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Bösingen Wenn es in Wald und Flur plötzlich raschelt

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Das Mountainbike liebt Herausforderungen in der Natur. Foto: U. J. Alexander – stock.adobe.com Foto: Schwarzwälder Bote

Abendstunde. Eine Mountainbike-Fahrerin entflieht der Hitze des Tages und steuert den kühlen Forst an. Der Waldweg wird enger. Sonne und Schatten wechseln sich ab. Sie ist allein. Mutterseelenallein. Es knistert im Gebüsch. Unheimlich. Das Knistern wird zum Rascheln. Eine Wildsau vor der Attacke?

Kreis Rottweil. Nein, das ist nicht der Beginn eines neuen Horrorstreifens, der im Landkreis spielt. Die Beobachtungen und Geräusche sind Realität. Und sie sind in diesen Tagen und Wochen immer wieder vorgekommen.

Auf dem Waldweg der Freizeitaktivist, der Erholung und sportliche Betätigung in Wald und Flur sucht. Im Dickicht das Wildschwein. Ein angriffslustiges Tier mit saugefährlichen Waffen im Maul? Wie beurteilt ein Fachmann die Lage?

Der Bösinger Jäger Helmut Müller (76 Jahre) zieht keine vorschnellen Schlüsse. Er schöpft Kraft aus dem Wald. "Es gibt nichts Schöneres als die Natur." Wenn man sehe, wie alles harmoniere. Und: "Ich lerne jeden Tag von der Natur." Kurz: der richtige Mann für den Blick auf die zwei Seiten dieser Medaille Mensch und Tier: Wildschweine vermehren sich nach Fraßangebot. Besonders lecker: Mais auf Feldern. Wildschweine sind Tagestiere. Eigentlich. Doch die Menschen haben sie durch ihr Verhalten gezwungen, nachts aktiv zu sein. Sie wollen ihre Ruhe und nicht gestört werden. Wandern und Radfahren: Helmut Müller rät, auf den Wegen zu bleiben. Die Tiere passen sich an und akzeptieren Straßen und Wege. Wenn sie wechseln, sei es am besten, ruhig stehen zu bleiben. Werden sie in ihren Rückzugsgebieten, in ihren Einständen, gestört, sei es zum Beispiel durch Forstarbeiten, Pilzsucher oder freilaufende Hunde, könne es kritisch werden. Helmut Müller empfiehlt, die Ruhe zu bewahren, stehenzubleiben, eventuell langsam rückwärtszugehen. Gefahr: Gefährlich wird es, wenn sich eine Sau stellt, wenn sie bläst. Auch hier: am besten stehenbleiben, vom Rad runtersteigen. Möglicherweise ist das Tier krank oder verletzt. Das Tier greift nur an, wenn es sich gefährdet sieht. Die Sau: Wenn der Wind passt, können die Tiere bis zu 300 Meter weit riechen. Sie sind schlau (also keineswegs saublöd) und sauschnell, 30 Stundenkilometer schnell. So ist eine hektische Flucht, selbst mit dem Fahrrad, kaum erfolgversprechend, möglicherweise nur, wenn es bergab geht. Wenn es raschelt: Weiterfahren, rät Helmut Müller, auf dem Weg bleiben, keine Angst haben. Dafür Respekt. Wie ein Schwein tickt: Ihr Verhalten ist berechenbar, weiß Helmut Müller. Interessant ist zum Beispiel, dass sie sogar an Autobahnhängen leben, denn dort werden sie in der Regel nicht gestört. Naturbelassener Wald: Helmut Müller sieht viele Vorteile, wenn es wenigstens im "klassischen" Wald naturbelassene Inseln geben darf. Dort komme hoch, was Bestand habe. Dort müsste Ruhe herrschen, dort hätten Tiere Einstände. Statistik: Die Jagdstrecken in Baden-Württemberg sind beachtlich. So sind 2004/05 immerhin 38 735 Wildschweine registriert worden und 2018/19 beachtliche 47 802. Rekordverdächtig ist bisher 2017/18 mit 78 606. "Hotspots" im Landkreis: Ohne Frage Flecken mit Fraßangebot. Mais. Zum Beispiel auf Seedorfer, auf Dietinger, auf Böhringer, auf Sulzer Gemarkung. Klima: Schwache Winter sind ein Problem. Meistens hat "früher" ein nasser, kalter März den Wildschweinbestand dezimiert; viele Jungtiere sind erfroren. Doch seit einiger Zeit, mit der Veränderung des Klimas, kann es sein, dass sie sogar in diesen heißen Wochen Junge haben. Und nicht im März. Jahreslauf: Der "Ernteschock" setzt ein, wenn die Felder abgeerntet sind. Nach der Ernte von Raps, von Weizen und dann von Mais ist der gedeckte "Tisch" leer. Dann ziehen sich die Tiere in den Wald zurück. Oder sie gehen in die Wintersaat. Konfliktfeld: Wildtiere brauchen Ruhe. Sie haben kein Krankenhaus und keinen Rettungsdienst. Menschen nutzen die Natur, den Wald in vielerlei Form. So kann es vorkommen, dass die Zweibeiner unerlaubt ins "Wohnzimmer" der Vierbeiner eindringen. Würde so ein Verhalten der Zweibeiner dulden? In sein Wohnzimmer gestattet er schließlich nur geladenen Gästen Zutritt. Matriarchat: Den Traum so mancher Feministin leben Wildschweine. Eine Frauenherrschaft. Sobald die männlichen Frischlinge etwa ein gutes Jahr alt sind, werden diese "Halbstarken" abgeschlagen. Und Keiler dürfen nur in der Rauschzeit zur Rotte, um die Sauen zu beschlagen.

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