Sie verkaufen Blumen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Drei Floristen berichten, wie sie sich am Markt behaupten wollen. Ihre Ideen sind dabei ganz unterschiedlich.
Wenn die Industrie schwächelt, Stellen abgebaut und keine Boni mehr ausbezahlt werden, ist es keine gute Zeit für Blumen. „Das merken wir sofort“, sagt der Empfinger Blumenhändler Alexander Gerhardt, wenn er über die Auswirkungen der allgemeinen Wirtschaftslage auf sein Geschäft mit Blumen spricht. Er nennt beispielhaft die geplante Schließung des Ceratizit-Standorts in seinem eigenen Ort, den angekündigten Stellenabbau bei Bosch, die Autoindustrie im Großraum Stuttgart, die zu kämpfen hat. Mitten in der Krise werden Blumen zum Luxusgut. „Lieber in den Urlaub gehen und dafür weniger Pflanzen kaufen“, würde sich manch einer jetzt sagen, meint Gerhardt. „Die Zeiten sind nicht rosig.“
Blumenautomat auch in Haigerloch
Um Rosen und Co aber trotzdem weiterhin erfolgreich zu verkaufen und sich gegen die Konkurrenz durch Tankstellen und Supermärkte zu behaupten, hat sich Alexander Gerhardt etwas Neues überlegt: Seit vergangenem Freitag ist in Horb ein Blumenautomat von ihm in Betrieb. Er steht zwischen einem Drogeriemarkt und einer Bäckerei in der Nähe zweier großer Discounter und nahe einer Tankstelle. Sein Ziel beschreibt Gerhardt so: „Ich möchte Blumen verkaufen, wenn andere geschlossen haben.“ Mit dem Automaten möchte er eine Alternative zu Billiganbietern sein. An seinem Automaten könnten die Kunden regional und mit „Frischegarantie“ Sträuße und Gestecke kaufen.
Individualität und Emotionen
Die Idee zum Automatenverkauf habe in der Corona-Zeit ihren Ursprung gehabt. Damals sei nur ein Außenverkauf möglich gewesen. In einem Getränkekühlschrank habe er zunächst vor seinem Empfinger Geschäft Pflanzen angeboten – mit einer Bezahlung auf Vertrauensbasis. Das habe während Corona auch gut funktioniert, doch danach sei die Diebstahlquote gestiegen. Folglich stellte Gerhardt einen Automaten vor seinem Laden auf, der nur das herausgibt, was bezahlt ist. Jetzt folgte jeweils ein Blumenautomat in Horb und in der Oberstadt von Haigerloch.
Keinen Blumenautomaten möchte hingegen Robert Müller, Inhaber des Blumenhaus Müller in Horb, aufstellen. Er sagt: „Das werde ich nie machen.“ Für ihn spielen bei Blumen Individualität und Emotionen die größte Rolle. „Bei uns bekommen die Kunden individuelle Sträuße, sie können sich die Blumen selbst aussuchen“, sagt er. Ob es ein Strauß für die Mama sein soll oder für einen Geburtstag – „es stehen Emotionen dahinter“. Beim Kauf aus einem Automaten würde die Blume hingegen „als Sache hingestellt“ werden.
Argumente gegen Automaten
Er sagt: „Jede Branche hat gerade Probleme.“ Er hat seinen eigenen Weg gefunden, um mit den Herausforderungen umzugehen: „Man muss momentan bereit sein, mehr zu geben.“ Für Müller bedeutet das unter anderem eine Besinnung auf seine Wurzeln. Denn er ist ursprünglich gelernter Gärtner. Im vierten Jahr produziere er seine Blumen jetzt schon selbst. Das bedeute für ihn mehr Arbeit. Doch er sagt: „Die Leute schätzen das und dann macht es auch Spaß.“
Mit Freundlichkeit und Service möchte Ute Waldmann in ihrem Horber Blumengeschäft auch in wirtschaftliche schweren Zeiten die Menschen überzeugen. Einen Verkaufsautomaten aufzustellen, habe sie sich auch lange überlegt und es liege ein gewisser Reiz darin.
Doch was für sie gegen einen Automaten spricht: „Wir haben im Geschäft unsere Stoßzeiten. Dann noch einen Automaten mit guter Ware zu bestücken, wäre nicht möglich.“ Ihre Kunden würden je nach Wunsch einen Zweig von hier und ein Blättchen von da bekommen. Waldmann ist überzeugt: „Ein schöner Blumenstrauß braucht Zeit.“