Der Ex-Weltmeister im Cruisergewicht hält sich weiterhin fit – und kümmert sich ansonsten um die Karriere nach der Karriere, die selbstverständlich viel mit Boxen zu tun hat.
Fit ist Firat Arslan (55) immer noch. Topfit sogar. Der Ex-Weltmeister im Cruisergewicht, der sich vor zwei Jahren mit einem Sieg gegen Edin Puhalo in Göppingen von seinen Fans verabschiedet hat, lebt weiterhin wie ein Profiboxer. Er ist bestens trainiert, wiegt sein Essen ab, achtet auf sich und seinen Körper. Dementsprechend beantwortet er die Frage, ob er ein Comeback ausschließen würde, nicht eindeutig. Nur so viel sagt er: „Sportlich habe ich alles erreicht, was ich erreichen konnte.“ Weshalb er sich längst mit aller Kraft anderen Projekten widmet.
Seit fünf Jahren betreibt Firat Arslan in Göppingen seine eigene Sportschule, in der aktuellen Kundenkartei stehen rund 400 Namen. Darunter sind 20 junge Athleten, die zu Wettkämpfen in den Ring steigen, weshalb er auch noch einen Boxverein gegründet hat. Zudem ist er ein gefragter Redner, der immer wieder von Firmen für Impuls- und Motivationsvorträge gebucht wird. „Beruflich läuft es sehr gut“, sagt Firat Arslan, der sich schon immer auf seine Cleverness und seinen geschäftlichen Weitblick verlassen konnte, „ich bin sehr zufrieden.“ Aber offenbar (noch) nicht ausgelastet.
Firat Arslan hat 500 Leute auf der Warteliste
Nachdem der frühere Cruisergewichtler sieben Boxabende ausgerichtet hat, bei denen er selbst der Hauptkämpfer war, organisiert er nun erstmals eine Veranstaltung, bei der er lediglich als Promoter auftritt. Die Ausgaben für die Kampfnacht an diesem Samstag in der Göppinger Lambert-Arena bewegen sich im sechsstelligen Bereich, weshalb Firat Arslan sehr froh ist, dass die Kartennachfrage enorm war. Ohne Werbung zu machen, gingen die 700 Tickets in kürzester Zeit weg. „Ich habe noch 500 Leute auf der Warteliste“, sagt Firat Arslan, „obwohl wir die Veranstaltung in nur sechs Wochen auf die Beine stellen mussten, haben wir sehr viel bewegt.“ Das zeigt auch ein Blick auf die insgesamt 14 Duelle, die live auf dem Streamingdienst DAZN zu sehen sein werden.
In gleich zwei Kämpfen geht es um WM-Gürtel. Sarah Scheurich, viele Jahre lang eine der besten Amateurboxerinnen Deutschlands, trifft in ihrem sechsten Profieinsatz auf die Neuseeländerin Lani Daniels, die Weltmeisterin des Verbandes IBF im Halbschwergewicht. Im Schwergewicht der Männer stehen sich Temur Mamoyan und Djuar El Scheich gegenüber, es geht um die Gold World Championship der WBA, eine Art Unter-WM des Verbandes, der sehr gut darin ist, immer wieder neue Titelkategorien zu erfinden. „Das ändert aber nichts daran, dass dies sehr interessante Kämpfe sind“, sagt Firat Arslan – der parallel dazu jungen Talenten die Chance gibt, sich zu präsentieren.
Firat Arslan fördert Boxtalente
In Emir Keçeci, Samuel Oduro Mensah und Melih Kalayci bestreiten gleich drei Nachwuchskräfte aus dem Boxverein von Firat Arslan in der Lambert-Arena ihre ersten Auftritte als Profis. „Ich habe Jungs bei mir, die über sehr gute Anlagen verfügen und die ich fördern möchte. Ich stehe ihnen mit Rat und Tat zur Seite“, sagt der frühere Weltmeister, „ich finde es absolut spannend, sie dabei zu verfolgen, wie sie ihre ersten Schritte gehen.“ Auch, weil dabei schöne Erinnerungen hochkommen.
Am 25. Januar 1997 hat Firat Arslan sein Debüt als Profiboxer gegeben, im Maritim-Hotel in Stuttgart schlug er Zsolt Janko – bei einer Veranstaltung, die ihm nicht nur deshalb für immer im Gedächtnis bleiben wird. Im Vorprogramm boxten außer ihm selbst auch noch Vitali und Wladimir Klitschko sowie Juan Carlos Gomez, den Hauptkampf bestritt Hacine Cherifi. „Im Rückblick ist das unfassbar: Das waren gleich fünf spätere Weltmeister“, sagt Firat Arslan, „heute wäre so eine Fightcard undenkbar.“ Auch er selbst hat nicht das Ziel, als Promoter die Boxwelt auf den Kopf zu stellen: „Ich will kein zweiter Don King oder Eddie Hearn werden. Ich möchte den deutschen Boxsport unterstützen, gute Veranstaltungen organisieren und den Leuten, die sich einen Namen machen möchten, eine Plattform dafür bieten.“ Bleibt nur noch die Frage nach dem eigenen Comeback.
Nach dem Abschied vor zwei Jahren in Göppingen hat Firat Arslan, ohne groß Aufhebens zu machen, jeweils im Abstand von zwölf Monaten zwei weitere Kämpfe bestritten und gewonnen. Damit bleibt er in einigen Weltranglisten, die von den Verbänden geführt werden, weiterhin vertreten – verbunden mit der Option, zurückkehren zu können. Für ein Duell, das sagt Firat Arslan ganz offen, würde er auf jeden Fall noch einmal in den Ring steigen: Ein Kampf gegen den Schauspieler, Influencer und Youtube-Star Jake Paul, der vor einem Jahr Mike Tyson bezwungen hat und am 19. Dezember in Miami gegen Anhony Joshua – einen weiteren Ex-Weltmeister im Schwergewicht – antreten wird, würde ihn vor allem deshalb reizen, weil es bei dessen Auftritten stets um eine zweistellige Millionenbörse geht. „Einen anderen Kampf“, sagt Firat Arslan mit einem Lachen, „brauche ich nicht mehr.“