Die alte Börstinger Dorfmoste war am Sonntagnachmittag bei der Kulturtankstelle in Betrieb. Der Förderverein Heimat und Kultur veranstaltete zusammen mit dem Starzacher Obst- und Gartenbauverein (OGV) ein Schaumosten.
Der frisch gepresste Saft ist an die Besucher gleich ausgeschenkt worden.
Wie früher gemostet worden ist, daran erinnert sich Richard Lohmiller recht gut. Der 84-Jährige Börstinger kennt die handbetriebene Moste noch aus seiner Jugendzeit. Bis in die 1980-er Jahre sei sie benutzt worden.
Wie sie funktionierte, demonstrierte Johannes Elsässer mit seinen Helfern. Das Obst haben sie zuerst gewaschen, anschließend leerten sie es in die Mahle, die von Hand betrieben werden musste. Dabei war Muskelkraft gefragt. Das Zerkleinern konnte ziemlich anstrengend sein, und die Männer kamen bald ins Schwitzen. Laufend ist neues Material in den Trichter gefüllt worden. Zuletzt wurde es gepresst, bis der Saft aus dem Hahnen lief.
Berlepsch-Äpfel sind sehr widerstandsfähig
„Das ist sortenreiner Berlepsch-Saft“, zeigte Fördervereinsvorsitzende Monika Laufenberg auf den gefüllten Eimer, den Eugen Müller vom Obst- und Gartenbauverein gerade von der Presse brachte. Insgesamt sind am Sonntag 600 Kilogramm Äpfel und Birnen gemostet worden, davon allein 300 Kilogramm von der Berlepsch-Apfelsorte. „Sie eignet sich zum Saften, Kuchenmachen, aber auch als Tafelmost“, erzählte Gerold Maier, Vorsitzender des Kreisverbands der Obst- und Gartenbauvereine, der die Veranstaltung in Börstingen besucht hat. Vor allem aber sind Berlepsch-Äpfel widerstandsfähig gegen Schorf und Mehltau. Wer nicht spritzen und trotzdem schönes Tafelobst haben will, dem kann er solche robuste Sorten zur Anpflanzung nur empfehlen.
Die Obsternte in diesem Herbst sei unterschiedlich ausgefallen, meinte Maier. In Rottenburg gab es eine mittlere Ernte, mit der man aber durchaus zufrieden sein könne. Der Ertrag bei Äpfeln und Zwetschgen sei im Wachendorfer Lehrgarten sehr gut gewesen. „Von Hagel und Frost wurden wir verschont“, berichtete Eugen Müller. Positiv ausgewirkt hat sich die Feuchtigkeit in diesem Jahr.
Doch es muss auch aktiv etwas getan werden, damit die Bäume Obst tragen. So haben die Mitglieder des OGV das von Insekten befallene Laub aus dem vergangenen Jahr nicht liegen lassen, sondern entsorgt. Das hat sich offenbar gelohnt: Schädlingsbefall konnte diesmal nicht festgestellt werden. Wichtig ist natürlich der richtige Pflegeschnitt. Der Obst- und Gartenbauverein bietet deshalb Interessierten Schnittkurse in Theorie- und Praxis an. Der praktische Teil findet an der Wachendorfer Kläranlage statt, wo der OGV eine Streuobstpatenschaft übernommen hat.
Obstauflesen hat sich in diesem Herbst jedenfalls mal wieder gelohnt. Für den Doppelzentner werden ordentliche Preise gezahlt. Das hänge damit zusammen, dass in Osteuropa viel Obst erfroren und die Ernte dort dünn ausgefallen sei, sagte Maier.
Früher wurde das Obst aber vor allem selbst genutzt. Most war im Dorf das ganze Jahr über das Hausgetränk, das man in Fässern im Keller lagerte. Diese konnten bis zu 400 Liter fassen. Wenn es mal weniger Äpfel und Birnen gab, wurde der Most mit Wasser verdünnt. Auch ist der Saft, damit er nicht zu sauer wurde, manchmal noch mit Zucker „verfeinert“ worden.
Weggeworfen wurde früher nichts
Beim Mosten bleibt am Ende der Trester übrig. Dieser kann ebenfalls gebraucht werden, nämlich als Futter fürs Vieh. Weggeworfen wurde früher nichts.
Mit dem Besuch des Schaumostens war Monika Laufenberg sehr zufrieden. Das schöne Herbstwetter lockte viele Besucher, die sich im Freien frisch gepressten Süßmost, Most-Bowle, Kaffee und Kuchen schmecken ließen.