Kurzes Duell: Der Kampf zwischen dem hochüberlegenen Ardian Krasniqi (li.) und Saul Ivan Male dauerte nur eine Runde. Foto: Baumann/Julia Rahn

Der Halbschwergewichtler Ardian Krasniqi hat einen prominenten Namen und großes Potenzial, das er aber bislang noch nicht zeigen musste – auch nicht in seinem zehnten Kampf in der Ludwigsburger MHP-Arena.

Der Weg nach oben ist im Boxen nicht nur ziemlich verästelt, da jeder der vier großen Verbände eine eigene Rangliste führt, sondern auch weit. Folglich ist es wichtig, Schritt für Schritt zu gehen. Ardian Krasniqi (28) tut das, in hohem Tempo. Am Samstag veranstaltete die Primetime Promotion, die extra gegründet worden ist, um den Rottweiler nach vorne zu bringen, in der Ludwigsburger MHP-Arena ihren ersten großen Boxabend. Rund 2800 Zuschauer hatten vom Hauptkampf nicht viel: Krasniqi schlug Saul Ivan Male schon am Ende der ersten Runde zu Boden. „Es war ein super Gefühl, vor diesem Publikum im Ring zu stehen“, sagte der Sieger, „doch sportlich ist es nur eine Zwischenstation gewesen.“ Oder eher ein Stillstand?

 

Hinterher waren sich alle einig: Wer weiterkommen und sich entwickeln will, benötigt stärkere Gegner. Saul Ivan Male boxte das erste Mal außerhalb von Kampala, der Hauptstadt Ugandas. Er hatte zwar eine gute Bilanz (9 Siege, 1 Punktniederlage), aber beim Wiegen auch vier Kilogramm zu viel auf den Rippen für einen Halbschwergewichtler (bis 79,3 kg). Der Kampf fand trotzdem statt, war aber schnell vorbei. Male, einen Kopf kleiner und alles andere als austrainiert, kapitulierte nach der ersten harten Rechten seines Gegners. Nach seinem zehnten vorzeitigen Sieg im zehnten Kampf meinte Krasniqi: „Das frühe Ende tut mir leid, aber so ist es eben, wenn man gegen mich boxt. Ich bin für diesen Sport geboren, will mich mit den Stärksten messen.“

Der Gewinn des Intercontinental-Gürtels des Verbandes WBO, der Male als Kontrahent für den Titelkampf bestätigt hatte, wird ihn in der Rangliste weiter nach vorne bringen, und trotzdem steht der Neffe des früheren Schwergewicht-Champions Luan Krasniqi erst am Anfang. „Der Schlag hat gesessen, er hat dem Druck standgehalten“, sagte der prominente Onkel, „noch fehlt Ardian die Erfahrung, in einem Kampf über die Runden gehen zu müssen, er braucht bessere Gegner. Klar ist, dass er alles erreichen kann.“ Das denkt auch Firat Arslan, der Ardian Krasniqi von klein auf kennt. „Er hat alles richtig gemacht, war sehr konzentriert. Diese Rechte hätte jeden fällen können“, sagte der Ex-Weltmeister im Cruisergewicht, „er hat viel Potenzial, eine große boxerische Intelligenz. Ich traue ihm zu, Weltmeister zu werden.“

Wie stark ist Ardian Krasniqi wirklich?

Auch Krasniqis Trainer war zufrieden, schließlich hat der Rottweiler in der intensiven Vorbereitung unübersehbare Fortschritte gemacht. „Stärkere Gegner“, sagte Valentin Silaghi, der einst auch Luan Krasniqi und Firat Arslan betreute, „kommen automatisch.“ Wie Ardian Krasniqi sich dann schlagen wird? Ist schwer zu prognostizieren.

Der erfahrene Coach Conny Mittermeier, dessen Stuttgarter Schützling Altin Zogaj im Halbschwergewicht in Ludwigsburg Joseph Maigwisya aus Tansania einstimmig nach Punkten bezwungen hatte, betrachtete den Kampfabend mit viel Realismus. „Ein Gegner, der körperlich dermaßen unterlegen ist, bringt einen ambitionierten Boxer nicht weiter. Da hilft ein gutes Sparring mehr“, meinte Mittermeier, „Ardian Krasniqi war sehr gut in Form, der Sportler kann ja nichts für die Auswahl seines Kontrahenten. Es ist schade und auch etwas enttäuschend, wenn man acht Wochen super trainiert hat und dann im Hauptkampf der eigenen Veranstaltung jemanden wie Male vorgesetzt bekommt.“Allerdings gehört auch das dazu bei Boxern, die sich nach oben durchschlagen möchten.