Der Entwurf für die Hybridbauweise zeigt das neue Gebäude für die Grundschule, Weiherdammschule und die Mensa von der Achdorfer Straße aus. Foto: Spieker Sautter Lauer Architekten Foto: Schwarzwälder Bote

Gemeinderat: Holzpreise explodieren und verursachen untragbare Mehrkosten / Neue Entscheidung

Wegen der explodierenden Holzpreise hat der Gemeinderat für den Schulcampus einer Umplanung der Tragwerkskonstruktion zugestimmt. Statt der bereits geplanten Hybrid-Bauweise mit Beton und Holz wird jetzt für eine Stahl-Beton-Bauweise geplant, wie dies die Verwaltung vorgeschlagen hatte.

Blumberg (blu). Stadtrat Detlev Dillmann (FDP) votierte als einziger für die Hybrid-Bauweise, alle anderen Stadträte stimmten für die Variante mit der Umplanung. Der zwei Tage zuvor tagende Sonderausschuss Schulcampus hatte noch mehrheitlich empfohlen, mit der Hybrid-Bauweise weiter zu planen.

Lieferzeit auch Problem

Bei der Hybrid-Bauweise wären nach derzeitigem Stand Mehrkosten von rund 545 000 Euro entstanden, schilderte Architekt Max Lauer vom Büro Spieker Sautter Lauer in Freiburg. Ein Problem seien auch die Lieferzeiten und das Thema Festpreise, sagte Stadtbaumeister Uwe Veit. Und der Markt sei fragil, betonte Bürgermeister Markus Keller.

Leicht fiel die Entscheidung dem Gemeinderat, der zum ersten Mal online tagte, trotzdem nicht. Die Planung für den Schulcampus ist schon weit fortgeschritten, für die Tiefbauarbeiten ist bereits die Submission erfolgt, als nächstes werden die Rohbau- und Zimmererarbeiten ausgeschrieben.

Frage nach eigenem Holz

Stadtrat Hermann Zorbach fragte, ob die Stadt Blumberg als eine der waldreichsten Kommunen in Baden-Württemberg der Firma, die beauftragt werden muss, nicht eine bestimmte Menge Holz zur Verfügung stellen könnte, "dass wir uns vom Holzpreis abnabeln können." Architekt Lauer antwortete, ausschreibungstechnisch wäre dies wohl möglich, benötigt werde aber industrielles Holz. "Brettstapeldecken sind Produkte, die wir nicht von einem Sägewerk sondern von einem industriellen Hersteller bekommen." Und dies lasse sich nicht vermeiden. Bürgermeister Keller ergänzte: Der Gedanke sei charmant, aber da seien so viele Arbeitsschritte dazwischen, er könne sich auch kaum vorstellen, dass die Firma das zwischen ihrer Auslastung machen könne. Stadträtin Sarah Bank, selbst in der Holzbranche tätig, nickte.

Bürgermeister Keller unterstützte die Empfehlung von Architekt Lauer. Die Frage sei: Was sind uns die Tonnen CO2 wert, wenn die Kosten explodieren. Dabei lägen die Kosten für den ersten Bauschnitt inzwischen schon bei fast 16 Millionen Euro, und die Stadt habe noch ein paar andere Projekte, etwa die Mehrzweckhallen in Ried­öschingen und in Riedböhringen. Und der erste Bauabschnitt werde wohl nicht ohne eine Teilkreditfinanzierung erfolgen.

Die Diskussion

CDU: Fraktionssprecher Dieter Selig zog den Bogen. Am 13. Februar 2020 habe der Gemeinderat auf Antrag der Freien Liste mehrheitlich entschieden, dass der Schulcampus auch ohne Zuschussgewährung und mit Mehrkosten von 354 000 Euro brutto in Holz-Hybridbauweise erstellt werden soll. Die CDU-Fraktion habe aus Kostengründen die Ausführung in einer Stahl-Betonbauweise beantragt. Zusammen mit 60 000 Euro mehr Planungshonorar wären dies 960 000 Euro. Die CDU stimmte gegen eine Fortführung der Planung in Holz-Hybrid-Bauweise. "Wir denken dabei auch an die Finanzierung der erforderlichen und noch ausstehenden Infrastruktur- und Sanierungsprojekte wie die Mehrzweckhallen Riedöschingen und Riedböhringen." Es müsse verhindert werden, dass andere wichtige Projekte gestrichen oder verschoben werden müssen.

Freie Liste: Fraktionssprecher Hannes Jettkandt schilderte noch einmal, dass die Freie Liste beim Tragwerk zunächst bewusst für die Holz-Hybrid-Bauweise war, weil dadurch weniger Tonnen CO2 verursacht würden. Das sei ihnen die anfangs 250 000 Euro Mehrkosten wert gewesen. Nun wären mit Holzpreis und Honoraranstieg weitere 600 000 Euro dazugekommen. "Das schmerzt. Wir hätten viel lieber in Holz-Hybrid-Bauweise gebaut. Der jetzt aufgezeigte Betrag ist für uns nicht mehr tragbar." Sie stimmten daher der Umplanung zu. Das gelte aber nur für den ersten Bauabschnitt. Aber, und das sollte auch klar sein, "bei weiteren Projekten der Stadt werden wir auf Aspekte des Klimaschutzes größten Wert legen".

FDP: Fraktionssprecher Werner Waimer: "Wir Freie Demokraten sahen im Schulcampus von Beginn an ein Leuchtturmprojekt. Und dazu gehören für uns auch weltbeste Bedingungen. Wir haben uns von Beginn an für eine nachhaltige Bauweise stark gemacht. Holz ist ein nachwachsender Rohstoff und spart CO2." Deshalb habe er sich im Sonderausschuss für die Hybridbauweise stark gemacht. Es sei der Vortrag von Architekt Lauer gewesen, "der mich in den letzten zwei Tagen zum Umdenken gebracht hat."

SPD: Fraktionssprecherin Ursula Pfeiffer erklärte: "Die Ausgangslage hat sich wesentlich geändert, wir stimmen der Umplanung zu und werden an unserem Beschluss nicht festhalten."

Stadtrat Hermann Zorbach: "Dem Diktat des Geldbeutels können wir uns nicht verschließen. Im Zusammenhang mit dem Schulsport drückt uns auch die Sanierung des Werner-Gerber-Stadions. Da wird uns die halbe Million gut tun", worauf Bürgermeister Keller erklärte, "die Meinung von Herrn Zorbach teile ich".

Eine zeitliche große Verzögerung werde es kaum geben, hieß es. Wegen neuer Förderbedingungen könne der Spatenstich ohnehin erst im Juli erfolgen.

Info:

Die bisher geltende Hybridvariante hätte wegen der explodierenden Holzpreise rund 545 000 Euro Mehrkosten verursacht. Für die Brettstapeldecke hätten sie netto 170 Euro pro Quadratmeter veranschlagt, sagte Architekt Max Lauer, jetzt lägen die Kosten bei 245 Euro und das bei einer Fläche von 3000 Quadratmetern. Für die Massivholzwand (circa 845 Quadratmeter) hätten sie 165 Euro pro Quadratmeter veranschlagt, jetzt liege der Preis bei 230 Euro. Das bedeute allein für Decken und Wände eine Kostensteigerung von 333 000 Euro. Die jetzt vom Gemeinderat beschlossene Stahl-Beton-Bauweise für den Schulcampus erfordert zwar 125 000 Euro mehr Planungskosten, davon abzuziehen seien aber rund 90 000 Euro weniger Materialkosten, sagte Architekt Max Lauer, sodass unter dem Strich noch 35 000 Euro Mehrkosten entstehen, sprich 510 000 Euro weniger als bei der Hybrid-Variante.

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