Werner Waimer, an Fasnachtsdienstag eigentlich Ankläger beim Narrengericht der Pfetzerzunft Zollhaus-Randen, steht vor dem verlassenen Gemeinschaftshaus Zollhaus. Foto: Lutz

Normalerweise geht es bei der Pfetzerzunft am Fastnachtsdienstag hoch her. Nicht so dieses Jahr - und für diejenigen "Edelnarren", die trotz Corona feierten, hat Pfetzer Werner Waimer kein Verständnis.

Blumberg-Zollhaus - Zollhaus, Fastnachtsdienstag, 10.11 Uhr. Eigentlich wäre das Gemeinschaftshaus gut besucht, voller erwartungsfreudiger Besucher auf den närrischen Frühschoppen, bei dem die Pfetzerzunft Zollhaus-Randen zu ihrem Petzergericht einlädt, und wo sie seit 1933 jedes Jahr einen ausgekochten Loschore verhandelt und verurteilt. Schon nach der Verhandlung vor einem Jahr gegen Bodo Schreiber hatten die Pfetzer erste Anwärter für 2021 im Visier, sagt Werner Waimer. Doch dann kam Corona.

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Doch Waimer, der den närrischen Frühschoppen einst ins Leben rief, um die Blumberger Fastnacht am Fastnachtsdienstag zu beleben und um eine Einnahmequelle für die Pfetzer zu schaffen, blickt närrisch nach vorne: "Nächstes Jahr wird die Dichte der Delinquenten umso größer sein."

Das Gemeinschaftshaus Zollhaus ist dieses Jahr am Fastnachtsdienstag vewaist. Die Parkplätze sind frei, der Briefkasten ist leer, im Saal sind kein Tellergeklapper für die Narrensuppe und keine fröhlichen Stimmen zu hören. Anders als andernorts zum Teil zu erfahren war, halten sich die Pfetzer an die Verordnungen von oben. "Ich akzeptiere, dass heute keine Fasnacht stattfindet", sagt Werner Waimer, der auch Mitglied im Blumberger Gemeinderat ist, wenngleich auch er fordert, dass die Bundesregierung der Wirtschaft und den Menschen überhaupt wieder Perspektiven bieten müsse.

Eigentlich sei die Fastnacht aus Trotz entstanden, sagt Werner Waimer, aus Auflehnung gegen die Obrigkeit. Kein Verständnis hat er aber für diejenigen, die meinten, sie müssten Corona zum Trotz gemeinsam Fastnacht machen. "Ich war stinksauer, als ich am Rosenmontag gesehen habe, wie diese selbst ernannten ›Edelnarren‹ aus Rottweil und Villingen meinen, sie müssen in Rottweil durch das Tor jucken und in Villingen Umzug machen."

Distanzierung von Präsident der Narrenvereinigung gefordert

Überhaupt nicht verstehen kann Waimer die Aussage des Villinger Narrenpräsidenten Anselm Säger dazu – aus seiner Sicht seien nicht die 20 Hästräger beim Umzug, der wohlgemerkt verboten war, das Problem gewesen, sondern die Zuschauer, die in Gruppen zusammenstanden.

Werner Waimer weist auf die Auflagen der Behörden für Umzüge hin: "Wenn wir in Zollhaus den Kinderumzug machen, mit vielleicht 60 Beteiligten und höchstens 20 Zuschauern am Straßenrand, dann brauchen wir eine schriftliche Genehmigung. Die Polizei muss die Waldshuter Straße absperren, die Polizei muss voraus oder hinterher fahren, und wir müssen die Einmündung von der B 27 in die Alte Randenstraße hinter dem Hotel Schweizerhof absperren", wofür ihnen die Stadt Blumberg freundlicherweise das Absperrmaterial zur Verfügung stelle.

Wegen des verbotenen Treibens hat Werner Waimer deshalb eine klare Forderung: "Ich erwarte von Roland Wehrle, dem Präsidenten der Schwäbisch Alemannischen Narrenvereinigung, dass er sich von diesen Umtrieben klar distanziert."

Werner Waimer (69) stammt aus Zollhaus, wo er auch geboren wurde und lebt dort bis heute mit seiner Familie. Beruflich im technischen Bereich weltweit unterwegs, zog und zieht es ihn immer wieder in die geliebte Heimat. Schon als Schulerbub baute er mit seinen Freunden Fastnachtswagen, als Jugendlicher stand er schon in der Bütt, eine Rolle, die er auch als langjähriger Zunftmeister der Pfetzerzunft Zollhaus-Randen jedes Jahr mit vielen Ideen ausfüllte. Politisch engagiert er sich bei den Liberalen, für die FDP ist er im Blumberger Gemeinderat. Auch jetzt unterstützt er noch die Pfetzer unter seinem Nachfolger Oliver Blank mit dessen Führungsteam.

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