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Bösingen "Geredet wird am Stammtisch, umgesetzt im Gemeinderat"

Von

Bösingen. Wer jahrzehntelang die Gemeinderatsarbeit in Bösingen und Herrenzimmern verfolgt hat, vermisst seit Juli einige Urgesteine. So prägte Georg Bantle 25 Jahre lang die Lokalpolitik. Wenn am heutigen Mittwoch, 19.30 Uhr, das Gremium tagt, sitzt er nicht mehr am Ratstisch.

Nun sind fast zwei Monate vergangen, seitdem Sie im Bösinger Gemeinderat verabschiedet wurden. Wie geht es Ihnen?

Da ich im Berufsleben stark gefordert bin, freue ich mich über die Zeit, die ich hinzu gewonnen habe. Keine Gemeinderatssitzungen, keine Ausschusssitzungen mehr bedeuten mehr Zeit für Beruf und Privates. Persönlich geht es mir sehr gut. Ich bin fit und gesund und habe Spaß bei meiner Arbeit.

Vermissen Sie die Lokalpolitik?

Nein. Bis jetzt fühlt es sich noch an wie Sommerpause.

Beim Blick auf Ihre 25-jährige kommunalpolitische Karriere als Gemeinderat und teilweise als Bürgermeister-Stellvertreter: Was bleibt Ihnen – spontan geantwortet – in Erinnerung? Positiv und negativ.

Negativ: Zum einen: Die teilweise langatmigen Sitzungen und Diskussionen, die sich immer wieder im Kreis drehten. Kurz gesagt: Die Monologe anstatt Dialoge.

Zum anderen: Wir konnten nicht alle Pläne und Visionen realisieren.

Außerdem: Man kann es nicht allen recht machen. Mangelnde Bürger-Akzeptanz für die Zeitintensität, das Wirken und den Einsatz im Gemeinderat. Die Bürger sind gerne bereit, dem Gemeinderat pauschal zu unterstellen, etwas falsch zu machen. Sie sparen nicht an Kritik, Forderungen, sogar Drohungen, ohne selbst etwas aktiv zu leisten und sich einzubringen.

Und: Wir konnten Steuersätze nicht senken.

Positiv: Zum einen: Ich war gerne Gemeinderat.

Außerdem: Es war interessant, einen Einblick in die Arbeit der Verwaltung zu bekommen.

Zum anderen: Die Themenvielfalt, die im Gemeindeleben anfällt, hat mich beeindruckt.

Und: Die Möglichkeit, das Gemeindeleben aktiv mitzugestalten, der Meinungsaustausch mit den Gemeinderatsmitgliedern sowie das kon­struktive Miteinander mit der Verwaltung.

Außerdem: Wir Gemeinderäte hatten tatsächlich die Möglichkeit, Einfluss auf die Entwicklung Bösingens zum Wohl der Bürger zu nehmen.

Was gab 1994 den Anstoß, zu kandidieren?

Kommunalpolitisches Interesse, Wunsch nach Mitge- staltung, Hoffnung, Veränderungen zu initiieren, aber auch Traditionsbewusstsein. Großvater und Vater waren schon aktiv für die Gemeinde tätig.

Mit welchen Erwartungen sind Sie Gemeinderat geworden?

Für mich ist die Verantwortung für das Gemeinwesen eine Bürgerpflicht. Aktive Mitgestaltung von Projekten, Einfluss auf kommunalpolitische Entscheidungen haben, Weiterentwicklung der Gemeinde in den vielseitigen Ressorts voran bringen, zum Beispiel Straßenbau und Wasserversorgung, aber auch Schule und Kindergarten. Die Gesamtheit macht den Erfolg aus. Hierfür Verantwortung zu übernehmen, war eine sehr interessante Aufgabe.

Sind diese Erwartungen dann auch eingetreten? Konnten Sie Ihre Ziele – welche größeren? – umsetzen?

Ja. Wohngebietserschließungen. Mein bauspezifisches Wissen war für mache Entscheidung im Gremium sehr hilfreich.

Wie lautet Ihr Geheimnis guter Gemeinderatspolitik?

Geheimnisse werden nicht verraten. Aber erfolgreiche Gemeindepolitik besteht für mich aus einem vertrauensvollen Miteinander beider Ortsteile, bestehend aus "alten" Hasen und der jüngeren Generation. Trotz familiärer und beruflicher Belastung ein Wahlamt zu übernehmen und seine Ansichten zu positionieren, bringt frischen Wind und neue Perspektiven.

Stichwort Herrenzimmern. Wie werten Sie die Zeit des Zusammenwachsens beider Ortsteile, die sich ja nicht uneingeschränkt gemocht haben/mögen?

In den vergangenen 25 Jahren hat sich das Zusammenwachsen positiv entwickelt. Im Gemeinderatskollegium wurde meiner Meinung nach überwiegend im Gesamtinteresse gehandelt und entschieden.

Welches Fazit ziehen Sie nach 25 Jahren in der "ersten Reihe"?

Kommunalpolitik bedeutet, mit guten Sachargumenten, konstruktivem Meinungsaustausch und Objektivität das Wohl der Gemeinde im Auge zu behalten, um gesteckte Ziele zu erreichen.

Was hat Ihnen die Gemeinderatsarbeit persönlich "gebracht"?

Eine allgemeine Erkenntnis: Geredet wird am Stammtisch, umgesetzt im Gremium!

Persönlich: Es war eine vielschichtige Erfahrung mit großer Verantwortung, aber das Engagement war lohnenswert.

Welche Botschaften würden Sie Ihren Nachfolgern mit auf den Weg geben, wenn Sie gefragt würden?

Die neue Generation von Gemeinderäten muss selbst Erfahrungen machen und somit neuen Wind ins Spiel bringen. Ich hoffe, dass sie sachlich und fokussiert arbeiten werden. Wenn ich persönlich gefragt werden würde, würde ich die Antworten zur siebten Frage ansprechen.

Bringen Sie sich als weiterhin engagierter Bürger in die Gemeinde ein? Wenn ja, wie? Oder steht nun ein langsamer Rückzug ins Private an?

Langsam geht in unserer schnelllebigen Zeit gar nichts mehr. Jeder mitdenkende Bürger sollte sich ins Gemeindeleben einbringen. Wie sich diese Vorstellung, allgemein und für mich im Besonderen, entwickeln wird, wird die Zeit zeigen. Schau’n mer mal, würde Franz Beckenbauer sagen.

Auf was freuen Sie sich in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten?

Auf weniger Termine im Kalender.   Die Fragen stellte Andreas Pfannes.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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