Ventilatorenhersteller EBM Papst setzt 2024 wegen der Konjunkturschwäche weniger Ferienarbeitskräfte ein. Foto: EBM Papst

Wer noch einen Ferienjob bei Bosch, Mercedes, Stihl & Co ergattern will, muss sich sputen. Wo es noch Jobs gibt, welche Voraussetzungen zu erfüllen sind und wer am besten zahlt.

Viele Schüler und Studenten nutzen die Sommerferien, um zu arbeiten und ihre Kasse aufzubessern. Gut bezahlte Jobs in der Industrie sind besonders begehrt. Doch in diesem Jahr schlägt die Konjunkturflaute teils auf die Ferienjobs durch. Firmen wie Bosch, Stihl, Daimler Truck oder EBM- Papst stellen 2024 weniger Aushilfskräfte für den Sommer ein, wie eine Umfrage unserer Zeitung zeigt. Gute Karten haben Ferienjobber auch im Handel und bei der Post.

 

Wie viele Ferienjobs gibt es noch?

Technologiekonzern Bosch rechnet diesen Sommer mit rund 1100 Ferienbeschäftigten im Großraum Stuttgart einschließlich der Standorte Schwäbisch Gmünd und Reutlingen. Einige Standorte hätten ihre Planungen noch nicht abgeschlossen, um auf kurzfristige Veränderungen reagieren zu können. Tendenziell erwarte man einen leichten Rückgang, sagt eine Bosch-Sprecherin. Autobauer Mercedes nennt keine Zahlen. Man stelle auch in diesem Jahr wieder bedarfsorientiert Ferienbeschäftigte in den Werken ein. Bei Daimler Truck liege die Zahl der angebotenen Ferienjobs 2024 unter der vom letzten Jahr, sagt ein Sprecher des Lkw-Herstellers. Auch Motorsägenhersteller Stihl vergibt Ferienjobs. „Allerdings nicht in der Menge wie in den vergangenen Jahren, sondern etwa die Hälfte“, sagt eine Sprecherin. In den Waiblinger Werken werden es im Produktions- und Logistikbereich etwa 80 Ferienjobber sein. Auch beim Esslinger Maschinenbauer Festo haben Ferienjobber noch Chancen, auch wenn das Recruiting schon begonnen habe, wie ein Sprecher sagt. Ähnlich ist das beim Zulieferer Mahle, wo es beispielsweise noch Ferienjobs in Stuttgart Bad Cannstatt gibt.

Vergeben dagegen sind die Ferienjobs bereits beim Reinigungsspezialisten Kärcher aus Winnenden und EBM-Papst. Der Mulfinger Ventilatorenspezialist plant in diesem Jahr „aufgrund der aktuell schwächeren Konjunktur in Europa sowie der Unsicherheiten im deutschen Heiztechnikmarkt“ für diesen Sommer mit einem geringeren Bedarf an Ferienarbeitskräften „im mittleren zweistelligen Bereich“. In den vergangenen Jahren waren dagegen jeweils rund 350 Ferienarbeitskräfte als Urlaubsvertretung im Sommer im Einsatz, so ein Sprecher.

In welchen Bereichen gibt es Ferienjobs?

Das ist ganz unterschiedlich – von der Logistik über die Montage bis zur Produktion, manchmal sind es auch Tätigkeiten im kaufmännischen Bereich, im Personalwesen oder in der Werkstofftechnik. Bei Daimler Truck und Mercedes reichen die Jobs von der Arbeit am Band bis zum Einsatz in der Gastronomie oder im Kundencenter.  Bei Festo werden Ferienarbeiter etwa in der Fertigung, der Montage und im Logistikbereich in der Technologiefabrik Scharnhausen benötigt.

Kann man sich noch bewerben, und was muss man beachten?

Auch wenn bei Bosch, Mercedes & Co. schon etliche Ferienjobs vergeben sind, können sich Interessenten noch über die Webseiten der Unternehmen bewerben. Offene Stellen sind dort ausgeschrieben oder Kontakte für Initiativbewerbungen angegeben. Wie ein Blick auf die Mercedes-Internetseite zeigt, gibt es für Sommer noch offene Stellen für Ferienjobber in Sindelfingen, Untertürkheim und Rastatt. Wer einen Ferienjob ergattern will, muss Schüler oder Schülerin sein, studieren oder sich in der Übergangszeit zwischen Schule und Ausbildung, Studium, weiterführender Schule, Bundesfreiwilligendienst oder freiwilligem Wehrdienst befinden und sollte eine entsprechende Bescheinigung vorlegen. Bewerber und Bewerberinnen sollen den gewünschten Einsatzzeitraum angeben und einen Lebenslauf beifügen, sagt ein Mahle-Sprecher. Die meisten Unternehmen nennen ein Mindestalter von 18 Jahren. Das liegt am Schichteinsatz, der im gewerblichen Bereich häufig vorkommt. Je nach Einsatzbereich kann auch ein Staplerführerschein von Vorteil sein. Die Beschäftigung sei standortabhängig, mindestens drei bis acht Wochen, heißt es etwa bei Mercedes.

Was können Ferienjobber in der Industrie verdienen?

In den meisten Unternehmen ist von einem „branchenüblichen Gehalt“ die Rede. Bei Bosch etwa variiert die Vergütung individuell je nach Tarifeinheit, Aufgabengebiet, Arbeitszeit und möglichen Schichtzulagen. Auch bei Mercedes ist die Vergütung abhängig vom Einsatzbereich. Das Pauschalentgelt in der Produktion betrage rund 2900 Euro brutto monatlich, bei Schichtarbeit könnten Zuschläge hinzukommen, sagt eine Sprecherin. Bei Daimler Truck bekommen Ferienbeschäftigte rund 2700 brutto, bei Mahle entsprechend dem Metalltarif rund 2680 Euro, wobei Schichtzuschläge möglich sind.

Welche Jobs gibt es im Handel und bei der Postzustellung?

Auch der Handel setzt auf Ferienjobber. Discounter Lidl bietet in etlichen Filialen und Logistikzentren Jobs für Schüler ab 16 Jahren an, die beispielsweise bei der Warenverräumung, beim Backen oder an der Kasse mithelfen. Auch der Drogeriekonzern dm hat noch Ferienjobs ab 16 Jahren für den Sommer zu vergeben – neben Märkten in Stuttgart unter anderem auch in Esslingen, Filderstadt, Heimsheim und Tübingen, wie dm-Geschäftsführer Christian Harms sagt. Einen Überblick über die offenen Stellen gibt es auf der Karriereseite des Unternehmens. dm und Lidl zahlen nach eigenen Angaben einen übertariflichen Mindesteinstiegslohn von 14 Euro pro Stunde. Bei Aldi gibt es noch Ferienjobs in der Logistik. Das Mindestalter variiere ja nach Art und Umfang der Aufgaben und Tätigkeit, heißt es. Auch bei der Brief- und Paketzustellung sind Schüler und Studenten willkommen. „Wir stellen Ferienjobber ab 18 Jahren ein, vorzugsweise für sechs bis acht Wochen“, sagt ein Sprecher der DHL Group in Stuttgart. Der Stundenlohn liege bei 18,14 Euro, im Kerngebiet Stuttgart bei 18,67 Euro.