Günther Stritt von der Speckmockerlzunft Bösingen (links) nimmt Schultes Johannes Blepp den Schlüssel ab.Fotos: Hölsch Foto: Schwarzwälder Bote

Schmotziger: Der Rathausschlüssel wechselt trotz Corona den Besitzer

Bösingen (hh). Bei klirrender Kälte und unter Corona-Bedingungen klingelte Narrenpräsident Günther Stritt von der Speckmockelzunft am Morgen des Schmotzigen an der Bösinger Rathaustür und bat Schultes Johannes Blepp um den Schlüssel. Der sträubte sich jedoch.

Obwohl der Bösinger Narrenmarsch ertönte, gab Blepp zu verstehen, dass wegen der Corona-Verordnung in diesem Jahr keine Fasnet statt findet. "Somit gebe ich meinen Dienstschüssel nicht her", so Blepp.

Der Narrenpräsident fragte lautstark: "Ha, was isch do los? Da Narrabohm schtoht scho längscht, ond da Bürgermeister kunnt it? S isch doch da Schmotzig, i will endlich wieder da Rothausschlissl! Oder muass i s’Rothaus stürma lao wia d’Amerikaner s’Kapitol?" Blepp antwortete: "Gerne würde ich Dir, Herr Narrenpräsident, den Schlüssel übergeben, doch ich muss Dir sagen, was soll das mit der Fasnet, wenn wir doch schon seit Monaten alle nur Masken tragen? Das Leben ist jetzt nicht einfach, alle sorgen sich um ihre Arbeit, ihre Gesundheit, ihr ganzes Leben. Und wenn viele Menschen um ihre Angehörigen trauern, dann kann es doch keine Fasnet geben! Herr Narrenpräsident, gerne wäre ich hier am Schmotzigen mit fröhlicheren Nachrichten, doch ich meine, im Jahr 2020 müssen wir auf unsere Fasnet verzichten."

Günther Stritt entgegnete: "Aber Bürgermeister, so goht des it, zu was stand i no drin in dera Bitt? Des Johr isch doch wieder rom, mir Narra wellat i dia Halla nom. Mir hettat da Corona scho im Griff. Mit ra Dreifach-Impfung, dia isch da Hit, Speckbria, Speck ond da Schnaps, dia drei machat da Corona nass. I hett sogar scho älles dabei, komm, des zihat mir i’s nochher glei nei."

Blepp musste einräumen: "Lieber Narrenpräsident, Du hast ja recht: Die letzte Fasnet, ja das letzte Fescht, liegt lange zurück, und gerade in der dunklen Winterzeit braucht es Feiern, Lebensfreude und das Fasnetsglück. Doch denkt daran: Statt Speckbriah, Kuttlesupp, Fäschten und Narrenumzug im Schnee gibt es im Februar 2020 nur Trübsal, Glotze, Netflix und Kamillentee. Es ist schade: Die Festhalle verstaubt, die Kehlen sind trocken, das Narrenherz ist schwer, in der Zunftstube ist es still, die Zapfanlagen rosten, über die Kleidle fallen die Motten her."

Günther appellierte: "Bürgermeister, i sieh’s jetzt i. Da Seggl will i dieses Johr nit si. No schick i di halt it in d’Vakanz, mir machat älle dahom da Fasnetstanz, trenkat Bierle ond an Sekt, essat vu isrm guata Speck. Neamat au a raote Wurst in Mund, und juckat so lang i da Stuba rum, bis da Aschermittwoch kumnt. S Wichtigste hätt i no vergessa: Drei Mal Speck-Mockel lautstark riafa, ha, des wird mr wohl no macha dirfa!? Do brausch dazua koan Impftermin, do goht da Virus vu selbst dahin. Bleibat gsund und froh und munter! Speckmockel, Speckmockel, nit vergiss, dia nächste Fasnet kunnt sicher, ganz gewiss."

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