Theodor Tümpel qualifizierte sich für die NABBA Bodybuilder WM in Linz in Österreich. Doch eigentlich dacht er nie an diese Sportart. Bei einem Treffen in seinem Heimatort sprach er über seinen Weg dort hin und auch über die Schattenseiten.
Theodor Tümpel steht im Café Röder am Rathausplatz. „Oh, mein Cappuccino bitte ohne Schokopulver“, erklärt er der Bedienung hinter dem Tresen mit Blick auf das braune Puder auf seinem Milchschaum. Solche Momente habe er des Öfteren im Alltag.
Ernährung Das erfordere viel Disziplin, erklärt der Vize Deutsche Meister im Bodybuilding in der Kategorie Männer eins und stellvertretender Schulleiter der Berufsfachschule bei einem Treffen mit unserer Redaktion. Vor allem befinde er sich derzeit auch noch in der Diätphase. Das heißt: wenig Kohlenhydrate und vor allem auch kein Schokopulver.
Alles wird abgewogen
Seine Mahlzeiten bestehen aus Reis, Hühnchen, Gemüse und zum Frühstück Haferflocken. Alles werde abgewogen. Selten, maximal zwei Mal im Monat, gäbe es ein vom Trainer genehmigtes „Free Meal“, bei dem er in der Off-Season auch mal mit seiner Frau Essen gehe oder sich ein Sandwich bei Subway genehmigt.
Die Off-Season sei eine Art Nebensaison, bei der er auf die Regeneration seines Körpers achtet, erzählt er über seinen Sport.
20 Wochen Diät
Durch die Diät werde der Körper in der Regel 20 Wochen lang auf das perfekte Wettkampf-Niveau gebracht. Mit einem sehr geringen Körperfettanteil könne die Form, Muskelstruktur, -härte und -fülle optimal in den unterschiedlichen Posen dargestellt werden.
Bei ihm dauerte die Diät zirka 14 Wochen. Allerdings merke er durch die Diät auch, wie seine Konzentrationsfähigkeit sinke und er ab und an Aussetzer im Alltag habe.
WM der NABBA Doch am Samstag, 15. Juni, komme es auf die perfekte Form in den Posen an. Denn er reist nach Linz in Österreich, um an der NABBA (National Amateur Bodybuilders Association) Weltmeisterschaft im Bodybuilding teilzunehmen. Die NABBA sei hierbei der größte internationale Fitnessverband. Er trete dabei in der Kategorie Männer eins an, was bedeutet, dass er mit einer Körpergröße von über 1,80 Metern antritt.
WM Ablauf Nach einem ersten Vergleich bei dem alle Athleten betrachtet werden, zeigen die Teilnehmer auf der Bühne in sechs Pflichtposen ihre Muskeln, erklärt Tümpel den Ablauf des Wettkampfes. Dadurch entscheide sich, wer ins Finale eingehe und noch genauer von der Jury gemustert werde. „Bodybuilding ist das Training und der Lifestyle, der Wettkampf ist ein Schönheitswettbewerb. Eine reine Illusion.“
Dabei hätte er nie damit gerechnet, einmal Bodybuilder zu werden. In seiner Jugend spielte er bei der damaligen KJG Schwenningen, heute die Panthers, so gut Basketball, dass er mit 14 Jahren auf eine Sportschule in Jena ging und in der Basketball Jugendbundesliga spielte.
Sportlicher Wendepunkt Doch irgendwann kam ein Wendepunkt. „Ich habe gemerkt, dass es mich nicht mehr erfüllt.“ Er hatte Heimweh und vermisste „das andere Leben“, Freunde treffen, Feiern gehen und andere alltägliche Tätigkeiten. „Ich bin in ein Loch gefallen“, spricht Tümpel ganz ehrlich über diese Zeit in seinem Leben.
Start mit Fitness Darauf hin habe er mit Fitness angefangen und merkte, dass er gut darin war. Aber:„Ich habe nie an Bodybuilding gedacht.“ Und nach seiner Hochzeit 2022 gab es dann einen großen Schnitt. Nach Corona habe er nach eigener Aussage eine „katastrophale Form“ gehabt, bei der er ein bisschen ins Übergewicht rutschte und da war ihm klar: „Jetzt muss ich was tun.“
Von der Gewichtsreduzierung zum Muskelaufbau
Mit einem Coach ging es zu Beginn um die Gewichtsabnahme und die Umstellung seiner Ernährung. Mit viel Disziplin und starkem Willen erreichte er sein gewolltes Ziel und startete im Juli 2023 mit dem Muskelaufbau. „Ich habe gemerkt, dass das voll mein Ding ist“, spricht Tümpel voller Freude.
Entschluss Doch auch zu diesem Zeitpunkt waren Wettkämpfe noch kein Thema. Erst Ende vergangenen Jahres sei der Entschluss gefallen. „Es war klar, dass ich mich ausprobieren möchte.“ Als ehemaliger Leistungssportler wäre es nur eine Frage der Zeit gewesen, bis er nach mehr gestrebt hätte. Mit Unterstützung von seinem Trainer und dem Team der Fitness Fabrik Trossingen machte er guten Fortschritt und brauchte nicht lange, bis er in Wettkampfform war, so Tümpel. So wurde aus dem ursprünglich angedachten Saisonstart im Herbst doch schon Frühjahr.
Emotionaler Wettkampf Vor allem der erste Wettkampf bei der DBFV Newcomer Deutschen Meisterschaft in Petersberg sei „unheimlich emotional“ für ihn gewesen. Trotz eines starken Teilnehmerfeldes habe er sich durchgesetzt und schaffte es bis ins Finale. Mit Hinblick auf das, was er erreicht habe, seien ihm auch die ein oder andere Träne hinter der Bühne gekommen. „Das war nach meiner Hochzeit der zweitschönste Tag in meinem Leben“, zeigt sich Tümpel emotional.
Mentale Seite Bereits eine Woche später bei den NABBA German Open Deutsche Meisterschaft in Trossingen, am 4. Mai, konnte er in der Kategorie Männer eins den zweiten Platz belegen und qualifizierte sich für die Weltmeisterschaft in Linz. Entspannter und mit weniger Erwartungsdruck geht er nun in seine erste Weltmeisterschaft. Vor allem am Anfang habe man manchmal Selbstzweifel und „brauche Menschen in seinem Umfeld, die einen auf den Boden holen“. Doch seine ersten Erfolge würden ihm Sicherheit geben.
Das wichtigste sei die mentale Stärke. Denn Bodybuilding bedeute auch viel Verzicht. Verzicht auf Essen, beziehungsweise Kalorien, und vor allem auch soziale Kontakte. Denn Bodybuilding sei ein Vollzeitjob. Darunter leide auch seine Ehe.
Nach der WM Daher wolle er nach der Weltmeisterschaft, egal wie sie ausgehe, erst einmal in eine Off-Season gehen. Dann könne er mehr Kohlenhydrate zu sich nehmen und „mehr leben“. Dann habe er auch endlich wieder mehr Zeit für seine Frau und um seine Ehe zu pflegen. „In den nächsten Wochen werde ich einfach mal einen Döner essen gehen“, sagte er zum Schluss schmunzelnd.