Bauträger Altera verspricht, die Baubrache an der Hammerschmiedgasse in Fahrnau aus dem Dornröschenschlaf zu wecken. Nicht alle indes sind überzeugt, dass es nun vorangeht.
Knapp 100 neue Wohnungen, zu hundert Prozent sozial gefördert und somit für günstigen Mietzins, in familientauglicher Größe und barrierefrei. Dazu eine eigene Kita fürs neue Quartier sowie Renaturierung und Aufwertung des Gewerbekanals: Die Zukunftsvision für das ehemalige Weberei-Areal zwischen Hammerschmiedgasse und Hauptstraße in Fahrnau klingt rundum perfekt.
Was bisher (nicht) geschah
Indes: Seit das Projekt 2019 von Bauträger Altera zum ersten Mal im Rathaus vorgestellt wurde und 2021 das Licht der weiteren Öffentlichkeit erblickt hat, sind Jahre ins Land gezogen, in denen die prominent gelegene Baubrache als wildwuchernder Urwald das Fahrnauer Dorfbild prägt. Glaubt man den Zusagen des Bauträgers in der jüngsten Gemeinderatssitzung, soll sich das nun endliche ändern.
2021 hatte der Gemeinderat der nötigen Änderung und Aufstellung von Bebauungsplänen zugestimmt – den Bauträger bei den konkreten Plänen allerdings mehrfach nacharbeiten lassen, etwa in Sachen Gebäudehöhe (geplant: mehr als 18 Meter) und Einfügen der drei Wohnblöcke in die Umgebung.
Allerdings: Seit es hier Ende 2021 schließlich das Okay von Seiten des Gemeinderats gab, herrscht von Alteras Seiten weitgehend Funkstille – bis jetzt: Im Mai reichte das Unternehmen aktualisierte Pläne ein. Für die Stadt war das nun Anlass, den nötigen städtebaulichen Entwurf voranzutreiben. Der Gemeinderat billigte diesen bei zwei Enthaltungen.
Was beschlossen wurde
Auf dieser Grundlage wird nun auch ein städtebaulicher Vertrag zwischen der Stadt und Altera erarbeitet, in dem festgeschrieben ist, „wer welche Aufgaben übernimmt und wer die Kosten trägt“, wie die Stadt in ihrer Vorlage schreibt. Konkret geht es um die skizzierten Eckdaten, etwa Mindestanteil an sozialem Wohnraum, Kindertagesstätte oder Gewerbekanal.
Was ist geplant?
In der Gemeinderatssitzung Anfang der Woche stellte Altera-Chef Eduard Stumpf die Pläne nochmals in ihren Grundzügen und einigen Visualisierungen vor: Drei große Gebäude rund um einen Innenhof, 97 Wohnungen überwiegend mit zwei, drei oder vier Zimmern, und zu hundert Prozent (statt den geforderten 50 Prozent) sozial gefördert. Um die Wohnblocks mit einer Höhe von nun knapp 15 Metern und bis zu 70 Metern Länge weniger massiv wirken zu lassen, arbeite man bei den Fassaden mit Klinker und Farbstrukturen. Platz für die Kita soll im Erdgeschoss eines der Gebäude reserviert werden. Mit Geothermie, PV-Anlagen und Dachbegrünung würden die Pläne den Standards in Sachen Nachhaltigkeit vollauf gerecht. „Wir haben die Aufgabe maximal erfüllt“, zeigte sich Stumpf überzeugt.
Wie ist der Zeitplan?
Mit Blick auf den Zeitplan gab Stumpf sich ambitioniert: „Ein Baubeginn im Winter ist möglich“ – sofern die Übrigen Beteiligten mitzögen. Als möglichen Stolperstein führte er die für die Wohnbauförderung zuständig L-Bank ins Feld, deren Bearbeitungszeiten bei bis zu einem halben Jahr lägen. Ohne deren Zusage indes „dürfen wir auf dem Grundstück keinen Stein bewegen“. Die Bauzeit selbst veranschlagte Stumpf auf etwa 36 Monate.
Dicke Fragezeichen
Der Technische Beigeordnete Thomas Schmitz indes setzte hier ein dickes Fragezeichen. Bis zur Baureife des Projekts, gebe doch noch so einiges zu klären – und mit Blick auf die bisherigen Erfahrungen sei die Bearbeitungszeit der L-Bank vermutlich das geringste Problem. „Ich erwarte, dass Sie das Projekt jetzt konsequent durchführen und dass zeitnah der Bagger rollt“, wurde Hildegard Pfeiffer-Zäh (Freie Wähler) deutlicher.
Greifbares Misstrauen
Das greifbare Misstrauen aus Gemeinderat und Verwaltung kommt nicht von ungefähr, und nicht allein aus Schopfheimer Erfahrung: Altera hat mehrere Baustellen im Landkreis, auf denen es zäh bis gar nicht läuft. Ein kleineres Projekt am Schopfheimer Adler-Kreisel immerhin hat in jüngerer Fortschritte gemacht - ist aber ebenfalls weit von einer Fertigstellung entfernt. (Transparenzhinwes: In der ursprünglichen Version dieses Text stand, dass das Projekt am Adler-Kreisel fertiggestellt sei. Das ist allerdings nicht der Fall.)
Eduard Stumpf konterte und verwies auf die nicht allein für die Baubranche schwierige wirtschaftliche Lage. Man spreche hier von einem 50-Millionen-Euro-Mammutprojekt – Geld, das sein Unternehmen erwirtschaften müsse und sich nicht einfach von der Bank oder aus der Staatskasse holen könne, wie er anmerkte.
Gemeinderat Wünsch verwies darauf, dass weder Schule noch Kindergarten in Fahrnau auf ein neues Quartier mit vielen Familien ausgelegt seien. Altera-Rechtsanwalt Matthias Müller beruhigte zum einen dahingehend, dass 100 Wohnungen keineswegs gleichbedeutend seien mit 100 neuen Familien. Zugleich gelte: Wenn in einer Stadt der beständig eingeforderte Wohnraum entstehe, habe das natürlich Auswirkungen auf Kindergarten und Schule als klar öffentliche Aufgabe. „Als Bauträger kommen wir Ihnen gerne entgegen“, so Müller, „alles können wir Ihnen aber nicht abnehmen.“
Schützenhilfe kam hier von Grünen-Stadträtin Gisela Schleith: Man könne als Stadt kaum dauernd nach mehr Wohnraum rufen, ein entsprechendes Projekt dann aber unter Verweis auf fehlende Kita- und Schulplätze blockieren.