Erstmals kann der Supermittelgewichtler aus Stuttgart nicht zu einem Kampf antreten: Dennoch sind die Chancen von Simon Zachenhuber auf ein WM-Duell gestiegen.
Eigentlich hatte sich Simon Zachenhuber (27) auf ein ganz spartanisches Weihnachtsfest eingestellt. Ohne üppiges Essen und süßes Gebäck, dafür mit hartem Training. Doch dann kam alles ganz anders.
Der Supermittelgewichtler, der seit acht Jahren in Stuttgart lebt, bereitete sich auf seinen Kampf am 10. Januar in Oberhausen vor, als er sich im letzten Sparring vor den Feiertagen bei einem Schlag gegen den Kopf seines Gegners die linke Hand schwer verstauchte. „Schöner Mist, das war maximal blöd. Ich bin total frustriert“, sagt Simon Zachenhuber, „ich will nichts riskieren, muss auf meinen Körper hören und die Hand zwei bis drei Wochen schonen. Es ist total ärgerlich – aber ich musste zum ersten Mal in meiner Karriere einen Kampf verletzungsbedingt absagen.“
Simon Zachenhuber: „Aufbruchstimmung liegt in der Luft“
Das schmerzte umso mehr, weil in Oberhausen, wo der Schwergewichtler Agit Kabayel (33) der Hauptkämpfer sein wird, eine Box-Großveranstaltung stattfindet. Die 13 000 Karten waren innerhalb von fünf Tagen verkauft, derzeit blüht der Zweitmarkt. „Ich wollte dort unbedingt dabei sein“, sagt Simon Zachenhuber, „so einen Kampfabend gab es in Deutschland seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Es liegt im Boxen eine Aufbruchstimmung in der Luft.“
Ein Trost war, dass es sich Simon Zachenhuber („Es ist eine typische Boxer-Verletzung, von der ich bisher verschont geblieben bin“) nach der Absage leisten konnte, Weihnachten bei seiner Familie in Erding zu verbringen, dort das eine oder Putenschnitzel mehr zu essen und auch einige der insgesamt 29 Plätzchen-Sorten seiner Mutter zu probieren. Positiv stimmte ihn zudem auch die Perspektive für 2026.
Ein Großer tritt ab – und Simon Zachenhuber könnte davon profitieren
Denn Terence Crawford (38), einer der Superstars des Profiboxens, hat nach 42 Siegen in 42 Kämpfen offiziell das Ende seiner Karriere verkündet. Der US-Amerikaner, der vom Fachmagazin „The Ring“ seit fast einem Jahrzehnt ununterbrochen zu den fünf besten Boxern weltweit gezählt wird, hielt seit seinem spektakulären Sieg über Saul Camelo Alvarez (Mexiko) die WM-Titel im Supermittelgewicht bei den vier großen Verbänden WBA, WBC, WBO und IBF. Bei zweien davon steht Simon Zachenhuber in der Rangliste unter den besten zehn, weshalb er seinem Ziel, irgendwann um einen WM-Gürtel zu boxen, durch den Rücktritt von Terence Crawford erheblich näher gekommen ist. „Alle vier Titel sind vakant, folglich wird es zu einer erheblichen Rotation kommen“, sagt der Wahl-Stuttgarter, der alle seine 28 Duelle gewonnen hat, „die Wahrscheinlichkeit auf einen großen Kampf ist enorm gestiegen. Ich rechne damit, dass ich im nächsten Jahr eine WM-Ausscheidung oder einen WM-Kampf bekommen werde.“
Bis dahin heißt es, wieder fit zu werden. Und nahe dranzubleiben an den Entscheidern. Deshalb wird Simon Zachenhuber trotz seiner Absage in Oberhausen dabei sein – als Experte vor und hinter der Kamera. „In Deutschland wird das Interesse am Boxen größer und größer“, sagt er, „ich will meinen Beitrag leisten, dass dies so bleibt.“ Nun halt ausnahmsweise mal nicht im Ring.