Trotz Stellenabbau und Zukunftssorgen bleibt das Weihnachtsfest in vielen Betrieben rund um Stuttgart ein Anker. Foto: IMAGO/Zoonar

Während manche Firmen Glühwein ausschenken, setzen andere den Rotstift an. So unterschiedlich begehen Unternehmen aus der Region Weihnachten.

Die Wirtschaft in der Region Stuttgart erlebt unruhige Tage: Transformation, Kostendruck, Stellenabbau. Und trotzdem – wenn die Tage kürzer werden, Lichterketten die Werkstore schmücken und der Duft von Zimtsternen durch die Kantinen zieht, darf ein bisschen Besinnlichkeit einkehren. Doch wie viel Feierlaune ist in diesem Jahr bei Unternehmen in der Region wirklich drin?

 

Einen Trend zur großen Party gibt es kaum mehr, zeigt eine Umfrage unserer Redaktion. Zwischen Sparkurs und Wertschätzung suchen die Unternehmen nach Balance – und finden sie oft in kleinen, menschlichen Gesten. Statt Champagner und Galaabend gibt es vielfach Adventsmärkte, Essensgutscheine, Wunschbäume und Spendenaktionen. Doch auch zu drastischen Mitteln wird gegriffen.

Lapp streicht Weihnachtsfeier – andere halten durch

Beim Kabelspezialisten Lapp in Stuttgart ist die Antwort klar: gar keine Feier. Die Weihnachtsfeier werde gestrichen, erläuterte CEO Matthias Lapp jüngst im Interview mit unserer Zeitung. Aus Kostengründen fallen alle betrieblichen Feiern in Deutschland und Europa aus. Trotzdem will man ein wenig Stimmung schaffen – ohne Buffet und Musik. Ein Symbol dafür, wie eng die Spielräume in vielen Betrieben geworden sind.

Festlicher geht es beim Werkzeughersteller Stihl in Waiblingen zu. Auf den Werksgeländen stehen geschmückte Bäume, die Betriebsrestaurants werden festlich dekoriert. „Zum Jahresende bedanken wir uns mit einer Einladung zum Essen“, so Sprecherin Sabrina Haufler. Dazu gibt es Gutscheine für ein gemeinsames Festmahl.

Besinnlich statt berauscht: Bosch und die stillen Gesten

Der Technologiekonzern Bosch in Gerlingen bleibt beim dezentralen Modell. Jede Abteilung entscheidet selbst, ob und wie sie feiert. Dafür engagiert sich das Unternehmen sozial: Seit fast 40 Jahren unterstützt Bosch den Verein „Weihnachtsmann & Co.“ auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt. Mitarbeitende und Führungskräfte verkaufen dort Werkzeuge, die Einnahmen fließen an soziale Projekte.

Bei Mercedes-Benz darf gefeiert werden

Beim Autobauer Mercedes-Benz in Stuttgart darf gefeiert werden – aber klein und teamweise. „Die Bereiche entscheiden selbst, wie sie ihre Feiern gestalten“, sagt Sprecherin Frederike Birkner. Ähnlich läuft es bei Daimler Truck: Feiern sind erlaubt, aber freiwillig. Es gibt keine zentral organisierten Betriebsfeste; die Teams können privat und außerhalb der Arbeitszeit feiern, wenn sie möchten.

Der Maschinenbauer Dürr in Bietigheim zeigt Haltung: „Weder bei den Weihnachtsfeiern noch bei den Spenden wird abgespeckt“, so Sprecher Mathias Christen. Neben Feiern gibt’s Gutes fürs Herz: 60.000 Euro an UNICEF und „Aktion Weihnachten“, dazu erfüllen Mitarbeitende Kinderwünsche der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart.

Adventsmarkt und Gemeinschaft: Kärcher, Würth & Co.

Der Handelskonzern Würth aus Künzelsau lädt im Carmen-Würth-Forum noch zur großen Feier ein – trotz aller wirtschaftlichen Herausforderungen. „Persönliche Begegnungen sind ein wichtiger Teil unserer Kultur“, sagt Sprecherin Miriam Mikusch.

Auch der Reinigungsgerätehersteller Kärcher in Winnenden setzt auf Gemeinschaft: Ein eigener Adventsmarkt auf dem Firmengelände bringt Kolleginnen und Kollegen bei Glühwein und Lichterglanz zusammen.

Der Discounter Lidl mit Sitz in Neckarsulm finanziert bundesweit Weihnachtsfeiern und verschickt Weihnachtspakete an über 100.000 Mitarbeitende. Bei der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe oder dem Technologiekonzern Siemens in Stuttgart entscheiden die Teams selbst: Weihnachtsmarkt, Punsch im Büro oder doch lieber Sommerfest – alles ist möglich.

Die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) verzichten auf eine zentrale Mitarbeiter-Gala, organisieren aber traditionell eine Kinderweihnachtsfeier im SSB-Veranstaltungszentrum – mit kleinem Rahmenprogramm, Geschenken für Kinder und einer Spendenbox, deren Erlös sozialen Einrichtungen wie der Olgäle-Stiftung und dem Kinderhospiz zugutekommt. Beim Bauunternehmen Strabag bleibt es pragmatisch: Wie gewohnt feiern Direktionen und Stabstellen in eigenen, kleineren Formaten.

Soziales Engagement statt Sektgläser

Viele Firmen setzen auf soziale Projekte statt große Feste. Der Stuttgarter Autozulieferer Mahle erfüllt Weihnachtswünsche für Bedürftige in Stuttgart, der Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW in Stuttgart spendet an NGOs und lässt Azubis Plätzchen verkaufen. Das Klinikum Stuttgart sorgt für Kinderlachen im Olgahospital – mit Weihnachtsmännern, Engeln und Feuerwehr-Nikoläusen, die sich von den Klinikfassaden abseilen.

Auch die LBBW spendet statt zu feiern: 20 Organisationen wurden von Mitarbeitenden ausgewählt und erhalten je 5000 Euro – darunter „Weihnachtsmann & Co.“ und STELP. Beim Stuttgarter Modehaus Breuninger, dem Versicherer Allianz, dem Finanzkonzern W&W und dem Energieversorger EnBW bleibt es bei dezentralen Teamfeiern, oft kombiniert mit Wichtelaktionen oder Spenden. SAP feiert ebenfalls standortbezogen – mit vertrauter Mischung aus Präsenz, Tradition und Gemeinschaft.