Diese große 2,4-Megawatt-Biogasanlage hat Boris Dold nach Penrith in Nordengland verkauft und dann als Projektmanager auch gebaut und betreut. Foto: Becker

In Bräunlingen wurden in den vergangenen Jahren etliche Biogasanlagen zur Stromherstellung gebaut. Dafür ist viel Fachwissen im landwirtschaftlichen und technischen Bereich erforderlich. Dieses hat Boris Dold.

Der Bräunlinger arbeitet seit 16 Jahren als Projektmanager bei der Firma Hochreiter aus dem oberbayerischen Schnaitsee, mit Büro in Bräunlingen. Dold plant Biogasanlagen, erstellt Modellrechnungen und verkauft die Anlagen – und das nicht nur in Europa.

 

Der 41-Jährige ist Vater von zwei Kindern. Nach der Grundschule in Bräunlingen und der Realschule legte er am Wirtschaftsgymnasium das Abitur ab. Etliche Besuche und die Mithilfe auf dem Pulzhof von Roland Dold weckten bei ihm das Interesse und den Spaß an der Landwirtschaft. Als er beim Erweiterungsbau auf dem Pulzhof mithalf, lernte er dort auch den Bräunlinger Landwirt Hubert Ewald kennen. Dieser bat ihn darum, bei seiner geplanten Stallerweiterung zu helfen.

Agrarwirtschaftsstudium in Nürtingen

Dold war zwar bereits an der Landwirtschaftsschule angemeldet, doch letztlich kam er unter großer Mithilfe von Hubert Ewald zum Agrarwirtschaftsstudium an die Fachhochschule in Nürtingen. Dort studierte er neun Semester und schrieb seine Diplomarbeit zum Thema "Fütterung vom Rindvieh mit Hilfe von Fütterungsparametern". Sein zweites Praxissemester absolvierte er in Argentinien, wo es galt, riesige Flächen zu bewirtschaften.

Sein weiterer beruflicher Weg führte ihn nach Karlsruhe zur Raiffeisen Zentralgenossenschaft und später zur Firma Hochreiter als Projektmanager, wo er zunächst für Biogasanlagen in der dortigen Region und auch in ganz Deutschland zuständig war. Dann stellte er Kontakte nach Spanien, England und Nordirland sowie in weitere Länder her und lieferte auch dorthin Biogasanlagen.

Vielseitige Arbeit

Seine Arbeit ist vielseitig. Normalerweise kämen Kunden auf die Firma zu und fragten, was sie mit ihrem Biomaterial – beispielsweise Gülle, organische Abfälle oder Energiepflanzen – machen könnten. Boris Dold berechnet dann zunächst, wieviel Kilowatt Leistung mit dem vorhandenen Material produziert werden könnte, und klärt ab, wie viel Kilowatt der Kunde überhaupt produzieren möchte. Anschließend wird eine entsprechende Anlage, die in das vorgesehene Gebäude passt, geplant. Wenn der Kunde im Ausland sei, dann müsse ein Vertriebspartner vor Ort die rechtlichen Grundlagen mit den Behörden abklären und sich um die Genehmigung sowie andere rechtliche Aspekte kümmern, erklärt Dold.

Überwachung der Installationen

Nach der Fertigstellung des Rohbaus und der Betonarbeiten durch einen Subunternehmer, beginnt die Arbeit mit der Lieferung der Biogasanlage, der kompletten Technik, Motoren, Rohrleitungen, den Pumpen und der Steuerung. "Die Installierung der kompletten Anlage wird von unserer Firma übernommen und komplett betreut", so Boris Dold. Auch die Überwachung der Installationen gehört zum Aufgabenspektrum sowie, zusammen mit dem Auftraggeber, eventuell auftauchende Probleme auszuräumen. In der eigenen Werkstatt werden unter anderem auch Motoren selbst hergestellt. Dabei kommen meist eigene Entwicklungen der Firma zum Tragen. "Es kommt auch vor, dass Ersatzteile, darunter Einbringtechniken und Motoren für Fremdanlagen von uns geliefert werden."

Neuanlagen fast nur noch im Ausland

"Aktuell geht in Deutschland und auch im Raum Südbaden mit Biogasanlagen nicht mehr viel", sagt Boris Dold. Die meisten Betriebe ab einer bestimmten Größenordnung hätten inzwischen eine Biogasanlage. Neuanlagen werden derzeit fast nur noch im Ausland aufgebaut. Dabei etwa in Nordirland, wo die Firma Hochreiter inzwischen 15 Biogasanlagen installiert hat. Dazu musste Boris Dold alle drei Wochen nach Nordirland und England fliegen. "Von der ersten Kontaktaufnahme bis hin zur Rechnungsstellung bin ich bei einem Projekt mit dabei", sagt Boris Dold, der nicht nur an Landwirte, sondern ebenso an Entsorger, Industrieunternehmen und Investoren liefert. Auch die Kontakte mit den jeweiligen Außenhandelskammern (AHK) der Länder seien wichtig. Über die AHK werden immer wieder Geschäftsreisen zum Thema Bioenergie angeboten. Derzeit allerdings nur virtuell. So besteht die Möglichkeit, Kontakte zu lokalen Interessenten herzustellen. "In vielen Ländern war ich schon, in Thailand, Malaysia und Guatemala, aber auch nach Brasilien und in die USA haben wir gute Verbindungen."

Außenhandelskammern helfen

Die AHKs helfen in den jeweiligen Ländern, dass Firmen dort Fuß fassen und Geschäftskontakte knüpfen können. "Deutschland hat den Vorteil, dass es in den zurückliegenden Jahren im Biogasgeschäft führend war und immer noch eine sehr gute nachhaltige und ausgereifte Technik vorweisen kann", so Dold. Der Bräunlinger hat schon viel erlebt. Er war beispielsweise dabei, als in Thailand eine Zwei-Megawatt-Anlage bei einer Kautschukfabrik in Betrieb genommen wurde. Auch in Guatemala auf einer Bananenplantage und in Malaysia auf einer Palmölanlage war er schon tätig – und natürlich in vielen europäischen Ländern. Die Corona-Pandemie erschwert seine Arbeit. Hygienebestimmungen und die dadurch erforderlichen Quarantänezeiten bringen einige Probleme. So mussten zum Beispiel von der Firma bezahlte Quarantänezeiten über vier Wochen in Kauf genommen werden. Boris Dold selbst arbeitet schon seit vielen Jahren im Homeoffice, weshalb ihm die Pandemie beruflich bisher nicht viel ausmacht.

Mangel an Rohstoffen

Große Probleme verursache aktuell der Mangel an Rohmaterial. So seien ganz normale Lüfter und Ventilatoren derzeit nicht lieferbar und hätten bis zu einem Jahr Lieferzeit, erklärt Dold. Natürlich steigen damit auch die Preise in den Lieferlisten. Bei den derzeit favorisierten 100-Kilowatt-Anlagen lägen die Kosten bei einer Investitionssumme von 700 000 bis zu einer Million Euro, was für viele Interessierten wirtschaftlich schwierig sei.

Auch der Bräunlinger Hubert Ewald hat eine Biogasanlage. Sie speichert das in Schwachzeiten produzierte Gas und kann dann bei Stromspitzen viel Strom liefern. "Biogasanlagen können flexibel produzieren, was Wind und Solaranlagen nicht können. Biogas produziert über 24 Stunden eine gleichbleibende Strommenge und hat keine großen Schwankungen, wie oft bei anderen alternativen Energien", erklärt Dold. Der Trend gehe derzeit in Richtung Biomethan. Das Biogas werde aufbereitet, das Kohlenstoffdioxid abgeschieden. Dadurch entstehe reines Methan, was letztlich Erdgas sei. Bisher werde Biogas durch einen Motor geschleust, der einen Generator zur Stromherstellung betreibt. Das Biomethan werde entweder direkt in die Erdgasleitung geliefert oder als Alternativtreibstoff für das Transportgewerbe und den Lastwagenantrieb genutzt. Etliche Großkonzerne seien schon umgestiegen, um Treibstoffkosten zu sparen und die CO-Bilanz zu verbessern.

Info: Das Unternehmen

Die Firma Biogas Hochreiter in Schnaitsee (nahe Chiemsee) in Bayern wurde 1985 von Johann Hochreiter gegründet. Bisher hat sie über 1800 Referenzanlagen und mehr als 4000 Blockheizkraftwerke gebaut. Die oberbayerische Firma beliefert Kunden im In- und Ausland mit ihren Aggregaten. Dazu gehören eine massive Einbringtechnik, Sandräumer mit Austragungsschnecken, Paddelrührwerke, eine zentrale Pumptechnik und die professionelle Gasbehandlung. Der 41-jährige Bräunlinger Boris Dold ist bei Biogas Hochreiter Ansprechpartner für internationale Projekte.