offensichtlich gewesen, dass da jemand etwas hingeleert hat.“
Schnelles Handeln rettet das letzte Zielobjekt
Diese Beobachtung bestätigte der fünfte Zeuge, der als Gruppenführer am 4. Juli im Einsatz gewesen ist. Mit dem Löschfahrzeug fuhr er hinter das Gebäude, wo die Wand in Flammen stand: „Man hat schon nach innen gesehen.“
Die Verhandlung gegen den geständigen Angeklagten wird am Dienstag, 4. März, fortgesetzt. Dann sollen die letzten Zeugen und der psychiatrische Gutachter befragt werden, Staatsanwältin und Verteidiger sollen plädieren und auch das Urteil könnte bereits fallen.