Pierre Brugger aus Nellingsheim und Tobias Friedrich aus Wurmlingen gehören zu den besten Bodybuildern Deutschlands.
Sie heben die großen Gewichte, ächzen und schwitzen und motivieren sich gegenseitig: Pierre Brugger (33) aus Nellingsheim und Tobias Friedrich (38) aus Wurmlingen gehen beim Krafttraining an ihr Limit und zählen zu den besten Bodybuildern Deutschlands. Mindestens fünfmal wöchentlich trainieren sie im Rottenburger Fitness First (bis Sommer 2024 Clever Fit) eineinhalb Stunden lang und arbeiten am Aufbau und an der Definition ihrer Muskulatur.
Die beiden Männer verfolgen einen strukturierten Trainingsplan. Einen Tag wird der Rücken trainiert, bei der nächsten Einheit dann die Brust. Dann folgen Arme und Schultern, bevor er sich im letzten Training des Zyklus der Beinmuskulatur widmet. Dazu gehören Übungen für verschiedene Muskelgruppen genauso wie ein Ernährungsplan.
Und das mit großem Erfolg: Pierre Brugger wurde bei der süddeutschen Meisterschaft des Verbands National Athletic Committee (NAC) in der Kategorie „Mens’s Physique“ Anfang November dritter, beim bundesweiten Wettbewerb Ende November Sechster – obwohl er sich erst kurz vor den Wettbewerben entschloss, anzutreten und die „perfekte Linie“ zu erreichen. „Die Vorbereitungszeit war extrem kurz“, sagt Brugger. Trainiert und beraten hat ihn Tobias Friedrich, der selbst beim „Open Bodybuilding“ des NAC in Süddeutschland Zweiter wurde und bundesweit Dritter. In seiner Klasse gibt es kein Gewichtslimit – je breiter, desto besser.
„Bodybuilding ist schon lange meine Leidenschaft“, sagt Friedrich. Er arbeitet bei Mercedes-Benz in Sindelfingen, hat drei Kinder und trainiert seit er 16 ist. Zeitweise intensiver, zeitweise warfen ihn Verletzungen zurück. „Das ist mein Talent und es war immer mein Traum, auf der Bühne zu stehen“, sagt Friedrich.
Beim Training kein Handy
Im Hallenbad werde er oft zaghaft von Jugendlichen angesprochen. Ältere trauen sich oft nicht. So hart der Sport ist, findet er darin doch Ausgleich. Beim Training hat er kein Handy dabei. „Ich bin voll auf die Übungen konzentriert. Wenn ich danach durchs Drehkreuz des Fitnessstudios gehe, fängt der Alltag wieder an.“ Die regelmäßigen Besucher grüßen ihn, plaudern.
Dort hat er auch Pierre Brugger kennengelernt, den ebenso viele grüßen. Dass sie beide bei Wettbewerben erfolgreich waren, hat sich längst herumgesprochen. „Ich komme auch wegen den Leute her“, sagt Brugger. Viele seien zu Freunden geworden – zwar ist jeder Einzelkämpfer, aber der Sport verbindet doch. Bruggers Ehefrau kommt aus Dettingen. Der Liebe wegen ist er aus Bad Wurzach in die Region gezogen. Brugger hat einen Sohn, ist bei der Uniklinik in Tübingen angestellt und hat wie die meisten lange locker trainiert. „Ich habe das Fitnessstudio zum Ausgleich besucht und wollte hauptsächlich muskulöser werden“, erzählt Brugger. Ende August vergangenen Jahres starb überraschend sein Vater mit gerade einmal 65 Jahren. „Ich habe mich dann voll ins Training gestürzt, auch um mich abzulenken“, sagt Brugger. Wenn er an diesen Schicksalsschlag denkt, ringt er mit den Tränen.
Der Schritt auf die Bühne
Nach dem Besuch eines „Posing Day“ im September in Stuttgart entschieden beide, selbst den Schritt auf die Bühne zu wagen. Da die Zeit knapp war, mussten sie sich umso mehr disziplinieren. Brugger baute zum Beispiel viel Fett ab, obwohl er ohnehin schon schlank war. Zuletzt betrug sein Körperfettanteil nur noch 3,5 Prozent (normal sind bei Männern eher 15 bis 20 Prozent). „Beim ersten Wettbewerb habe ich das für meinen Vater gemacht, danach für mich selbst“, sagt Brugger.
Die größte Veränderung betraf die Ernährung. „Die richtige Ernährung ist viel entscheidender als die meisten denken“, erklärt Friedrich. In der Aufbauphase mästen sich die Bodybuilder regelrecht, um Masse und Muskeln aufzubauen. Danach gehen sie auf Diät, reduzieren kurz vor dem Auftritt vor der Jury auch die Wasseraufnahme.
Keine Tests auf Anabolika
Der Verband NAC testet die Athleten nicht, beispielsweise auf Anabolika. Je höher die Gewichtsklasse, desto unwahrscheinlicher ist es indes, auf rein natürlichem Wege ins Spitzenfeld zu gelangen – wie bei vielen anderen Sportarten. Bei Wettkämpfen wird nicht nur die Größe der Muskeln, sondern auch deren Definition und Symmetrie bewertet. Damit die Konturen und Muskeln im Scheinwerferlicht auf der Bühne besser zu sehen sind, bemalen sich die Bodybuilder vorher mit brauner Farbe.
„Ich habe vorher nie nach Plan gegessen“, erzählt Brugger. Inzwischen hat er genauso wie Friedrich sein Essen immer selbst dabei. Es ist eiweißreich und kohlenhydratarm und genau abgewogen. Auf dem Speiseplan stehen meistens Eier, Quark, Sky, Hähnchenbrust, fettreduziertes Hackfleisch, Reis, ergänzt um Eiweißpulver und Shakes.
Die Ehepartner und die Kinder wissen das ebenso wie Freunde und Bekannte. „Man gibt schon etwas Lebensqualität auf. Bei mir ist für die ganze Woche nach Plan vorgekocht“, erzählt Friedrich und fügt schmunzelnd hinzu: „Wir haben schon ein bisschen einen Schuss.“ Im Restaurant mit Freunden lasse er sich manchmal einen Räuberteller für 3,50 Euro geben, lege aber ausschließlich sein eigenes mitgebrachtes Essen darauf.
Verzicht auf Alkohol
Bei Brugger ist es genauso. „Meine Mutter ist immer noch enttäuscht, dass ich nichts bei ihr esse. Wer weiß, ob nicht doch 100 Gramm Sahne enthalten sind“, sagt Friedrich. Auf Alkohol verzichten beide Athleten komplett. „Das vermisse ich gar nicht“, sagt Brugger. Anfangs hatte er manchmal Lust auf McDonalds. Kleine Ausreißer sind an sich erlaubt, wenn auch der Griff zur Cola light besser für die Figur ist als jener zur zuckrigen Variante. Deshalb plante er den Besuch schon mehrmals ein, verzichtete dann aber doch. „Ich möchte das Erreichte nicht verlieren.“