Es lief bisher längst nicht alles rund für Waldemar Anton und Serhou Guirassy bei Borussia Dortmund. Schaffen die beiden Neuzugänge, die vom VfB kamen, jetzt mit dem Team die Wende?
Bitte, es lief zuletzt bei Waldemar Anton und Serhou Guirassy im Trikot von Borussia Dortmund. Der Innenverteidiger lieferte am vergangenen Spieltag beim 2:1-Sieg beim 1. FC Heidenheim nach einer Ecke die Vorlage für den Torjäger, der das 1:0 erzielte. Und auch sonst überzeugte vor allem der frühere Abwehrchef des VfB Stuttgart. Von 17 Zweikämpfen gewann Anton in Heidenheim 14, obendrein brachte er 106 Pässe erfolgreich an den Mann: Bestwert in diesem Spiel.
Nun fordern Anton und Guirassy an diesem Samstag (15.30 Uhr) ihren Ex-Club zum großen Duell – bei dem der neue BVB-Coach Niko Kovac im Fokus stehen wird. Dessen Innenverteidigung stellt sich gegen den VfB fast von alleine auf: Nico Schlotterbeck fehlt gesperrt, Niklas Süle steht nach seinem Symdesmosebandriss erstmals wieder im Kader und dürfte noch keine Option für die Startelf sein – weshalb Anton gegen den VfB Stuttgart neben dem Kapitän Emre Can in der Abwehrzentrale ran darf.
Ob das auf Sicht unter Kovac so bleiben wird, ist allerdings offen. So stellte der neue Trainer zuletzt klar, dass er voll auf seinen Kapitän Can setzen wolle – und zwar in der Innenverteidigung. Sollte das so kommen, wird Anton auf Sicht mit Schlotterbeck und Süle um den freien Platz kämpfen. Auffällig war, wie Kovac seinen früheren Schützling aus gemeinsamen Zeiten beim FC Bayern lobte: „Wenn Niki Süle fit ist, ist er ein Spieler für die Weltmeisterschaft 2026“, sagte Kovac.
Schwarzer Abend in Bologna
Eine Aussage, die tief blicken lässt – und die Anton klargemacht haben dürfte, dass er mehr denn je um seinen Stammplatz in Dortmund kämpfen muss. Fakt ist: Anton hat sich beim BVB bisher noch längst nicht zum unangefochtenen Abwehrchef wie einst beim VfB entwickelt: In seinen vergangenen sechs Pflichtspieleinsätzen durfte er nur zweimal von Beginn an ran.
Beim desaströsen BVB-Auftritt in der Champions League beim FC Bologna, dem letzten Spiel von Nuri Sahin als Dortmunder Trainer, erlebte er wie so viele seiner Teamkollegen vor ein paar Wochen einen rabenschwarzen Abend samt miserabler Leistung.
Das in dieser Saison stets fragile BVB-Gebilde konnte, wenn man so will, ja auch nie ein stabiles Fundament sein, auf dem es sich als Neuzugang aufbauen lässt. Abläufe passten unter Sahin meist nicht, Verunsicherung griff um sich: Gift also für Anton, den neuen Mann – der allerdings auch nicht in der Lage war, das Gesamtkonstrukt dauerhaft zu stabilisieren. Dabei hat Anton mit Blick auf seine nackten Zahlen sogar Fortschritte gemacht in Dortmund im Vergleich zur Vorsaison in Stuttgart.
Noch kein Stützpfeiler
So hat der Innenverteidiger seine Zweikampfquote auf 65 Prozent gesteigert (Vorjahr 60 Prozent) – auch seine Passquote ist mit 93 Prozent höher als jene aus der Vorsaison (89). Allerdings: Anton ist in Dortmund noch längst nicht der Stützpfeiler, der er beim VfB gewesen war, auch wenn er meist von Beginn an ran durfte in der Bundesliga und in der Champions League – ebenso wie Torjäger Serhou Guirassy, der an diesem Samstag auch seinen Ex-Club herausfordert und aus VfB-Sicht damit im Fokus steht.
Wer auf die Torquote des Angreifers aus den vergangenen Wochen blickt, könnte meinen, dass Guirassy sich in Topform befindet. In jedem der vergangenen vier Pflichtspiele hat er getroffen und erzielte dabei stets das Dortmunder 1:0. Seine Quote über die gesamte bisherige Saison ist ebenfalls stark. In der Liga erzielte Guirassy in 17 Spielen neun Tore und lieferte vier Vorlagen. In der Champions League kommt er in acht Partien gar auf neun Treffer und vier Vorlagen.
Allerdings: Der frühere VfB-Torjäger, der in der vergangenen Bundesliga-Runde im Trikot mit dem Brustring 28 Treffer erzielt hat, durchlebte, wie viele seiner Dortmunder Teamkollegen, einige heftige Talsohlen in dieser Saison – weshalb es nach der Winterpause zu einem Krisengespräch mit dem damaligen Trainer Sahin gekommen ist.
Kaum Bindung zum Spiel, bisweilen schlechte Körpersprache, das war nicht selten Guirassys Auftreten im BVB-Trikot. Der Torjäger ließ sich in schlechten Phasen mit nach unten ziehen und arbeitete sich dann nicht heraus aus dem Tief während eines Spiels.
Jetzt plant der BVB den Neustart unter Trainer Kovac. Offen ist dabei, ob Anton und Guirassy durchstarten werden. Die VfB-Strategen hoffen darauf, dass es damit, wenn überhaupt, erst nach der Partie an diesem Samstag losgeht.