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Bösingen Auch nach all den Jahren eine Freude

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Als Ingrid Seifried das erste Mal zu den Turnerfrauen in Herrenzimmern kam, wusste sie: Da geht noch mehr. Mittlerweile ist die 73-Jährige seit mehr als 20 Jahren Gruppenleiterin und hat daran mehr Freude denn je.

Bösingen-Herrenzimmern. "Sport ist mein Leben", sagt Ingrid Seifried. Das war schon immer so. Ihre ganze Familie ist "turnverrückt". Ein Sohn hat sogar in der Bundesliga geturnt. Seifried war zudem eine der ersten Frauen, die in Villingendorf Fußball gespielt haben.

Seit 1968 war sie im Verein aktiv. "Unsere Mannschaft hat alles gewonnen", erinnert sich die 73-Jährige. Schließlich habe der deutsche Fußballbund eine Frauenmannschaft genehmigt. Parallel ging die damalige Villingendorferin regelmäßig joggen und zur Gymnastik in Herrenzimmern, der Gruppe, die nun 50-jähriges Bestehen feiert.

50 Pfennig pro Abend

Alles begann im Jahr 1967 mit einem Fasnets-Gag in Herrenzimmern, berichtet Ingrid Seifried. In einem Fußballspiel hätten sich ledige und verheiratete Frauen gegenübergestanden. Anschließend seien die Frauen von der Musikkapelle abgeholt und ins Gasthaus Sonne gebracht worden. "Das hatte ein ganz besonderes Flair."

Einigen – die meisten waren Spielerfrauen der Fußballer – sei dann die Idee gekommen, sich regelmäßig zu treffen. "Man muss wissen: In Herrenzimmern war damals in Sachen Frauensport tote Hose", erklärt Ingrid Seifried. Sechs Frauen seien sofort Feuer und Flamme für die Idee gewesen.

Fürs Fußball hatten sie sich dann offenbar doch nicht so ganz begeistern können. Stattdessen entstand eine Gymnastikgruppe. "Am Anfang haben wir uns in einem Klassenzimmer in der Grundschule getroffen, bis 1972 die Turnhalle in Herrenzimmern eingeweiht wurde", erinnert sich die 73-Jährige. Am 1. April 1970 wurden die Turnerfrauen mit damals 46 Mitgliedern offiziell in den Sportverein aufgenommen. "Wer mitmachen wollte, musste 50 Pfennig pro Abend bezahlen, später dann eine Mark", erzählt Seifried.

Seifried hält alle auf Trab

Viele Jahre lang war sie dabei und fühlte sich stets wohl bei den Frauen. Mittlerweile hatte sie einen Herrenzimmerner geheiratet. Es war Zeit für die Familienplanung. Zudem hatte ihr Mann Bernhard mit seiner Schreinerei einen eigenen Betrieb, in dem mitgeholfen werden musste. 1974 war ihm dieser von seinem Vater Franz übergeben worden. Für Gymnastik blieb da kaum mehr Zeit. Ingrid Seifried legte eine Pause ein.

Doch das Kapitel Turnerfrauen war für sie noch nicht ad acta gelegt. In den 90er-Jahren stieg sie wieder ein. Anneliese Ruf hatte die Gruppe 20 Jahre lang geleitet, ehe sie gesundheitliche Probleme bekam und sich zurückzog. Die Gruppe geriet ins Wanken. Die Frauen drohten sich zu zerstreuen. 1999 fasste Ingrid Seifried den Beschluss, Leiterin für den sportlichen Bereich zu werden. Ehrgeizig wie sie war, arbeitete sie akribisch daran, die Frauen auf Trab zu halten. "Am Anfang hat mich die Qualität des Trainings nicht zufrieden gestellt", meint sie. Deshalb arbeitete sie ein Konzept aus und versuchte, ihre Kameradinnen immer neu zu fordern.

Doch auch das Gesellschaftliche durfte nicht zu kurz kommen. Wanderungen und Ausflüge gehörten immer zum Programm. "Die Frauen sollten gerne kommen und ihren Kontakt vertiefen", sagt Seifried. Mittlerweile sind noch 24 Frauen dabei. Neuzugänge gab es über die Jahre nur wenige. "Wir sind da doch ein wenig eingefahren", gibt Ingrid Seifried zu. Stellvertreterin Maja Noder und Lissy Weiss halten ihr den Rücken frei.

Auch das Training hat sich in den vergangenen 21 Jahren, in denen sie schon Übungsleiterin ist, stark verändert. "Mittlerweile ist es eben Seniorensport", sagt die 73-Jährige. Der Altersdurchschnitt der Damen liegt bei 73 Jahren. "Alles geht nun ein wenig gemächlicher. Ich setze vor allem auf Rückengymnastik und Training, um die Muskeln zu erhalten", sagt die fitte Herrenzimmernerin. Trainiert wird mit Bändern, immer häufiger auf Stühlen. Hinzu kommen Übungen für die Koordination, Gedächtnisspiele und Dehnübungen. "Früher haben wir viel Volleyball gespielt und getanzt. Wobei, Letzteres machen wir heute auch noch." So kommen die Turnerfrauen durchschnittlich auf rund 40 gemeinsame Abende im Jahr.

Kostüme nach Motto

Immer wieder beliebt sind Ingrid Seifrieds Mottos für die Fasnet: Von der "Hitparade" bis zum "Märchen" war schon alles dabei. "Mir macht es Spaß, etwas Neues aus den Frauen herauszukitzeln und zu sehen, wie sie aufblühen", meint die 73-Jährige.

Gerne hätten die Turnerfrauen ihr 50-Jähriges mit einem großen Fest gefeiert, doch Corona hat ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Stattdessen wird es wohl nur eine interne Feier geben. Immerhin: Seit Juli sind die Damen wieder aktiv und treffen sich. Ingrid Seifried hat ein Hygienekonzept erarbeitet. Und nach all diesen Jahren freut sie sich jedes Mal von Neuem auf die Übungsstunde.

Im Oktober werden die Frauen vom Sportverein Herrenzimmern in einem Festakt für ihr 50-jähriges Bestehen gewürdigt.

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