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Bösingen Empfang: Joshua Kimmich sorgt für Ausnahmezustand

Von
Foto: Hölsch

Bösingen - Wieder Elfmeterschießen. Wieder Samstagabend. Wieder steht Joshua Kimmich im Mittelpunkt. Alle Augen sind auf ihn gerichtet. Der Jung-Nationalspieler und Fußball-EM-Held ist nervös. Sein Anlauf zum ominösen Punkt wird ein langer sein: Ortsdurchfahrt, Ortsmitte, Festhalle. Immer wieder muss er anhalten. Wäre es ein Fußballspiel, wäre es nicht regelkonform. Doch hier ist es erforderlich. Dann verwandelt er. Ganz sicher. Wie bereits im Viertelfinale gegen Italien. Und seine Familie, Freunde und die zahlreichen Fans jubeln ihm zu.

Ein Fußballspiel ist es dieses Mal nicht. Für die deutsche Mannschaft ist das Turnier in Frankreich bereits vor dem Endspiel beendet. Nach dem 0:2 gegen den Gastgeber Donnerstagnacht. Für Joshua Kimmich wird es jedoch ein traumhaftes Finale. Empfang in Bösingen, in seiner Heimat im Landkreis Rottweil. Der ganze Ort und viele, viele Fans aus der näheren und weiteren Umgebung sind auf den Beinen. Säumen die Ortsdurchfahrt, den Festplatz. Kurz vor 19 Uhr dann der Anpfiff.

Musiker aus Bösingen und Herrenzimmern marschieren mit schmissigen Weisen vorneweg. Hinter der Fahne des VfB Bösingen und den Vorsitzenden Ingo Ohnmacht und Markus Fischinger reiht sich der Ehrengast ein: Joshua Kimmich. 21 Jahre jung, ein Fußballer aus Leidenschaft. Bodenständig, bescheiden und humorvoll.

Dann der erste Halt: Gotthard Mei reimt, Schützen schießen Salut. Mit Vorderladern und Pistolen. Aus Bösingen und Herrenzimmern. Zu Joshua: "...mit Dir festen und genießen, darauf wollen wir schießen." Darauf die dritte Salve. Weiter geht’s. La Ola bei begei­sterten Fans am Wegesrand.

Der nächste Halt. Am Eingang der Festhalle. Der Bösinger FC Bayern-München-Fanklub Red-White Fighters steht Spalier. Sie lachen und scherzen. Laufend klicken Handykameras und Fotoapparate. Das Fernsehen filmt fleißig. Rein geht’s in die Halle. In die Menge.

Die große Familie Kimmich hat Mühe, zu ihren Plätzen zu kommen. Immer wieder muss Joshua abbremsen. Kleine, junge und größere Fans allüberall. In Trikots der Nationalelf (Nummer 21) oder in Bayern-Trikots (Nummer 32).

"Ein Hoch auf uns". Die Musiker spielen den Sommerhit von 2014. Damals, als Deutschland Fußball-Weltmeister wurde und Joshua Kimmich mit der U 19-Nationalelf Europameister. Später werden den Hit noch Joshuas 16 Cousins und Cousinen singen. Überall Handys in der Höhe. Wie bei einem Popkonzert. Die deutsche Nationalhymne erklingt. Inbrünstiges Singen. Stadionatmosphäre.

Bürgermeister Johannes Blepp spricht. Zeichnet Kimmichs junge Karriere nach. Betont die herausragende Jugendarbeit. Weiß, dass er in der Familie Ruhe findet, Rückhalt und Geborgenheit. Und dass er kühlen Kopf bewahrt, wie beim Elfmeter gegen Italien. Zum herausragenden Talent komme Fleiß, Hartnäckigkeit und Bescheidenheit. "Bleiben Sie so, wie Sie sind." Beifall. Und: "Ich bin sicher, Sie begeistern uns bei der WM 2018." Riesenbeifall.

Leonie Gapp ("Auch wir in Herrenzimmern sind brutal stolz auf Dich") singt. "Hinter Euch stehen 80 Millionen." Die Halle rockt mit der jungen Sängerin.

Volker Kauder, Fraktionsvorsitzender der Christdemokraten im Deutschen Bundestag, nimmt die coolen Vibes auf und setzt noch einen oben drauf. Herzlichen Gruß an Joshua Kimmich von der Bundeskanzlerin.

Zusammen hätten die beiden Politiker das Spiel am Donnerstag gegen Frankreich angeschaut. Angela Merkel habe gelobt: "So ein junger Kerl, und gehört schon wie selbstverständlich dazu." Und FC-Bayern-Fan Kauder freut sich auf viele gute Spiele in der kommenden Saison. Der "Stern des Südens", die Hymne des FC Bayern, wird angestimmt.

Nun wird es für den Hauptdarsteller ernst. Er muss auf die Bühne. Zum Elfmeterpunkt. Interview mit den VfB-lern Markus Fischinger (Vorsitzender) und Thomas Eger (Kumpel). Joshua Kimmich, den sie nur Jo rufen: "Brutal, was hier los ist. Ich bin nervöser als vor dem Spiel. Lieber würde ich einen Elfmeter wie im Viertelfinale schießen." Überragend und einzigartig, sei es, was er an diesem Abend erleben dürfe. Jo ist gerührt, dankbar – und, so sieht es aus, eigentlich gar nicht nervös. Souverän. So wie auf dem Rasen.

Aus den vorgesehenen zehn Minuten wird schnell eine halbe Stunde. Ein launiges Gespräch. Besser als so manches Samstagabend-Sportstudio-Geplapper. Wenig Allgemeinplätze. Kaum Profi-Fußballer-Sprech. Dafür launige Momente.

Über Kingsley Coman, Franzose und Mannschaftskollege beim FC Bayern: "Ein Superjunge. Hat mich nach dem Halbfinale getröstet. Ich hoffe, er holt das Ding (den EM-Pokal) und stichelt mich nicht zu arg."

Zum Elfmeter gegen Italien. "Habe zuerst gehofft, dass der Italiener vor mir verschießt. Hat er nicht gemacht, ich musste treffen. Auf dem Weg zum Elfmeterpunkt habe ich mir gesagt: Knall ihn in die Ecke, da ist es schwer für den Torwart, hinzukommen. Nach dem Treffer fiel eine Last ab. Man ist um zehn Kilo leichter."

Über Vorbilder und Lieblingspositionen. Bastian Schweinsteiger oder Xabi Alonso, also defensiver Mittelfeldstratege? Oder Philipp Lahm, also rechter Verteidiger mit Zug nach vorne? Geschickt dribbelt er sich um vermeintlich bindende Aussagen herum.

Persönlich, so Kimmich, habe er Führungsspieler als Vorbilder. Zwar sei seine Lieblingsposition das Mittelfeld, doch als junger Spieler sei er froh, auf dem Platz zu stehen (Und im Halbfinale wäre Bundestrainer Joachim Löw froh gewesen, wenn er nach den Ausfällen zwei Kimmichs gehabt hätte: im defensiven Mittelfeld und auf der rechten Außenbahn).

Gab es Hilfestellung von Philipp Lahm? Es gab viele erfahrene Mannschaftskollegen. Es gab klare Worte von Thomas Müller ("Er sagt gerne, was er denkt. So was braucht man als junger Spieler"). Und es gab Botschaften des Bayern-Kapitäns. Bilder habe er geschickt. Wie er daheim vor seinem Grill stand. Die Halle lacht.

Einen Tipp für die vielen jungen Kicker des VfB Bösingen hat der sympathische Ehrengast ebenfalls parat. Das Wichtigste sei: Spaß am Fußball. "Wir hatten einen super Jahrgang. Wir waren von morgens bis abends – oder gleich nach der Schule – auf dem Bolzplatz."

Und da er immer "Bock auf Fußball" habe, schließt er nichts aus, als Markus Fischinger wissen will, ob er in 15 Jahren seine Karriere in Bösingen beende und hier dann noch gaudimäßig kicke. "Vielleicht steigt der VfB mal auf."

Elfmeter verwandelt. Die VfB-Tanzgruppe 4:4 entert die Bühne. Dann geht es nach draußen auf die Festwiese. Der Pulk mit Joshuas Fans folgt. Autogrammstunde. Wobei Stunde wörtlich zu nehmen ist.

Das nächste Elfmeterschießen? Das ist bereits Ende des Monats beim VfB Bösingen. Bei den Dorfmeisterschaften. Offen für alle. Damals, vor vielen, vielen Jahren, ist der junge Jo mit seiner Mannschaft bis ins Halbfinale gekommen.

 
 

Ihre Redaktion vor Ort Rottweil

Armin Schulz

Fax: 0741 5318-50

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