Regen Austausch gab es beim Wirtschaftstag in Blumberg. Gastredner Stefan Frädrich sprach über die richtige Mitarbeiter-Führung. Die Besucher lobten das Format als Plattform und Austausch-Börse.
Was ist ein guter Chef, und wie gelingt Führung? Der zehnte Blumberger Wirtschaftstag hielt alles, was er versprach. Redner Stefan Frädrich gab den zahlreichen Anwesenden aus dem Wirtschaftsleben Impulse für ihr Arbeitsleben.
Die Gastgeber, vertreten durch Bürgermeister Markus Keller, sowie der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Schwarzwald-Baar-Heuberg, Thomas Albiez, eröffneten die Veranstaltung. Keller nahm die geringere Teilnehmerzahl als vor Corona und bei der Wiederaufnahme im vergangenen Jahr locker und bezeichnete die erste ausgeschriebene Terminüberschneidung mit dem 50. Jubiläum des Landkreises als ein echtes Eigentor. Die kurzfristige Verlegung von Mai in den Juni zeige sich an der kleineren Gästeliste. „Unser Wirtschaftstag ist ein gutes Format und hat sich voll etabliert. Vor allem der rege gegenseitige Austausch ist hier sehr wichtig. Die Kooperation mit der IHK passt und funktioniert hervorragend“, hob er die Wertigkeit der Veranstaltung hervor.
„Eine gute Fachkraft oder Handwerker verdient heute so viel wie ein Akademiker.“
In wirtschaftlich nicht einfachen Zeiten nimmt für den IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez diese Begegnungsstätte einen hohen Stellenwert ein: „Wir wollen uns bei allen Unternehmen bedanken, die sich für diesen wachsenden Standort Blumberg entschieden haben. 2022 hat sich die Wirtschaft trotz Ukraine-Kriegs, Energiekrise und Inflation deutlich besser geschlagen als befürchtet. In diesem Jahr müssen wir aber mit weiteren Schwierigkeiten rechnen.“
Der Fachkräftemangel, eine „auswuchernde“ Bürokratie sowie einige Entscheidungen in der Wirtschaftspolitik würden Unsicherheiten schaffen. Ein ganz wichtiges Fundament ist für ihn die Ausbildung. „Während der Pandemie sanken die Zahlen der besetzten Ausbildungsplätze von 7500 auf 6000. Allerdings hat sich dieser Trend wieder stabilisiert, und die Ausbildung gewinnt wieder an Bedeutung. Hier tun sich viele Chancen auf. Eine gute Fachkraft oder Handwerker verdient heute so viel wie ein Akademiker. Dies ist ein weiterer Anreiz,“ betonte der IHK-Chef, und: „Die Region Blumberg kann auf einen guten Mittelstand bauen und ist zu einer echten Lokomotive geworden.“
Bürgermeister Markus Keller nahm diesen Ball gerne auf. Zum Empfang des bekannten Motivationsexperten und Weiterbildungsunternehmers Stefan Frädrich erklärte Keller mit einem Augenzwinkern, dass der Auftritt von Barack Obama eigentlich für Blumberg und nicht Köln geplant gewesen sei. Frädrich hatte den Ex-US-Präsidenten im April für eine Veranstaltung gewonnen.
„Wichtig ist, dass der Chef unwichtig ist“
Für den professionellen Redner Stefan Frädrich war dieser Übergang eine Steilvorlage, und er nahm diesen Faden vor den Blumberger Unternehmern sofort auf. Mit seinem Thema „Was ist ein Chef – Mach's richtig“, gepaart mit amüsanten Beispielen und Anekdoten aus eigener Erfahrung traf er den Nagel auf den Kopf. Mit Vorgaben „Wie funktioniert gute Führung“, „Lerne dich, im Griff zu haben“ oder „Führe dich selbst“ bis zu der Philosophie „Fördere und Fordere“ kamen seine Empfehlungen gut an. „Mach Platz für andere“ nach seiner These „Wichtig ist, dass der Chef nicht wichtig ist, wichtig ist, dass er unwichtig ist“, ging er in die Tiefe psychologischer Geschäftsführung.
Immer wieder humorvoll mit alltäglichen Beispielen dargestellt, erntete sein über einstündiger Vortrag tosenden Beifall.
Besonders viele Jungunternehmer waren an diesem Abend in der Halle zu finden. Der Inhaber eines Autohauses, Jürgen Weißer, ist an diesem Wirtschaftstag regelmäßig vertreten. „Super, dass so etwas möglich ist. Ich freue mich jedes Jahr auf diesen Treff“, sagte er. Der Riedböhringer Inhaber des IT-Unternehmen Generative Software in Freiburg, Heinz Rohmer, begrüßt diese Veranstaltung ebenfalls: „Sie ist immer einen Besuch wert. Im Raum Freiburg vermisse ich so etwas“, schätzt er diesen Austausch. Für den ehemaligen Blumberger Geschäftsmann und ehemals langjährigen Vorsitzenden der Werbegemeinschaft, Norbert Hinsch, ist dieser Treff einmalig. „Es ist absolut Spitze, früher gab es so etwas nicht. So etwas stellen nur ganz wenige Gemeinden auf die Füße“, betont er.
Austausch am Buffet
Vor allem das abschließende Catering ist bei den Gästen sehr beliebt. Warum? Weil gerade hier der Austausch stattfindet. Wenn der Ein-Mann-Betrieb mit dem gestandenen Mittelständler ins Gespräch kommt oder die Bäckersfrau mit dem etablierten Handwerker diskutiert, ist eine große Solidarität für den Standort Blumberg untereinander zu verspüren. Mit einem immer freundlichen Lächeln war dem Personal der Stadtverwaltung zu begegnen. Die 2012 geborene Idee von Bürgermeister Markus Keller entwickelte sich zu einem gefragten Termin.