Toni Skrzypek ist Teil der deutschen BMX-Nationalmannschaft. Foto: www.imago-images.de/IMAGO/Alex Whitehead/SWpix.com

Toni Skrzypek will 2028 bei den Olympischen Spielen in Los Angeles am Start stehen. Für dieses Ziel investiert der BMX-Fahrer viel – ganz so, wie es sein Cousin im Trikot des VfB Stuttgart tut.

Diese Möglichkeit ergibt sich ja eher ungewollt. Am kommenden Samstag hat Nick Woltemade spielfrei – der Angreifer des VfB Stuttgart ist wegen seiner umstrittenen Gelb-Roten Karte vom vergangenen Sonntag gesperrt, wenn sein Team beim 1. FC Union Berlin antritt. Woltemade könnte theoretisch also einen Ausflug ins belgische Zolder machen. Es wäre eine Art Familienausflug.

 

Nun stammt der Fußballer zwar aus Bremen, in Zolder jedoch könnte er ein Familienmitglied aus Stuttgart besuchen – und ihn quasi als Fan unterstützen. Denn auf der belgischen Rennstrecke stürzt sich Jan Anton Jakob, genannt Toni, Skrzypek in den Kampf Mann gegen Mann. Rad an Rad. Mit ausgefahrenen Ellbogen. Beim European Cup im BMX Racing.

Toni Skrzypek ist der Cousin von Nick Woltemade – und wie der kickende Verwandte hat auch der Radsportler hohe Ziele. Nick Woltemade träumt von einer Teilnahme an der Fußball-WM 2026. Das Mega-Event, bei dem Tony Skrzypek dabei sein möchte, liegt noch einmal weiter in der Zukunft. „Olympia 2028 in Los Angeles“, sagt er, „war schon immer DAS Ziel.“ Um es zu erreichen, gibt der 21-Jährige seit Jahren alles. „Der Sport“, sagt er, „ist für mich Prio eins.“ Und ist damit nicht allein.

Sein jüngerer Bruder Max teilt die Leidenschaft für das kleine Rad und die großen Sprünge, war in den vergangenen Jahren aber erst einmal raus aus dem Renngeschehen. Bei einem Sturz mit dem BMX-Bike hatte er sich beide Handgelenke gebrochen, ist erst seit Kurzem wieder zurück. „Er macht Riesenfortschritte“, lobt Toni Skrzypek, „wie er sich durchgekämpft und Härte bewiesen hat, ist sehr beeindruckend.“

Der Traum von 2028 lebt seit 2012

Beeindrucken will auch weiterhin Toni Skrzypek. Er stammt aus Mönsheim, zog mit 16 ins Stuttgarter Sportinternat, lebt seit einiger Zeit in Bad Cannstatt, trainiert am Olympiastützpunkt sowie auf der Strecke auf dem Schnarrenberg. Gemeinsam mit den anderen Jungs aus der deutschen Nationalmannschaft.

Von denen war Philip Schaub derjenige, der im vergangenen August bei den Sommerspielen von Paris angetreten ist. Für Toni Skrzypek war eine Teilnahme 2024 noch kein wirkliches Thema. Dass er einmal im Zeichen der Ringe die Startrampe herunterrasen möchte, hat er dagegen schon 2012 beschlossen. 2009 hatte er mit dem BMX-Fahren begonnen, nun sah er die Rennen bei den Spielen von London – für Deutschland war damals Luis Brethauer dabei – und erinnert sich: „Das Ziel Olympia hat sich in meinen Kopf eingebrannt, seit ich neun Jahre alt war.“

Philip Schaub war im August 2024 bei den Olympischen Spielen in Paris am Start. Foto: IMAGO/frontalvision.com/IMAGO/Arne Mill

Der heute 21-Jährige schafft es in jenem Jahr in den Landeskader, das Training wurde professioneller, er arbeitete sich fortan Stück für Stück nach vorn. Im vergangenen Jahr wurde er schließlich jeweils Fünfter bei der WM und der EM, hat einen European Cup gewonnen. In der Klasse U 23. Die er nun nach und nach hinter sich lassen wird.

Ein Jahr lang ist er noch startberechtigt in der Nachwuchsklasse – und hat dafür ein klares Ziel: den Titel bei den Weltmeisterschaften. Zugleich steht das Jahr 2025 aber auch für den schrittweisen Einstieg in die Eliteklasse. „Ich versuche, einen guten Übergang zu finden“, sagt Toni Skrzypek – ehe es ab dem kommenden Jahr dann wirklich um die Spiele 2028 geht.

Dann beginnt der Qualifikationszyklus für Los Angeles, in dem es zunächst gilt, einen oder zwei Startplätze für das Team von German Cycling zu sichern. Zugleich geht es darum, sich auch intern zu behaupten. Vier Fahrer sind derzeit dazu auserkoren: Paris-Starter Philip Schaub, Paris-Ersatzfahrer Julian Schmidt, Stefan Heil und eben Toni Skrzypek. „Jeder von uns ist auf seine Art gut und talentiert“, sagt der Mönsheimer, der Sportsoldat ist und auch noch Architektur studiert.

Was bei ihm sofort ins Auge sticht: seine Größe. Toni Skrzypek ist nur zwei Zentimeter kleiner als sein Cousin Nick Woltemade (1,98 Meter) – und ganz froh darüber, dass er nicht noch weiter in die Höhe geschossen ist. Denn dann hätte er vermutlich eine Spezialanfertigung eines BMX-Rads gebraucht. Das wäre teuer und kompliziert geworden. Mit seinen 1,96 Metern fährt er nun die größtmögliche Standardvariante – und versucht die Vorteile seiner Anatomie zu nutzen.

Vor allem, wenn es darum geht, Wellen zu „schlucken“ und mit den Hindernissen zu „spielen“, kommen Toni Skrzypek seine langen Beine ganz gelegen. „Ich bin groß und dadurch auch schwer“, sagt er, „aber wenn man diese Größe und das Gewicht gut einsetzen kann, dann kann beides ein Vorteil sein.“ Mit dem Trainerteam in Stuttgart um Simon Schirle, aber auch mit seinem persönlichen Coach – der Spanier Guillermo Alvarez war einst Nachwuchscoach in Stuttgart – feilt er stets weiter an technischen Details und athletischen Aspekten.

Damit Los Angeles 2028 kein Traum bleibt.