Vor dem großen Spiel bei Real Madrid am Dienstag in der Champions League steht der VfB Stuttgart in der Bundesliga nach nur einem Punkt aus den ersten beiden Partien unter Druck.
Um die Sache, um die es an diesem Samstag geht, zu beschreiben, nutzte Sebastian Hoeneß eine nette Metapher. Er verpackte sie galant in einen Nebensatz, aber der VfB-Trainer traf damit den Kern. Es sei wichtig, die Konzentration auf Borussia Mönchengladbach zu lenken, sagte Hoeneß also zunächst – aber es sei nicht möglich, die große Partie gegen Real Madrid am Dienstag komplett auszublenden. Denn das, und jetzt kommt die Metapher, wäre „ja dann der pinke Elefant, über den man nicht reden darf“.
Der pinke – oder besser: der rosafarbene – Elefant sitzt redensartlich mitten im Raum. Er ist unübersehbar – aber niemand spricht über ihn. Er ist kein Thema. Ist Real Madrid also der rosa Elefant für den VfB Stuttgart, über den man nicht reden darf vor dem so wichtigen Bundesliga-Spiel an diesem Samstag (15.30 Uhr)? Genau das will Hoeneß nicht. Denn Real ist ohne Zweifel da, es steht im Raum. Groß, mächtig, unübersehbar. Und deshalb darf man genau das, frei nach Hoeneß, auch im Sinn haben. Denn alles andere wäre kindisch.
Allein: Der Fokus des VfB soll und darf freilich nicht auf Real Madrid liegen. Denn, so hart und nüchtern es klingt – vor dem größten Spiel der jüngeren VfB-Geschichte am Dienstag in der spanischen Hauptstadt steigt an diesem Samstag in Mönchengladbach das wichtigere. Borussia-Park statt Bernabeu – das ist die einfache Losung. Oder, wie es Sebastian Hoeneß sagt: „Mir fällt es nicht schwer, den Fokus auf Samstag zu legen, und ich habe eine klare Erwartung, dass das auch für jeden anderen gilt, der den Auftrag hat, in Gladbach ein gutes Spiel zu machen.“
Es ist aber, wie es ist: Jeder Trainer und Spieler träumt davon, einmal in der Champions League bei Real Madrid antreten zu dürfen. Um diesen gelebten Traum am Dienstag jedoch vollends genießen zu können, braucht es zunächst ein gutes Spiel und im Idealfall drei Punkte im Liga-Alltag in Mönchengladbach.
Die Ausgangslage ist klar. Nur einen Zähler holte der VfB aus den ersten zwei Partien in dieser Saison. Bei einer weiteren Niederlage reiste der Stuttgarter Tross mit Zusatzgepäck nach Madrid: Der Fehlstart wäre mit an Bord und würde schweren Ballast mit sich bringen. Der mutmaßlichen Genussreise für alle Beteiligten wäre in weiten Teilen die Leichtigkeit genommen.
Sebastian Hoeneß weiß das. Er sagt: „Wenn du rein willst in die Champions League, musst du in der Lage sein, den Fokus richtig zu setzen – ich glaube, wir kriegen das hin, wir wissen, wie wichtig das Spiel in Gladbach ist.“ Die Wahrheit aber, so Hoeneß weiter, „werden wir am Samstag um 15.30 Uhr sehen“.
Damit die Wahrheit keine bittere wird, hat Hoeneß mit einigen Spielern – vornehmlich mit jenen aus dem Mannschaftsrat – gesprochen. Das aber, eigenen Angaben und Gesten bei der Pressekonferenz zufolge, eher turnusmäßig, mit Blick auf die Taktik sowie fußballerische Lösungen gegen die Borussia. Und mit Blick auf Madrid keinesfalls mit erhobenem Zeigefinger, frei nach dem Motto: Real darf kein Thema sein.
Die Suche nach der Stabilität
Wenn man so will, haben die Champions-League-unerfahrenen Stuttgarter vor dem Start in die Mission Königsklasse allerdings gleich die größtmögliche Herausforderung mit Blick auf die berühmte Mehrfachbelastung vor der Brust: Sie stehen ein paar Tage vorher im Alltagsgeschäft namens Bundesliga unter großem Druck. Aber, klar: Sie haben einen inhaltlichen Plan, der in dem Fall heißt, die stabilen Phasen auf dem Platz auszudehnen – am besten auf die kompletten 90 Minuten.
So war mit Blick auf die ersten VfB-Partien der Saison beim Bundesliga-Auftakt beim SC Freiburg (1:3) wenig bis nichts stabil: weder die Defensive noch die Bereitschaft, bis ans Limit zu gehen. Es folgte der DFB-Pokal-Spaziergang bei Preußen Münster (5:0), ehe es im Liga-Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 (3:3) zwar mehr Licht als noch in Freiburg gab, aber eben auch wieder defensive Schatten und allgemeine Nachlässigkeiten. „Wir wollen“, sagt Hoeneß nun also vor der Partie bei der Borussia „eine gute Einstellung und Bereitschaft an den Tag legen.“ Und zwar erstmals in der noch jungen Liga-Saison über die gesamte Spielzeit. Im Idealfall passiert dann in Mönchengladbach am Ende das, was Hoeneß so umschreibt: „Wir wollen mit breiter Brust wieder abreisen, das muss das Ziel sein.“
Und sollte der VfB den Borussia-Park so verlassen, mit breiter Brust und drei Punkten im Gepäck, dann kann der Countdown in Richtung der Traumreise nach Madrid bei allen Beteiligten endlich starten: mit kindlicher Vorfreude und ohne jede Hemmungen.