Tyson Fury (re.) hat Deontay Wilder im Februar 2020 bereits besiegt. Foto: AFP/JOHN GURZINSKI

Der Box-Weltmeister Tyson Fury tritt in den USA erneut gegen Deontay Wilder an. Für den 2,06 Meter großen Hünen soll dies aber nur ein Zwischenschritt sein: Er will im „Battle of Britain“ gegen Anthony Joshua ran.

Stuttgart/Paradise - Ihr Ort der Begegnung im Ring nennt sich Paradise – und liegt unmittelbar vor den Toren von Las Vegas. Geht es allerdings nach dem „Gypsy King“, dem 2,06 Meter großen Engländer Tyson Fury, dann wird die gemeinsame Boxnacht in der T-Mobile-Arena am südlichen Ende des Las Vegas Strip für seinen Rivalen Deontay Wilder eine schmerzhafte und beileibe keine paradiesische Angelegenheit. „Ich werde ihn in Stücke hauen“, kündigt der WBC-Weltmeister im Schwergewicht gewohnt großmäulig an – und ergänzt: „Du musst schon neu geboren werden, Deontay, um mich zu schlagen!“

 

Fury gegen Wilder – das ist an diesem Sonntagmorgen (5 Uhr deutscher Zeit/DAZN) bereits die dritte Auflage eines Duells zweier bemerkenswerter Boxer. Da ist zum einen Fury, der im Vorfeld wie gewohnt jede Menge Blödsinn verkündet. „Ich bin zu einer Million Prozent fit“, erklärte der 33-Jährige etwa auf der Pressekonferenz einige Wochen vor dem Kampf beim Anblick seines beachtlichen Hüftspecks. Denn Fury („Ich bin der Traum eines jeden Promoters“) hatte sich auf der Bühne gleich seines Sakkos und des Oberhemdes entledigt – und hatte mit freiem Oberkörper als Schattenboxer ein paar imaginäre Finsterlinge vermöbelt.

Der Sieg über Wladmimir Klitschko

Doch boxerisch sollte niemand den Hünen aus Manchester unterschätzen, der in seinen 13 Jahren als Profi in bisher 31 Kämpfen ungeschlagen ist. Tyson Fury hatte mit psychischen Problemen, mit Depressionen zu kämpfen. „Meine mentale Gesundheit ist der härteste Kampf, den ich austragen musste“, sagte der Familienvater vor sechs Jahren, nachdem er im November 2015 in Düsseldorf mit einem klaren Punktsieg die Regentschaft des Wladimir Klitschko beendet hatte. „Das würde ich nicht meinem schlimmsten Feind wünschen. Es ist fürchterlich.“

Tyson Fury wog zwischenzeitlich mal 180 Kilogramm. Er ist in guten Zeiten aber auch ein Showman von beachtlicher Qualität, der etwa nach seinen Kämpfen im Ring stets ein Liedchen singt. Doch vor allem hat Fury das Boxen von der Pike auf gelernt. So lässt der König im Schwergewicht die Fäuste fliegen wie ein Cruisergewichtler – und besitzt dabei doch eine überwältigende Physis. Daher hatte etwa sein deutscher Gegner Tom Schwarz im Juni 2019 keine Chance, als er vom „Gypsy King“ nach nicht mal zwei Runden mit stark blutender Nase heimgeschickt wurde.

Wilder zieht den Kürzeren

Deontay Wilder, 31, wird Fury also auf keinen Fall unterschätzen. Schließlich verlor das Muskelpaket aus Georgia das zweite Duell der beiden im Februar 2020, als er in Runde sieben völlig ausgepumpt mit geschwollenen Augen in den Seilen hing – und das Handtuch aus seiner Ecke geflogen kam. Im ersten Duell hatte es 2018 ein gerechtes Unentschieden gegeben, als Fury zwar zweimal am Boden war – aber ansonsten seinen Gegner klar dominierte.

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„Deontay Wilder besitzt die beste Einzelwaffe in der gesamten Boxwelt“, sagt der amerikanische ESPN-Experte Joe Tessitore: „Und zwar eine gewaltige Rechte gefüllt mit TNT.“ Tatsächlich hatte der vor den Duellen mit Fury ungeschlagene Amerikaner stolze 41 seiner 42 Kämpfe per Knock-out gewonnen. Doch die erste Niederlage der Laufbahn hat Wilder zu schaffen gemacht. So sagte er auf der Pressekonferenz kein Wort und behielt selbst beim Stare-down, wenn sich die Kämpfer Auge in Auge gegenüberstehen, seine Kopfhörer auf.

Das Ziel: Der Kampf gegen Anthony Joshua

Ginge es nach Tyson Fury, würde der sowieso lieber gegen den Landsmann Anthony Joshua im epischen „Battle of Britain“ um sämtliche vier WM-Gürtel im Schwergewicht antreten. Damit der Kampf kommt, müsste neben Fury aber auch der entthronte Joshua seinen Rückkampf im Frühjahr 2022 gegen Alexander Usyk gewinnen. Im ersten Duell gegen den Ukrainer stand AJ komplett auf verlorenem Posten – und hat die Titel der WBA, IBF und WBO verloren.

Doch jetzt bietet ihm Tyson Fury Hilfe an. „Ich werde Anthony trainieren und ihm beibringen, wie ein Mann zu kämpfen“, tönte der „Gypsy King“: „Dann wird er gegen Usyk zu hundert Prozent gewinnen.“

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