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Bösingen Rezept: gute Vorbereitung und das Ohr am Bürger haben

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Bösingen-Herrenzimmern. Wer jahrzehntelang die Gemeinderatsarbeit in Bösingen und Herrenzimmern verfolgt hat, vermisst ab September einige Urgesteine. Allein Josef Seifried und Roland Noder (beide Herrenzimmern) prägten die Lokalpolitik seit 39 beziehungsweise 30 Jahren. Einblick in seine Zeit gibt Roland Noder.

Vermissen Sie die Lokalpolitik?

Ja. Sicher. Nach so vielen Jahren ist man mit der Lokalpolitik verwachsen, da fehlt einem in den ersten Monaten schon etwas, zumal man über die "Baustellen" informiert ist.

Beim Blick auf Ihre 30-jährige kommunalpolitische Karriere als Gemeinderat: Was bleibt Ihnen – spontan geantwortet – in Erinnerung? Positiv und negativ?

Der Bau und Umbau der Mehrzweckhallen, die über Jahre hinweg gelaufen sind. Hier haben sich viele Mitbürger ehrenamtlich eingebracht und tatkräftig angepackt. Das alles zu koordinieren, war schon eine Herkulesaufgabe. Und dann die schönen, jährlich durchgeführten Gemeinderatsausflüge, in alle Herren Länder. Diese Erlebnisse vergisst man nicht. Negativ auf mich ausgewirkt hat sich die Schließung der Werkrealschule, dieser Fehler wird sich nicht mehr korrigieren lassen.

Was gab einst den Anstoß, zu kandidieren?

Als ich 1984 als Gemeinderat kandidiert hatte, waren lauter Herren im Gremium, die alle vom Alter her mein Vater hätten sein können. Da wollte ich als junger Mann neue Ideen einbringen und manches verändern. Das war am Anfang schwer, aber ich hatte immer das Gefühl, dass ich akzeptiert werde.

Mit welchen Erwartungen sind Sie Gemeinderat geworden?

Dass ich über einen langen Zeitraum etwas bewegen und gestalten kann. Ich wollte auch die Vereine stärken und unterstützen, da ich auch immer ein Vereinsmensch war. Und ich denke, dass ist uns gelungen. Jeder ortsansässige Verein hat ein eigenes Zuhause und kann sich mit den Erfolgen sehen lassen.

Sind diese Erwartungen dann auch eingetreten? Konnten Sie Ihre Ziele – welche größeren? – umsetzen?

Zum größten Teil. Selbstverständlich kann man als einzelner nicht alles umsetzen. Wichtig war für mich, dass in guten Zeiten die Schulden abgebaut werden, damit man sich in schlechten Zeiten antizyklisch verhalten kann. Und das haben wir geschafft. Wenn die laufenden Kredite und die Rücklagen miteinander verglichen werden, so sind wir heute schuldenfrei.

Wie lautet Ihr Geheimnis guter Gemeinderatspolitik?

Sich auf jede Sitzung gut vorbereiten und das Ohr am Bürger haben, keine Fraktionen im Rathaus, jeder muss nach seinem Gewissen entscheiden, das war mein Rezept.

Stichwort Bösingen. Wie werten Sie die Zeit des Zusammenwachsens beider Ortsteile, die sich ja nicht uneingeschränkt gemocht haben/mögen?

Es war soweit okay. Wissen Sie, wenn ich die Zeitungsberichte aus anderen Gemeinden lese, dann bin ich mit unserer Situation ganz zufrieden. Unser ehemaliger Bürgermeister, Alfred Weiss, hat immer gesagt, wir sind zwei gleich große Ortsteile, was der eine braucht, das braucht auch der andere. Danach haben wir gehandelt – und wir sind damit gut gefahren.

Gab es größere Freuden und Enttäuschungen in den Jahren, als Sie Gemeinderat waren? Wenn ja, welche?

Ich habe mich über jeden Zuschuss, den wir bekommen haben, gefreut. Sowie über jede Investition, denn wir gehören zu den steuerschwachen Gemeinden. Ja, und enttäuscht war ich auch ab und zu. Zum Beispiel wenn alle den Kohlendioxid-Ausstoß reduzieren wollen und wir selbst zum Geldabheben ins nächste Dorf fahren müssen. Hier muss umgedacht werden.

Welches Fazit ziehen Sie nach 30 Jahren in der ­"ersten Reihe"?

Dankbarkeit denen gegenüber, die mich unterstützt haben, und Achtung gegenüber denen, die mich ertragen haben. Denn wer etwas will, findet Wege, wer etwas nicht will, findet Gründe.

Was hat Ihnen die Gemeinderatsarbeit persönlich "gebracht"?

Menschenkenntnis und Erfahrung, ja, und auch Durchsetzungsvermögen.

Welche Botschaften würden Sie Ihren Nachfolgern mit auf den Weg geben, wenn Sie gefragt würden?

Ach, wissen Sie, Botschaften würde ich keine geben. Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Auf die Sitzungen gut vorbereiten, ist das wichtigste. Wenn ein Gemeinderat gut vorbereitet ist, wird er auch akzeptiert und anerkannt.

Bringen Sie sich als weiterhin engagierter Bürger in die Gemeinde ein? Wenn ja, wie? Oder steht nun ein langsamer Rückzug ins Private an?

Ja, sicher bringe ich mich weiterhin ein. Ich lebe ja noch. Doch aus der Kommunalpolitik werde ich mich raushalten. Sollte ich dennoch gefragt werden, dann werde ich aus meiner langjährigen Erfahrung heraus auch Auskunft geben, aber mehr nicht. Für "meine" Vereine werde ich weiterhin da sein und mithelfen, sofern es mir meine Gesundheit zulässt.

Auf was freuen Sie sich in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten?

Auf etwas mehr Freizeit, damit ich auch mal abends meinen schönen Garten genießen kann. Des Weiteren will ich in aller Ruhe meine angefangenen Projekte verwirklichen.

  Die Fragen stellte Andreas Pfannes.

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