Lorenz Maier und seine Familie produzieren seit drei Jahren Demeter-Heumilch. (Archivfoto) Foto: Cools

Früher war sie nicht vom Frühstückstisch wegzudenken, heutzutage wird sie immer häufiger durch pflanzliche Produkte ersetzt­ – zum Welt-Milchtag berichtet der Bösinger Landwirt Lorenz Maier, was sich in den vergangenen Jahren verändert hat und wie er den Trend zu Ersatzprodukten einschätzt.

Bösingen - Soja-, Mandel- und Hafermilch – die Supermärkte sind mittlerweile voll von Milch-Ersatzprodukten. Mancher greift aufgrund einer Nahrungsmittelunverträglichkeit zurück, manch anderer aus Ernährungs- oder Umweltgründen. Hat die tierische Milch ausgedient?

 

Keinesfalls, sagt Lorenz Maier aus Bösingen. Der 25-Jährige betreibt mit seiner Familie eine Milchviehzucht in Bösingen. Die Maiers leben von der Milcherzeugung und dem Verkauf von Schlachtvieh. Rund 100 Kühe hat die Familie auf dem Hof, 85 davon werden gemolken. Ein Teil der Milch kommt direkt zu den Kälbern, der Rest in den Milchtank. Jede Kuh produziert täglich etwa 19 bis 20 Liter, so dass am Abend insgesamt 1300 bis 1400 Liter Milch im Tank landen.

Die Menge hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab, wie Lorenz Maier erklärt, etwa vom Alter und der Zusammensetzung des Futters. Im Bösinger Betrieb werden die Kühe nur mit Wiesengras oder Gras vom Acker gefüttert. Vor etwa sechs Jahren haben die Maiers auf einen Bio-Betrieb mit muttergebundener Kälberaufzucht – Letzteres kam vor eineinhalb Jahren dazu – umgestellt. Seit drei Jahren wird dort Demeter-Heumilch produziert.

Milchpreis derzeit auf ordentlichen Niveau

Dadurch, dass es sich dabei eher um eine exklusivere, hochpreisigere Rohmilch handelt, wie Maier erklärt, ist er vom Preiskampf bei der konventionellen Milch relativ abgekoppelt.

Das sei auch einer der Gründe gewesen, den Betrieb auf Bio umzustellen. "Manchmal spürt man, wenn es mal richtig viel Druck auf dem Markt gibt, aber in der Regel sind wir nicht direkt betroffen." Derzeit befinde sich der Milchpreis auf einem ordentlichen Niveau.

Meist seien die Schwankungen eine Folge von wirtschaftspolitischen Beschränkungen. "Bei der konventionellen Milch muss man schon intensiver und größer strukturiert wirtschaften, damit man davon leben kann", weiß Maier. Neben wirtschaftlichen Aspekten sei auch die Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber dem Betrieb seit der Umstellung auf Bio gestiegen, so der 25-Jährige.

Dreimal die Woche wird die Heumilch der Maiers abgeholt. Ein Milchwerk erhält Lohn für die Aufbereitung des Produkts, das anschließend von der Erzeugergruppe, zu dem der Maiersche Hof gehört, selbst weiter an die Supermärkte vertrieben wird. Macht ihm der Trend zu Ersatzprodukten Sorge?

"Mit dem Hype um vegane Produkte ist es meiner Meinung nach ähnlich wie mit dem um biologische Lebensmittel. Es ist in erster Linie eine Taktik, die darauf abzielt, das Image des verarbeitenden Gewerbes aufzupolieren und den Konsumenten ein gutes Gefühl am Esstisch zu vermitteln", findet Maier. Ein Trend sei es weniger bei den Konsumenten, als vielmehr bei den Herstellern.

Prognose: Bio werde wohl ein Landprodukt bleiben

Der zentrale Grund dafür liege in der Gewinnspanne. Die Ersatzprodukte seien in der Herstellung um einiges günstiger, würden aber deutlich teurer verkauft. Bei der Milch sei es eher umgekehrt. Dabei handle es sich um einen recht teuren Rohstoff, der den Konsumenten am Ende nur noch wenig koste. Seiner Erfahrung nach ist nur ein Bruchteil der Bevölkerung auf Veganes umgestiegen. "Der Rest bevorzugt nach wie vor ›normale‹ Milch."

So ähnlich sei es auch beim Trend zu Bio-Produkten. "Die Branche wandelt sich nur ganz langsam", sagt Maier. Seine Prognose: Bio werde wohl ein Landprodukt bleiben. Denn auch wenn es für Bio-Höfe Förderungen gibt, müssen sie im Gegenzug hohe Auflagen erfüllen, während die Flächennutzung eher schlecht ist. Das bedeutet, dass man nur etwa die Hälfte des möglichen Ertrages bekommt. "Wenn man dann mal eine Schädlingswelle hat und nicht spritzen darf, fährt man große Verluste ein."

Nur geringfügig tangiert wurde der Betrieb auf dem Maierschen Hof durch die Corona-Krise. Das Arbeitsaufkommen habe sich nicht verändert. "Was das angeht, ist die Landwirtschaft ein krisenfestes Gewerbe." Lediglich beim Verkauf von Schlachtvieh habe es anfangs einen Stau gegeben, weil Gastarbeiter durch die Beschränkungen nicht kommen durften. Wenn es Probleme gebe, so würden diese eher auftreten, wenn man Reifen oder ähnliche Materialien, die meist aus Indien kommen, für die Maschinen brauche.

Lorenz Maier wird der Milcherzeugung treu bleiben. Erst vor Kurzem hat er in den Ausbau des Stalls investiert. Er ist sich sicher: Milch wird auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen und seinen Platz auf dem Frühstückstisch behalten.