Der Schuldspruch wird im Narrennest der Pfetzerzunft besiegelt (von links): die Vorsitzende des Pfetzergerichts, Alexandra Waimer, Ankläger Werner Waimer, Delinquent Bodo Schreiber und Fürsprecher Silvio Waimer. Foto: Schwarzwälder Bote

Pfetzergericht: Gemeinderat und Gewerbevereins-Chef Bodo Schreiber wird zum Karussell-Bremser verdonnert

Fasnet ist vor allem die Faszination des Rollenspiels, der Vermummung, des Ausbrechens aus dem Alltag und der gewohnten Ordnung.

Blumberg-Zollhaus (hon). Kein Wunder also, dass über die närrischen Tage vom Rügerecht der Narren gern Gebrauch gemacht wird. So wie bei den Verhandlungen des hochlöblichen Pfetzergerichts in Zollhaus. Seit 1993 bereichern die Verantwortlichen der Pfetzerzunft damit den Fasnetdienstag in Blumberg.

Auf der Anklagebank in diesem Jahr: Gemeinderat und Gewerbevereins-Chef Bodo Schreiber, den Ankläger Werner Waimer als "BBB" bezeichnete "Bärringer Banausen Bodo". Waimer nahm zunächst das Ehrenamt von Schreiber beim Blumberger Gewerbeverein aufs Korn beziehungsweise dessen offizielle Bezeichnung, die da lautet: "Blumberger Gewerbevereint". Diesen seltsamen Titel verstehe keine Sau, stellte Waimer fest. Bei Blumberg hoch drei sei das viel einfacher: "Blumberg leben, Blumberg erleben und Blumberg überleben."

Schreiber, so Waimer, habe seinen Vorsitzenden-Posten bei der Interessenvertretung von Handel und Gewerbe dazu ausgenutzt, den besten Platz bei der Bandenwerbung der Eisbahn für sich selbst zu sichern. Das erfülle den Straftatbestand der Vorteilsnahme im Amt und sei obendrein ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr. Denn: "Wenn Du auf die Eisbahn zufährst, dann springt Dir der Angeklagte förmlich ins Gesicht. Mit fatalen Folgen: Täglich ereignen sich Fast-Zusammenstöße zwischen schockierten Autofahrern.

Fürsprecher Silvio Waimer gab sich große Mühe, seinen Mandanten zu entlasten. Der bereite sich stets sehr gewissenhaft auf Gemeinderatssitzungen vor – indem er beim Riedböhringer Kinderfest das Kasperle-Theater übernehme. Zudem könne sich Schreiber seit der letzten Gewerbesteuererhöhung kaum noch eine warme Mahlzeit leisten, weshalb er auf Fotos einen derart erbärmlichen Eindruck hinterlasse.

Und überhaupt: Auf die Idee, einen Riedböhringer vors Gericht zu zerren, sei man doch nur gekommen, weil dem Ankläger die Angeklagten ausgingen und weil die Pfetzer – ganz typisch für sie – nur billig zu Freibier und einem Vesper kommen wollten.

Doch alle argumentatorisch-juristischen Winkelzüge des Verteidigers halfen nicht – wie immer: Das Pfetzergericht sprach Schreiber schuldig. Er muss jetzt zur Wiedergutmachung seiner Sünden beim Kinderfest der Pfetzer die Rolle des Karussell-Bremsers übernehmen und für das Grillfest ein ordentliches Fass badisches Bier spendieren.

Und wem droht nächstes Jahr der Prozess vor dem hochlöblichen Zollhauser Narrengericht? Es könnte die Blumberger SPD-Gemeinderätin Uschi Pfeiffer treffen. Die fiel während der gestrigen Verhandlung mit einem vorlauten Zwischenruf auf, worauf Ankläger Werner Waimer meinte: "Es gibt Leute, die betteln regelrecht, hier angeklagt zu werden."

Vor dem hochlöblichen Pfetzergericht mussten sich in den Vorjahren bisher verantworten: 1993 Manfred Glatz und Joachim Suck, 1994 Karl Daub und Barbara Varona, 1995 Wolfgang Faißt, 1996 Dieter Matschke, 1997 Siegfried Alt, 1998 Hilmar Schmid, 1999 Friedhelm Friker, 2000 Clemens Stahl, 2001 Rainer Moritz und die Latscharis, 2002 Dietrich Kuntz, 2003 Gustav Wiggert, 2004 Werner Gleichauf, 2005 Werner Zeller, 2006 Stefan Sosinski, 2007 Wirt Panos von der Adler Post, 2008 Ekkehard Martin, 2009 Roland Pfeiffer, 2010 Christof Rösch, 2011 Herbert Kiefer, 2012 Kurt Selb, 2013 Hermann Zorbach, 2014 Stefan Knöpfle, 2015 Dieter Selig, 2016 Wirt Pino von La Romantica, 2017 Markus Keller, 2018 Bernhard Lutz, 2019 Manuel Müller, 2020 Bodo Schreiber.