Stationen wie diese mit Sinnsprüchen, die Freude bereiten und Mut machen, aber ebenso viele weitere, sind es, die weit über Herrenzimmern hinaus bis Anfang Januar Herzen erwärmt haben. Das Engagement und die Kreativität der Vereine in der Gesamtgemeinde Bösingen wird im Gemeinderat sehr gelobt. So sagt Gudrun Müller: "Unsere Vereine sind ein Aushängeschild." Foto: Hölsch Foto: Schwarzwälder Bote

Kommunales: Die Zukunft zweier Kläranlagen wird nicht an einem Abend – trotz eines großzügigen Zeitbudgets – entschieden

Als zentraler Bestandteil der qualitativ und quantitativ weiß Gott nicht informationsarmen Januar-Sitzung des Bösinger Gemeinderats gibt die Vorstellung des Struktur-gutachtens zur Zusammenlegung von Kläranlagen Halt. Fazit: Die Zeit für Entscheidungen ist noch nicht reif.

Bösingen. Werner Maier, nach Jahrzehnten der Eigenständigkeit mit seinem Büro "iat" nun seit 2019 Abteilungsleiter bei "Klinger und Partner" (Weilimdorf), langjähriger Partner der Gemeinde Bösingen für die Kläranlagen, führt in die Thematik ein, beleuchtet die Schwierigkeiten und Möglichkeiten, nennt Herausforderungen und Aufgaben und ermöglicht Einblicke. Er stellt zehn Varianten vor, die das Gutachten im Prinzip umfasst.

Für Bösingen und Herrenzimmern interessant scheinen noch zwei zu bleiben: das Beibehalten des Ist-Zustands mit zwei Kläranlagen und das Zusammenlegen beider in Bösingen-Ort. Andere Varianten, die seit 2016 im Spiel sind, scheiden aus: aus topographischen, lokalpolitischen oder finanziellen Gründen.

"Betroffen" im Strukturgutachten sind seit März 2017 die Kläranlagen Herrenzimmern, Bösingen, Villingendorf, Epfendorf, Talhausen, Dietingen und Böhringen. Hinzugekommen ist im Laufe dieser Jahre Rottweil, beziehungsweise die Justizvollzugsanstalt. Diese zusätzliche Option führt (wahrscheinlich) dazu, dass sich Villingendorf Richtung Rottweil orientieren wird; Villingendorf will, so Maier, in Rottweil werde wahrscheinlich im Februar eine Entscheidung diesbezüglich fallen.

Nicht mehr als 50 Meter

Ein möglicher Neubau im Neckartal wurde von so manchem Bürgermeister abgelehnt, so Werner Maier. Topographische Gründe (Bau einer Leitung von Herrenzimmern Richtung Talhausen und von Bösingen Richtung Epfendorf) gelten als ehrgeizig und genießen keine Priorität. Generell: Werner Maier erklärt, dass er Höhenunterschiede von mehr als 50 Metern von einem zum anderen Fixpunkt als kritisch sieht und deswegen in der Regel vermeidet.

Gründe für das Gutachten ist der Wunsch des Landes, Zusammenschlüsse herbeizuführen. Dies in Kombination mit dem Umstand, dass viele Kläranlagen, so auch die oben genannten, in die Jahre gekommen sind und in naher oder nicht zu ferner Zukunft saniert werden müssen.

Deshalb sind beachtliche Summen im Spiel bei den Ersatz- und Erneuerungsinvestitionen. Für die für die Gemeinde Bösingen im Spiel bleibenden Varianten nennt der Fachingenieur, gerechnet auf die kommenden Jahrzehnte, 56 Millionen Euro (Ist-Zustand) und 55 Millionen Euro (Zusammenlegung beider in Bösingen-Ort). Für ein vor "Rottweil" wahrscheinliches Szenario, Zusammenschluss von Bösingen, Herrenzimmern und Villingendorf, fallen sogar die Worte "61 Millionen Euro".

Nackte Zahlen

Konkret, auf die nahe Zukunft gesehen, sind an diesem Abend folgende Summen zu hören: auf der einen Seite 11,7 Millionen Euro bei einem Neubau in Bösingen-Ort (10,3 Millionen Euro für den Neubau, 1,2 Millionen Euro für die Leitung von Herrenzimmern nach Bösingen plus diverse Kleinigkeiten wie die Stilllegung der Kläranlage Herrenzimmern) und 5,0 Millionen Euro für die Sanierung beider Kläranlagen (1,7 Millionen Euro Herrenzimmern und 3,3 Millionen Euro Bösingen). Doch diese nackten Zahlen stehen nicht allein im Raume.

Für die Sanierung gebe es keine Förderung vom Land Baden-Württemberg, so Werner Maier. Bei einem Neubau laute der derzeitige Fördersatz 71 Prozent. Da diese Angabe nicht absolut zu sehen ist, verdeutlicht der Einwand von Kämmerer Matthias Jetter, dass nicht komplett bei dieser Variante mit dieser Förderung zu rechnen sei.

Ja zum Neubau, so die Fachleute, wenn die Kosten geringer seien. Deshalb gelte es, die Höhe der Förderfähigkeit auszuloten.

Bei der Diskussion kommt zur Sprache, dass das Entwicklungspotential der Kläranlage in Herrenzimmern, so zum Beispiel mit Blick auf die Örtlichkeiten, sehr überschaubar scheint. Auch gilt es in Betracht zu ziehen, dass die wasserrechtliche Erlaubnis zum Betreiben eben jener Kläranlage endlich ist (2022).

Bevor einzelne Gemeinderäte ihre Gedanken in Worte fassen, erweitert Jose Garcia, technischer Berater und Kläranlagenspezialist des Gemeindeverwaltungsverbands Villingendorf, die Sicht auf die Dinge und spricht zusätzliche Blickwinkel an.

Notwendig für "morgen"

Punkte wie die Nachnutzung des Kläranlagenareals von Herrenzimmern für ein Regenrückhaltebecken bei weiter anhaltender Bautätigkeit im Flecken – und somit mehr Einwohner; die Klärschlammproblematik (jenes Abfallprodukt wird bereits jetzt zum Pressen nach Bösingen transportiert); die Stoßbelastungen der Bösinger Kläranlage aus der Industrie; und – ja – die Personalsituation. Garcia stellt die Frage, wie sozialverträglich künftig eine Sieben-Tage-Woche sei (eine Frage, die Landwirte ebenfalls kennen). Deshalb sei ein Modell mit zwei Personen ("Jobsharing") sicher kein Nachteil mit Blick nach vorne.

Bereits als notwendig für "morgen" (und nicht für "übermorgen") stuft Jose Garcia die notwendige Erneuerung der Herrenzimmerner Anlage ein. So seine Antwort auf eine der zahlreichen Fragen von Bürgermeister-Stellvertreterin I, Bernadette Stritt.

Dass jedoch das "Morgen" nicht immer wörtlich zu nehmen ist, zeigt sich allein darin, dass in einem durchgetakteten Land, das mit einer fürsorglichen Bürokratie gesegnet ist, die Kläranlage Herren-zimmern in fünf Jahren immer noch da sei, selbst wenn an diesem Abend der Gemeinderat einen wie auch immer gearteten Kläranlagen-Beschluss fassen würde.

Diese Aussage von Ingenieur Maier stützt das daraus folgende Prozedere, welches er stichpunktartig aufzählt; allein die Möglichkeit, einen Antrag auf Förderung zu stellen, gehe lediglich pro Jahr einmal, Stichtag: 1. Oktober.

Während der Ingenieur die Gemeinde Bösingen als in einer glücklichen Lage sieht, da sie frei entscheiden könne und nicht auf andere Gemeinden oder Städte in dieser Frage angewiesen sei, zeigt sich Bernadette Stritt nicht so glücklich mit Blick auf die gewaltigen Summen, die die Gemeinde in den kommenden Jahren – so oder so – in die Hand nehmen müsse. Botschaft an diesem Abend in dieser Sache ist, dass noch viel Wasser (und anderes) den Berg hinabläuft, bis etwas getan werden kann. Abhängig von der Finanzierbarkeit, gelte es, Entscheidungen zu treffen, sagt der Ingenieur.

Für Bürgermeister Johannes Blepp laufe viel Richtung "Variante 10" (Zusammenschluss beider Kläranlagen in Bösingen hinaus). Platz sei vorhanden. Bis zum Grundstück, auf dem das Anglerheim stehe. Jenes befindet sich kurz hinter besagter Grenze.

Nun könnte "Butter bei die Fische" kommen in einer Klausurtagung des Gemeinderats. Wenn die Zahlen konkreter werden, wenn der neue Landtag in Amt und Würden ist, wenn das Gesagte und bei den Entscheidungsträgern das Gelesene (dieses Privileg genießen jene im Gegensatz zu den Zuhörern in der Turnhalle) in Ruhe und mit Muße verinnerlicht und gewichtet ist.

Nun Schönes: Nummer 1

Etwas rundum Schönes tun relativ anschließend Bürgermeister, eine Gemeinderätin und Bürgermeister-Stellvertreterin II kund.

Johannes Blepp regt an, die Elternbeiträge für den Kindergarten im Monat Januar und Februar zu erlassen – was einstimmig geschieht. Nicht in diesen Genuss kommen etwa nahezu 50 Prozent der Eltern. Jene, die ihre Kinder in die Notbetreuung schicken (33 von 67 in Herrenzimmern und 29 plus fünf ab 1. Februar von 72 in Bösingen, informiert Matthias Jetter).

Nummer 2

Nadine Fischinger lobt die Schule. Konkret das Homeschooling, das Konzept und das Engagement. Also die Schulleiterin und das Lehrerteam. "Das funktioniert hervorragend."

Und Nummer 3

Und Gudrun Müller ist es ein Anliegen, ein "ganz dickes Lob" an die Vereine auszusprechen. Sie bezeichnet diese als "total kreativ seit einem Dreivierteljahr". "Ich bin stolz auf unsere Vereine." Aushängeschild für sie sei der "Engelsweg" des Obst- und Gartenbauvereins Herrenzimmern. Arbeitskollegen im Nachbarlandkreis würden staunen über die vielfältigen Aktivitäten aus Herrenzimmern und Bösingen.

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